Dienstag, 07.02.2012
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Ziggi
Vorgestellt am 02.07.07 in Funkhaus Europa
Livemitschnitt vom Ziggi Konzert am 05.02.09 im
Stadtgarten Köln gesendet am 05.04.09 in World Live
Sänger, Singjay, Deejay kann alle Register jamaikanischer Sangeskunst ziehen und bringt die nötigen Voraussetzungen mit, um es einem seiner großen Vorbilder, Gentleman, gleichzutun. Doch eins nach dem anderen.
Der am 8. März 1981 in Rotterdam geborene
Sohn einer holländischen Mutter und eines südostkaribischen Vaters
verbringt seine ersten zwölf Lebensjahre in St. Eustatius, von der
Bevölkerung liebevoll Statia genannt. Die nur knapp 21
Quadratkilometer kleine Insel mit gerade mal 2.600 Bewohnern liegt
in den Niederländischen Antillen zwischen St. Martin und St.
Kitts.
Für einen jungen Menschen bieten sich dort nicht gerade viele
Möglichkeiten, besonders wenn die Großeltern, strenggläubige
Siebentagesadventisten, für die Erziehung ihres Enkels herangezogen
werden. So wird Ricardo, den die Großeltern Ziggi rufen, mindestens
dreimal die Woche ins Gotteshaus geschleppt.
Seine überschüssige Energie steckt er in seine Stimme, die er auf
Drängen der Oma hin im Kirchenchor schult. Das kommt ihm später
zugute, finden sich doch Gospeleinflüsse in seinem Gesang wieder
(vgl. "Hear Me When I Pray").
Über die größere und mit besseren Schulen
ausgestattete Insel Aruba, wo er bei seiner Mutter lebt, führt ihn
sein Weg 1999 mit 18 Jahren zurück in sein Geburtsland zu einer
Tante in einem Vorort von Amsterdam. Das ist für den wohlbehüteten
Ziggi, der noch nie eine Großstadt gesehen hat, ein regelrechter
Kulturschock. Wie viele Jugendliche der Niederländischen Antillen
ist auch er zum Studieren zurückgekehrt. Doch Ziggi fühlt sich
überfordert von all den neuen Eindrücken und stellt die Schule erst
einmal hinten an.
Er lässt sich treiben und checkt die örtliche Szene aus, wo er
jedoch keinen Anschluss findet. Als ihm zu Ohren kommt, dass alte
Freunde aus Statia mittlerweile in Rotterdam leben, zieht es auch
Ziggi in die Hafenstadt, mitten in die Black Music-Community.
Obwohl er seiner Stimme in den letzten Jahren wenig bis gar keine
Beachtung geschenkt hat, war doch das Singen mit den auferlegten
Kirchgängen verbunden, steckt ihn die Kreativität seiner in der
Musik umtriebigen Freunde schnell an. Es dauert nicht lange und
Ziggi findet sich im Rock(n)Vibes-Studio von Mr. Rude, seinem
späteren Manager und Produzenten, in der Aufnahmekabine wieder. Er
singt seinen ersten Song ein - eine Dancehall-Nummer - und stellt
fest, dass es gar nicht so schlecht klingt.
In Holland gibt es, anders als in
Deutschland, keine funktionierende Reggae-Szene. Es finden zwar
Konzerte statt und in größeren Städten legen vereinzelt Sound
Systems auf, aber neben HipHop, R&B und Soul gilt Dancehall als
ein untergeordnetes Subgenre, das unter dem alles umfassenden
Begriff "Urban" subsummiert wird.
Da Ziggi diesen Markt erreichen will, besteht sein frühes
Repertoire vorwiegend aus Deejay-Stücken, die in Stil und Thematik
sehr an Sean Paul erinnern (vgl. "Strictly Hot Gyal" oder "All My Girls").
Doch mit der Zeit reizt es ihn, noch mehr aus seiner Stimme
herauszuholen und er besinnt sich wieder auf seine frühe
Kirchenchorausbildung. Mit tiefgründigeren Texten, einem Gespür für
Melodien und Harmonien gelingt es ihm schließlich ein auf "Urban"
gepoltes holländischen Publikum mit modernem Roots zu begeistern
(vgl. "All Obstacles", "High Time" oder "So Much
Reasons").
Auf seinem Debütalbum sind beide Stränge, Dancehall wie Roots, vertreten, was einerseits seine Vielseitigkeit unterstreicht, andererseits aber auch eine gewisse Unentschlossenheit offenbart. Genau diese Unentschiedenheit kennzeichnete auch Gentlemans erstes Album. Obwohl Ziggi als Dancehall-Deejay Riddims gekonnt reitet, klingt er manchmal etwas zu formelhaft und man fühlt sich leicht an vorhandene Styles erinnert. Wenn er hingegen seine Stimme als Sänger oder Singjay voll ausschöpft, klingt er unverwechselbar. Daher will er sich in Zukunft mehr aufs Singen konzentrieren. Er bezeichnet "So Much Reasons", auf dem seine ersten Gehversuche als Deejay neben späteren Reggae-Nummern vertreten sind, noch als eine Suche, die ihn aber schon weit geführt hat.
So ist er in Holland bereits eine Art
Superstar, hat er doch sämtliche Musikpreise im urbanen Sektor
abgeräumt. Und mit der Renaissance Band, die sich ebenfalls aus
Musikern der Niederländischen Antillen zusammensetzt, hat er
inzwischen die passende musikalische Live-Umsetzung seiner Songs
gefunden - ähnlich wie Gentleman mit seiner Far East Band.
Zudem bringt Ziggi die richtige Arbeitseinstellung mit und ein
beherztes Team, das voll und ganz hinter ihm steht. Im April diesen
Jahres gab er im Kölner Stadtgarten mit seiner Band seine
Deutschland-Premiere, eine Performance, bei der Können,
Professionalität und Charme Hand in Hand gingen und zu der drei
Busse voller Holländer (größtenteils mit karibischem Background,
versteht sich) angereist waren, um ihren Star auch im Nachbarland
zu feiern. Umgekehrte Butterfahrt? I wo.
AutorIn: Ellen Köhlings
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