Samstag, 25.05.2013
Sie befinden sich hier:
WDR.de
Tinariwen
Livemitschnitt vom Tinariwen Konzert am 25.11.04 im Hdj Wuppertal gesendet am 20.05.05 in World Live
Livemitschnitt vom Tinariwen Konzert am 15.03.07 in der
Kantine Köln gesendet am 13.04.07 in World Live
Eine Zeltwand aus Leinen, eine Sanddüne im Mondlicht, ein Kamelkopf, der einsam in den Himmel ragt, trommelnde, mit Hennafarbe verzierte Hände, dazwischen viel sagende Augenpaare und schmunzelnde, schwarzgelockte Männer mit E-Gitarren und Sonnenbrillen. Die Fotos im Begleit-Heft der CD "Amassakoul" (dt.: Wüstenwanderer) lassen für einen Moment die Lebenswelt der Tuareg aufblitzen. Eingefangen ist allerdings nur die romantische, fotogene Seite der Sahara.
Ihr anderes Gesicht spiegelt sich in den Texten der elf neuen Songs von Tinariwen (dt.: Wüsten) - einer Band, die sich mit Recht als erste Wüstenband schlechthin bezeichnen kann. Es war das "Festival au Desert", das Tinariwen zum internationalen Durchbruch verhalf und nach dem rauen Debüt "The Radio Tisdas Sessions" (2001) das zweite Studioalbum "Amassakoul" ermöglichte.
Dabei gibt es die heute siebenköpfige Gruppe bereits seit zwanzig Jahren. Gegründet wurde sie von Sänger Ibrahim Ag Alhabib in einem Militärcamp Ghaddafis im libyschen Exil. Kurz zuvor waren er und die ersten Mitglieder in Algerien mit elektrischen Gitarren in Berührung gekommen und zupften sie in ihrer eindringlichen, synkopischen Weise. In Libyen schmiedeten sie dann am Lagerfeuer nach den Gefechten ihren einzigartigen Stil - eine Mischung aus jamaikanisch angehauchtem Rock (z.B. im Song Aldhechen Manin) auf der einen Seite, traditionellen Melodien und Rhythmen der Tuareg auf der anderen. Ihr wütend melancholischer Call-And-Response-Sahara-Blues unterscheidet sie von ihrem Kollegen Ali Farka Toure und ist eng verbunden mit dem Freiheitskampf der Tuareg gegen die Regierung Malis.
Der unmittelbare Zusammenhang von Krieg und Poesie mag merkwürdig erscheinen. Für die Tuareg waren Musik und Sprache jedoch seit langem eine Art mentaler Kriegsführung, denn die leidenschaftlichen Metaphern der Tamashek-Sprache banden die Einzelnen an ihr Volk. Inzwischen haben die enttäuschten Heimkehrer nach dem Friedensschluss von 1992 ihre Waffen abgegeben, ihre E-Gitarren aber nahmen sie mit. Diese sind auf "Amassakoul" das Medium der Rebellion, unterstützt von Handclaps, traditionellen Trommeln wie der Kalebasse oder der Tiendé und dem einsamen Klang der T'Zamàrt-Flöte. Immun gegen die Versuchung von Turntables, Sequenzern und Synthesizern singen Tinariwen, zu denen auch eine Frau gehört, mit ihren tiefen und hohen Stimmen von Wassernot (Arawan), von der Wüste, die sich bis in das Innerste der Menschen ausbreitet, und von der Apathie und Unentschlossenheit des Individuums.
AutorIn: Oualahila Ar Tesninam
Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.