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Künstlerlexikon Portrait

Muchachito Bombo Infierno

Herkunft: Spanien
Muchachito Bombo Infierno; Rechte: Isabel Flores

Muchachito Bombo Infierno

Gesendet am 13.02.05 in der Matinee

"Was kann man auf der Bühne lernen, was man auf der Strasse nicht lernt?" Mit dieser simplen Frage erzählt Jairo Perera Viedman alias Muchachito alles. Über seinen Werdegang, sein Denken und den Ort, der der Ursprung seiner Poesie ist. Angefangen hat das Energiebündel schon als Kind. Um auszugleichen, dass er so klein war, schrie er so laut wie möglich herum und imitierte, sehr zum Amüsement der gesamten Familie Sänger und Politiker. Das Krakeelen und Brüllen hat ihm diese herrliche Raufaserstimme eingebracht, den Rest der Lehre hat er auf den Strassen Spaniens absolviert. Ist, um Geld zu verdienen, bewaffnet mit einem Holzbrett, auf das er rhythmisch einschlug und einer akustischen Gitarre die er damals noch nicht wirklich spielen konnte, herumgetingelt. "Rumba-Boxing" entstand so, eine ganz persönliche Form der Rumba Catalana, die er beschleunigte und mit Halbwelt-Geschichten à la Mackie Messer füllte.

Mit der lautstarken Mischung und seiner alkoholgetränkten Stimme ging der spindeldürre Mann so lange auf die Menschen los, "bis sie zurückschlugen". Mit einem verwegenen Grinsen erzählt der Sänger wie das lange Leben als Solist die Sehnsucht nach einer Band auslöste. Nach einer vorübergehenden Etappe in der katalanischen Underground-Band Trimelón de Narajus gründete er sich deshalb sein eigenes musikalisches Nest und nannte es Muchachito Bombo Infierno. Die Rumba Catalana ist das Fundament seines wilden Treibens geblieben, sie ist allerdings ein musikalischer Bastard geworden, in dem sich Rock, Jazz, Funk, Surfmusik, Reggae, Rock'n Roll oder Mambo tummeln. Seine Komplizen in diesem irrwitzigen Stil sind vier begnadete Musiker: Tito Carlos am Keyboard hat sich lange sein Geld mit Musik für Werbeclips verdient und ist mit allen Wassern gewaschen, wenn er auf den Tasten herumtigert; Hector Bellino, ist - wie der Name schon sagt ein Torbellino, ein Wirbelwind - ein umwerfend ungestümer Drummer. Josué "El Ciclón" Garcia hat an der Trompete ähnliche Tornadoqualitäten.

Lediglich El Lere darf zaghafter und sanfter sein, er ist der jüngste und flamencolastigste in der Band. Alle bis auf den Bläser sind nicht direkt aus der Zona Bastarda, sondern aus Santa Coloma de Gramanet, einer Vorstadt von Barcelona, einem Immigranten- und Künstlerviertel, in dessen Calles Muchachito seine Textideen aufsaugt. Die vielen Stunden im Nachtleben der Peripherie spucken Songs aus, in denen er mit Widerhakenstimme von der Unmöglichkeit der Kommunikation zwischen Mann und Frau erzählt, vom Rassismus in den Strassen oder von Tagedieben und Gaunern, die in Kaschemmen herumhängen und von der Polizei zusammengeschlagen werden. "Wir gelten als Vertreter von Barcelona, aber dort gibt es genug Gruppen und wir sind anders", sagt Muchachito im Brustton der Überzeugung. Dieses Anderssein ist unüberhörbar. Flippersounds und Sirenen mischen sich unter die Instrumente und wenn Muchachito Gas gibt, dann tut er das mit seinem Bombo, seiner Basstrommel. Die ist der Direktor der Band und gibt meist, angetreten von Muchachitos rechtem Fuß, ein Höllentempo vor.


Discographie:

  • Vamos Que Nos Vamos (Exil, 2005)
  • Visto Lo Visto (Exil, 2007)

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