Freitag, 30.07.2010
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Künstlerlexikon
Pink Martini
Livemitschnitt vom Pink Martini Konzert am 03.04.05 im Gloria Köln gesendet am 07.10.05 in World Live
Livemitschnitt vom Pink Martini Konzert am 23.10.07 im
Gloria Köln gesendet am 30.11.07 in World Live
Das einstige Quartett aus Oregon, Portland, hat sich zum richtigen Kammerorchester mit 12 Musikern gemausert. Mastermind der vielsprachigen Entertainer ist Thomas M. Lauderdale, asiatisches Adoptivkind mit schwarzen und persischen Brüdern, Harvard-Absolvent und klassisch ausgebildeter Pianist - er hat die Easy Listening-Kapelle 1994 ins Leben gerufen. Aus seiner Zeit an der renommierten Uni rührt auch die Bekanntschaft mit der ebenfalls weltbürgerlichen China Forbes (Mutter schwarz, Vater franko-schottisch).
Musikalisch ging es bei den beiden im Wohnheim eher noch um Verdi und Puccini-Arien, doch nach der Hochschulreife stieg die Dame auf Songwriting im Folk und Rock-Flair um. Da erinnerte sich Lauderdale an seine Kommilitonin und lud sie für sein neues Projekt ein: Aus der gemeinsamen Kollaboration entstand "Sympathique", das prompt ein Hit in Frankreich wurde - und Startschuss für eine erfolgreiche Karriere. Stilvoll wurde das europäische Debüt Pink Martinis beim Filmfestival Cannes zelebriert, kein Wunder dass auf ihrem 1997er-Debüt in Reverenz an ihre frühen Franzosen-Fans dann auch der Eiffelturm zu sehen ist. Musikalisch bietet das Werk einen cleveren Soundtrack zur Cocktail-Party, mit starken Anklängen an den Chanson aber auch an mediterrane Liedkunst und brasilianischen Samba - alles mit einer Portion Hollywooddramatik.
Richtig multinational und noch ein wenig stylisher wurde es auf dem Nachfolgealbum, für das sie sich sieben Jahre Zeit nahmen und dann mit einem Dutzend Akteuren antraten: Streichorchester samt Harfe und elegante Latin-Rhythmen brachten Pink Martini auf "Hang On Little Tomato" unter einen Hut. Die Songs auf Französisch, Italienisch, Japanisch, Kroatisch, Spanisch und Englisch sind teils aus eigener Feder, teils hat man auf Schlagerklassiker von Neapel bis Tokio zurückgegriffen. In den letzten Jahren sind die Meister der Retro-Lounge verstärkt mit großen Orchestern aufgetreten. Und so setzte auch der dritte Wurf den Cinemascope-Sound fort: Das im Mai 2007 erschienene "Hey Eugene!" bettet Filmmusik aus den Hollywood-Studios, Boleros und ChaChaCha orchestral in Szene, ein arabischer Chanson wird eingeflochten und im Titelstück klingt's dann plötzlich sehr poppig. Fazit: Pink Martini sind die unamerikanischste US-Band, die man sich bislang vorstellen konnte.
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