Dienstag, 07.02.2012
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Jorge, Seu
Seu Jorge & Ana Carolina
Vorgestellt am 10.03.08 in Funkhaus Europa
Livemitschnitt vom Seu Jorge Konzert am 28.10.04 in der Zeche Zollverein gesendet am 09.09.05 in World Live
Vom Straßenkind zum gefeierten Musik- und Filmstar - die Vita des Samba-Musikers aus Rios Vorort Belford Roxo hört sich wie eine Abenteuergeschichte an, der man atemlos lauscht. 1970 wird unser Held geboren. Mit Gelegenheitsjobs schlägt er sich als Halbstarker zunächst durch: Er verdingt sich als Reifenflicker, Uhrmacher, Schreiner oder Laufbursche, steuert abends immer wieder die Funk-Discos an, die im Rio der Achtziger die Tanzwütigen in ihren Bann ziehen.
Schon früh ist dem Burschen klar: Eines Tages will er Sambista sein und deshalb beobachtet er genau seinen Vater, der während der Karnevalsparaden und in den Musikpavillons Perkussion spielt. Als Sänger in den Bars von Rios Nordzone hat Jorge schon zum Sprung in den Musikbusiness angesetzt, als die Tragödie passiert. Sein Bruder wird bei einem Scharmützel mit der Polizei in der Bäckerei des Viertels getötet. Daraufhin zerfällt die Familie und er hat kein Dach mehr über dem Kopf. Jahrelang irrt er durch die Straßen von Rio, schlaf- und obdachlos, magert ab, verfällt verschiedenen Lastern.
Der Klarinettist Paulo Moura entdeckt ihn und seine charakteris-tische, bärbeißige Stimme, die trotz aller Bitterkeit nie die Freude am Gesang verloren hat, schließlich für eine musikalische Revue, die sehr erfolgreich wird. Ermutigt durch den Erfolg gründet Seu Jorge die Gruppe Farofa Carioca, in der Samba, Reggae, Rap und Funk zu einem einmaligen Musiktheater verwoben werden. Ihre CD "Moro No Brasil" wird international beachtet und Jorge findet Eingang sowohl in die Samba- als auch die HipHop-Szene Rios. "Moro No Brasil" heißt auch die Musikdokumentation von Mika Kaurismäki, in der er 2002 die bewegende Lebensgeschichte Jorges erzählen wird, die nun erst richtig in Schwung kommt.
Mit Mario Caldato, dem Produzenten der Beastie Boys nimmt er sein erstes Solo-Album in Angriff: Auf "Carolina" feiert er den Samba in seinen verschiedensten Ausprägungen, mal funky, mit lärmenden Blechbläsern, mal in intimer, bittersüßer Straßenpoesie. "Der Samba ist unsere Wahrheit, unsere Goldmedaille, unser Bollwerk, unser brasilianische Standarte", äußert er stolz über das Nationalgenre - und meint damit den Samba der Straßen und Hinterhöfe, nicht den der kommerzialisierten Paraden für Touristen. Kein Wunder, dass ihn mit der alten Musikergarde von Rios erster Sambaschule, der Mangueira, enge Freundschaft verbindet.
Doch der Komponist, Sänger, Gitarrist, Poet und Produzent hat noch ein weiteres Eisen im Feuer: Das Zelluloid. Er schreibt nicht nur Filmmusikern für die berühmtesten Regisseure Brasiliens, sondern steht auch selbst vor der Kamera. Seine bekannteste Rolle ist wohl die des Mané in "Cidade de Deus" ("City Of God"), Fernando Meirelles' harter Milieustudie aus den Favelas von Rio. Brasiliens Musikprominenz ist sich einig: Niemand hat die Vergangenheit des Samba mit der Straßenkultur von heute so authentisch, so integer zusammengeführt wie diese erstaunliche Musiker-Schauspieler-Persönlichkeit.
mit Farofa Carioca:
mit Ana Carolina:
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