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Künstlerlexikon Portrait

Ziggi

Herkunft: Niederlande
Ziggi zeigt in die Kamera; Rechte: topbillin\' Bild vergrößern

Ziggi

Vorgestellt am 02.07.07 in Funkhaus Europa

Livemitschnitt vom Ziggi Konzert am 05.02.09 im Stadtgarten Köln gesendet am 05.04.09 in World Live

Sänger, Singjay, Deejay kann alle Register jamaikanischer Sangeskunst ziehen und bringt die nötigen Voraussetzungen mit, um es einem seiner großen Vorbilder, Gentleman, gleichzutun. Doch eins nach dem anderen.

Der am 8. März 1981 in Rotterdam geborene Sohn einer holländischen Mutter und eines südostkaribischen Vaters verbringt seine ersten zwölf Lebensjahre in St. Eustatius, von der Bevölkerung liebevoll Statia genannt. Die nur knapp 21 Quadratkilometer kleine Insel mit gerade mal 2.600 Bewohnern liegt in den Niederländischen Antillen zwischen St. Martin und St. Kitts.

Für einen jungen Menschen bieten sich dort nicht gerade viele Möglichkeiten, besonders wenn die Großeltern, strenggläubige Siebentagesadventisten, für die Erziehung ihres Enkels herangezogen werden. So wird Ricardo, den die Großeltern Ziggi rufen, mindestens dreimal die Woche ins Gotteshaus geschleppt.
Seine überschüssige Energie steckt er in seine Stimme, die er auf Drängen der Oma hin im Kirchenchor schult. Das kommt ihm später zugute, finden sich doch Gospeleinflüsse in seinem Gesang wieder (vgl. "Hear Me When I Pray").

Über die größere und mit besseren Schulen ausgestattete Insel Aruba, wo er bei seiner Mutter lebt, führt ihn sein Weg 1999 mit 18 Jahren zurück in sein Geburtsland zu einer Tante in einem Vorort von Amsterdam. Das ist für den wohlbehüteten Ziggi, der noch nie eine Großstadt gesehen hat, ein regelrechter Kulturschock. Wie viele Jugendliche der Niederländischen Antillen ist auch er zum Studieren zurückgekehrt. Doch Ziggi fühlt sich überfordert von all den neuen Eindrücken und stellt die Schule erst einmal hinten an.

Er lässt sich treiben und checkt die örtliche Szene aus, wo er jedoch keinen Anschluss findet. Als ihm zu Ohren kommt, dass alte Freunde aus Statia mittlerweile in Rotterdam leben, zieht es auch Ziggi in die Hafenstadt, mitten in die Black Music-Community. Obwohl er seiner Stimme in den letzten Jahren wenig bis gar keine Beachtung geschenkt hat, war doch das Singen mit den auferlegten Kirchgängen verbunden, steckt ihn die Kreativität seiner in der Musik umtriebigen Freunde schnell an. Es dauert nicht lange und Ziggi findet sich im Rock(n)Vibes-Studio von Mr. Rude, seinem späteren Manager und Produzenten, in der Aufnahmekabine wieder. Er singt seinen ersten Song ein - eine Dancehall-Nummer - und stellt fest, dass es gar nicht so schlecht klingt.

In Holland gibt es, anders als in Deutschland, keine funktionierende Reggae-Szene. Es finden zwar Konzerte statt und in größeren Städten legen vereinzelt Sound Systems auf, aber neben HipHop, R&B und Soul gilt Dancehall als ein untergeordnetes Subgenre, das unter dem alles umfassenden Begriff "Urban" subsummiert wird.

Da Ziggi diesen Markt erreichen will, besteht sein frühes Repertoire vorwiegend aus Deejay-Stücken, die in Stil und Thematik sehr an Sean Paul erinnern (vgl.
"Strictly Hot Gyal" oder "All My Girls"). Doch mit der Zeit reizt es ihn, noch mehr aus seiner Stimme herauszuholen und er besinnt sich wieder auf seine frühe Kirchenchorausbildung. Mit tiefgründigeren Texten, einem Gespür für Melodien und Harmonien gelingt es ihm schließlich ein auf "Urban" gepoltes holländischen Publikum mit modernem Roots zu begeistern (vgl. "All Obstacles", "High Time" oder "So Much Reasons").

Auf seinem Debütalbum sind beide Stränge, Dancehall wie Roots, vertreten, was einerseits seine Vielseitigkeit unterstreicht, andererseits aber auch eine gewisse Unentschlossenheit offenbart. Genau diese Unentschiedenheit kennzeichnete auch Gentlemans erstes Album. Obwohl Ziggi als Dancehall-Deejay Riddims gekonnt reitet, klingt er manchmal etwas zu formelhaft und man fühlt sich leicht an vorhandene Styles erinnert. Wenn er hingegen seine Stimme als Sänger oder Singjay voll ausschöpft, klingt er unverwechselbar. Daher will er sich in Zukunft mehr aufs Singen konzentrieren. Er bezeichnet "So Much Reasons", auf dem seine ersten Gehversuche als Deejay neben späteren Reggae-Nummern vertreten sind, noch als eine Suche, die ihn aber schon weit geführt hat.

So ist er in Holland bereits eine Art Superstar, hat er doch sämtliche Musikpreise im urbanen Sektor abgeräumt. Und mit der Renaissance Band, die sich ebenfalls aus Musikern der Niederländischen Antillen zusammensetzt, hat er inzwischen die passende musikalische Live-Umsetzung seiner Songs gefunden - ähnlich wie Gentleman mit seiner Far East Band.

Zudem bringt Ziggi die richtige Arbeitseinstellung mit und ein beherztes Team, das voll und ganz hinter ihm steht. Im April diesen Jahres gab er im Kölner Stadtgarten mit seiner Band seine Deutschland-Premiere, eine Performance, bei der Können, Professionalität und Charme Hand in Hand gingen und zu der drei Busse voller Holländer (größtenteils mit karibischem Background, versteht sich) angereist waren, um ihren Star auch im Nachbarland zu feiern. Umgekehrte Butterfahrt? I wo.


Discographie:

  • So Much Reasons (2006)

AutorIn: Ellen Köhlings


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