Samstag, 04.02.2012
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Pape & Cheikh
Gesendet am 21.12.02 in Funkhaus Europa Live
Wer bei Senegal nur an Youssou N'Dour und die durch ihn bekannt gewordene lokale Popmusik Mbalax denkt wird von Pape & Cheikh eines besseren belehrt. Nicht nur singen sie in mindestens vier der Landessprachen des multikulturellen Senegal, ihre Musik ist auch stark der amerikanischen Folkmusiktradition à la Joan Baez oder Bob Dylan verpflichtet, mit der sie in den 60ern und 70ern aufwuchsen. Geboren in den frühen 60er Jahren, begannen Papa Amadou Fall und Cheikhou Coulibaly Anfang 1980 zusammenzuarbeiten.
Wie viele träumten sie davon Musiker zu werden, gingen tagsüber ihrer Arbeit nach und übten Nachts. Irgendwann fingen sie dann an in Hotels für Touristen zu spielen, aber das reicht nicht in Dakar, um Profi-Musiker zu sein; eine Kassette mußte her. Also sparten sie sich Geld zusammen um ein Demo aufzunehmen und hatten Glück: Jololi das Label Youssou N'Dours zeigte sich interessiert und schon bald hatten sie ihre erste Kassette auf dem Markt.
Der eigentliche Durchbruch des Duos kam mit dem Song "Yatal Gueew", der während den Wahlen 2000 im Senegal wegen seines Textes zur offiziellen Wahlkampfhymne aller 24 Parteien wurde. Im Song vergleichen Pape & Cheikh den Senegal mit einem großen Boot, das nicht kentern darf, es gilt Ruhe zu bewahren, um in den stürmischen Zeiten der Wahl den Hafen der Demokratie zu erreichen. Zu dem befürchteten Staatsstreich kam es nicht, stattdessen gelangte nach gut 30 Jahren Abdou Diouf mit Abdoulaye Wade friedlich ein neuer Präsident an die Macht.
Überhaupt sind es bis heute die Texte, die Pape & Cheikh bekannt gemacht haben. Immer wieder greifen sie Alltagsthemen auf, wie den Krieg in der Casamance, dann auch Frauen, die ihre Schönheit nutzen um andere auszunehmen (Pelipeng), oder wie in "Mariama", einer alten Griotsage, die ein Stück Moral enthält.
Auch bei ihrem ersten internationalen Album war es wieder Youssou N'Dour, der den Kontakt zu Realworld herstellte. Die Produktion ist eine gelungene Balance zwischen akustischen Mbalax-getränkten Tracks (auf denen im übrigen niemand geringerer als Mbaye Dieye Faye, der Sabarspieler der Super Etoiles zu hören ist) und Songs, die durch ihren Folkanteil auch hierzulande leicht eingängig sind. Trotzdem bleibt die Frage offen, ob Pape & Cheikh hierzulande, wo niemand die Texte versteht, ein Publikum finden werden.
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