Dienstag, 07.02.2012
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Jondo, Martin
Martin Jondo
Vorgestellt am 17.07.06 in Funkhaus Europa
Wie ein Rastaman sieht er nicht aus, hat keine Dreadlocks, keine grün-gelb-roten Accessoires und sein Singen ist um einige Etagen höher als im Reggae üblich. Martin Jondo wird seit einiger Zeit als Zukunftshoffnung des deutschen Reggae gehandelt, obwohl er musikalisch manchmal ganz schön ausschert und sich mit seinem Gesang nur auf eine einsame Akustik-Gitarrre verlässt oder Liebeserklärungen auf Morricone-ähnliche Mundharmonika-Melodien macht.
Der 26-jährige liebt Bob Marley aber auch Tracy Chapman und sieht sich in der Tradition des klassischen Reggae, des Roots-Reggae, will nicht nur gute Laune verbreiten sondern auch Botschaften. Weil der Reggae sein ganz persönliches Rettungsboot war, als er im fast ausländerfreien Norden Berlins als Sohn eines Deutschen und einer Südkoreanerin aufwuchs.
Mit 14 Jahren hört er beim älteren Bruder eines Freundes zum ersten Mal diese Musik, die ihn ohne Vorwarnung ins Herz trifft, "Under me Sleng Teng", einer der ersten digitalen Reggae-Tunes war schuld. Martin Jondo (Jondo ist sein zweiter Vorname und nicht der Nachname) wollte damals gerade aus Verzweiflung - weil er den Rassismus seiner Klassenkameraden nicht mehr aushielt und sich heimatlos und entwurzelt fühlte - mit einem Kumpel Drogen einwerfen.
Doch als er Wayne Smith singen hört, dass er kein Koks nehmen wird, weil ihn das kaputt macht und verrückt, da nimmt er die Botschaft des Textes persönlich und fängt an sich intensiv mit Reggae und Spiritualität zu beschäftigen. Trampt mit Freunden in die Pyrenäen und macht mit seiner Gitarre auf dem Buckel Expeditionen durch die Natur des Berliner Todesstreifens, statt in Clubs und an Straßenecken abzuhängen. Martin Jondo liest sich durch die Bibel, durch den Koran, durch die Gita der Hindus, ist neugierig auf alle Welten, die der Globus beherbergt, auf alle Denkmodelle und Klänge.
Glück oder Schicksal, dass er auf den bereits bekannteren Kollegen Gentleman trifft, der ihn hört und begeistert ist und ihn auffordert mit auf Tournee zu gehen. Nicht als Rivale am Mikrofon, sondern als Mann am Merchandising-Stand, wo der Sänger und Gitarrist T-Shirts verkaufen muss. Allerdings holt ihn Gentleman auf dieser zwei Jahre dauernden Rundreise dann doch Abend für Abend auf die Bühne, wo sich Jondo ein wachsendes Publikum ersingt. "Echo & Smoke" ist nach den EPs "Rainbow Warrior" (2005) und "Are you really waiting" (2006), der Zusammenarbeit mit Culcha Candela, Mellow Markund dem Silly Walks Movement, den beiden Songs im Soundtrack zum Kinofilm "Goldene Zeiten" der lang ersehnte Erstschlag, sein Debütalbum, das folgerichtig mit dem Song "Are you really waiting" beginnt.
Denn Jondo ist nicht nur ein talentierter Sänger und Songwriter, er ist auch ein sanfter Typ, der es manchmal wohl kaum glauben kann, dass es so viele Fans gibt, die nur auf ihn warten. Vielleicht weil er von seinen innersten Gefühlen singt, von seinen Ängsten und Hoffnungen. Oder weil er ein Lächeln hat, das wie der Sonnenschein auf seine Umgebung fällt. Vielleicht auch weil Produzent Kraans de Lutin (Culcha Candela, Mellow Mark) auch hier wieder sein Goldhändchen bewiesen hat. "Echo & Smoke" - der Deutsch-Koreaner möchte das am liebsten mit Schall & Rauch übersetzt haben - ist der Beweis, dass Partytauglichkeit und Nachdenklichkeit keine Gegensätze sein müssen und dass asiatische Entspanntheit und Off-Beat perfekte Partner sind.
AutorIn: Anna-Bianca Krause
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