Dienstag, 22.05.2012
Sie befinden sich hier:
WDR.de
Aksu, Sezen
Vorgestellt am 18.08.08 in Funkhaus Europa
Türk Müziki goes Pop: Spätestens, seit ihre Videos bei MTV laufen, ist Sezen Aksu international der bekannteste Name der türkischen Popmusik. Seichte Liedchen darf man von ihr aber nicht erwarten, ihre Songs sind feministisch, politisch, engagiert - jedenfalls sind sie es heute.
Sezen Aksu (Yildirim) kam 13.7.1954 als einzige Tochter eines Lehrerpaares in Sarayköy/Denizli auf die Welt. Als sie drei Jahre alt war, zog die Familie nach Izmir, wo Sezen Agrarwissenschaft studierte und parallel dazu eine Gesangsausbildung absolvierte. Ihr Studium brach sie ohne Abschluss ab und konzentrierte sich ausschließlich auf die Musik.
1975 tauchte sie als Sezen Seley zum ersten Mal in der türkischen Popmusikszene auf. Ihre Single "Haydi Sansim - Gel Bana" war damals alles andere als erfolgreich. Ein Jahr danach veröffentlichte sie unter ihrem neuen Namen Sezen Aksu den Song "Kusura Bakma - Yasanmamis Yillar"; der Durchbruch kam aber erst mit der dritten Single "Olmaz Olsun - Seni Gidi Vurdumduymaz" im selben Jahr. Ihre Popularität hielt über viele Jahre an, ohne zunächst den heutigen Stellenwert zu erreichen.
1979 hatte sie eine Filmrolle, durch die sie den Spitznamen "Minik Serçe" (Minispatz) bekam. Nach 1982 wagte sie, ein eigenes Musical zu schreiben und darin mitzuspielen. Außerhalb der Türkei wurde sie durch ihr Album "Gülümse" (1991) und die Auskopplung "Hadi bakalim" (1992) bekannt, was die BILD-Zeitung zur Schlagzeile "Blonde Türkin stürmt deutsche Charts!" verleitete.
Ein Jahr danach änderte sie ihren - für deutsche Ohren vielleicht zu schnulzigen- Stil grundlegend und schockte ihre Fans mit den experimentierfreudigen Alben "Deli Kizin Türküsü" (1993) und "Isik Dogudan Yükselir" (1995). Mit "The Wedding And The Funeral", eine Co-Produktion mit Goran Bregovic, zog sie weitere Aufmerksamkeit der Weltmusikliebhaber auf sich.
Sezen Aksu schreibt die Musik und Texte ihrer Lieder in der Regel selbst. Darüber hinaus fungiert sie als Talentschmiede: Einige ihrer Backroundsängerinnen und -sänger, wie Askin Nur Yengi, Harun Kolçak, Sertab Erener, Yildiz Tilbe und Levent Yüksel sind heute selbst zu Stars geworden. Sezen Aksu komponiert auch für andere Künstler, so schrieb sie Tarkans weltberühmtes Küsschenlied "Simarik".
Mit "Deniz Yilidzi" bringt Sezen Aksu 2008 ihr bis dahin persönlichstes Werk auf den Markt. Das Album ist ihrem langjährigen Lebensgefährten Onno Tunc gewidmet, der 1996, mit 48 Jahren, mit seiner Privatmaschine auf dem Rückflug nach Istanbul an einem Berg zerschellte. Die halbe Nation traute damals um den türkisch-armenische Komponist, der über viele Jahre gerade die türkische Popszene entscheidend prägte. Zur Unterstützung holte sich Sezen Aksu Arto Tuncboyaciyan, den jüngeren Bruder von Onno Tunc, mit ins Studio, genauso wie seine Armenian Navy Band. Es entsteht ein Album, dass die ganze Bandbreite des Vokabulars der Pop-Diva enthält: Poesie paart sich mit Sprachspielen, Straßenslang und Sprichwörtern; die intensive armenisch-melancholische Färbung verwebt sich in den Kompositionen mit Gypsy-Melodien, Tango oder Chanson. Außerdem trägt das Album subtile politische Botschaften mit sich. Allein schon, dass mit der Armenian Navy Band von Arto Tuncboyaciyan fast ausschließlich armenische Musiker beteiligt waren, spricht für sich. Ein Stück, ("Taube") ist zudem Hrant Dink gewidmet, dem armenischen Journalisten: "Taube" war dessen letztes Gedicht betitelt, bevor er im Januar 2008 auf offener Straße in Istanbul von einem nationalistischen Fanatiker ermordet wurde. Ein anderes Stück, "Memet", ist als eine Art Wiegenlied an einen jungen Rekruten gerichtet und handelt von der Sinnlosigkeit des Kampfs. Auch deswegen haben Intellektuellenblätter wie die türkische Zeitung Radikal "Deniz Yildizi" bereits zu Sezen Aksus bestem Werk erklärt.
(Auszug):
Mit Goran Bregovic:
Website von Sezen AksuDer WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.