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Rotfront

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Rotfront

gesendet am 25.05.09 in Cosmo

Das Cover der 1.CD von Rotfront ist ein Pass der "Emigrantksi Republik". Mit diesem Ausweis kommt man überall hin, überall rein, überall durch. Die Besetzung der Band zeigt in Miniaturausgabe, wie sich die Bevölkerung dieses imaginären Staates zusammensetzt: Ein Ukrainer, ein Kandier, ein Ungar und ein Ungarin, fünf Deutsche, ein Tasmane, ein US-Amerikaner. Doch das Mischungsverhältnis der Kulturen, Nationalitäten, Geschlechter und Religionen dieser in Berlin ansässigen Horde ist variabel, denn die Band ist wie die T-Shirts am Merchandising-Stand bei Konzerten in S-, M-, L- und XL-Format zu haben, mal stehen sie zu siebt auf der Bühne, mal zu zehnt, mal sind 15 Musiker an Gitarre, Bass, Saxophon, Akkordeon, Posaune, Schlagzeug, Turntables, Klarinette und mehreren Mikrofonen zugange. Daß der kollektive Wahnsinn seit seiner Geburt vor 7 Jahren ein echter Partykracher mit enormem Publikumszuwachs ist, daran sind zwei Männer schuld, Simon Wahorn und Yuriy Gurzhy.

Gurzhy sorgt seit 10 Jahren zusammen mit Wladimir Kaminer dafür, daß die Besucher der Russendisko auf Tischen und Stühlen herumhopsen und vor Begeisterung die Wodkagläser an die nikotingetränkten Velourstapeten des Kaffee Burger schmeißen. Rotfront kann sich Hausband im Burger nennen.

Dort an der Bar hat er auch seinen Partner, den ungarischen Bassisten Simon Wahorn, kennengelernt. Monatelang tranken die beiden miteinander und brüteten dabei ein musikalisches Überraschungs-Ei namens Rotfront aus. Konzipiert als Coverband, spielten Rotfront anfangs vor allem Songs von anderen: "Aber wir waren eigentlich das Gegenteil von einer Coverband, die spielen ja bekannte Hits und machen damit Karriere. Wir haben Sachen gecovert, die niemand kannte", erzählt Gurzhy und meint: Die in Deutschland keiner kannte. Die Band spielte Songs aus Ungarn, der Ukraine und Russland, Songs aus der eigenen Vergangenheit, einzige (und auch einzig erfolgreiche) Ausnahme war das Remake des Kraftwerk-Klassikers "Die Roboter". Das klingt sentimental, die Musik war es nicht. Da kollidieren Klezmer-Klarinetten mit Ska, Surfgitarren mit ungarischen Melodien, Hip Hop mit Cumbia, Balkanbrass mit Reggae, und es wird von Tango bis R'n B um keinen Stil einen Bogen gemacht. Das Sahnehäubchen auf dem Globalisierungsgroove, der Atmung und Adrenalinspiegel gefährlich steigen läßt, ist Produzent Kraans de Lutin, der schon für Culcha Candela, Martin Jondo, Mellow Mark oder Boundzound am Sound feilte. "Es war ja nicht so, daß wir einen Masterplan hatten, jeder Musiker muß aus einem anderen Land kommen", sagt Yuriy Ghurzhy, "es hat sich so ergeben, weil die Musikszene in Berlin so international ist."


Discographie:

  • Emigrantski Raggamuffin (2009)

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