Dienstag, 07.02.2012
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Markscheider Kunst
Markscheider Kunst
Livemitschnitt vom Markscheider Kunst Konzert am 11.11.04 im Bahnhof Langendreer Bochum gesendet am 03.06.05 in World Live
Livemitschnitt vom Markscheider Kunst Konzert am
09.04.08 im Bahnhof Langendreer Bochum gesendet am 25.04.08 in
World Live
Die Russendisko, das Partykonzept aus Berlin, hat Interesse für den russischen Underground geweckt. Markscheider Kunst mit dem kongole-sischen Leadsänger Seraphim Makangila gelten als eine der musikalisch besten Bands der Szene. Afrokaribische Rootsmusik nennt Sergei, der Kopf von Markscheider Kunst, die Musik seiner achtköpfigen Kapelle. Die Verbindung zwischen Karibik und Russland ist nur auf den ersten Blick überraschend. Schon im Sozialismus gab es enge Verbindungen zu Kuba. "In unserer Kindheit gab es statt den Rolling Stones oder den Beatles Irakere oder Arturo Sandoval im Radio zu hören", holt Sergei aus, "Kinderfilme wurden mit kubanischer Musik vertont, im russischen Schlager nahmen sie viele dieser 'exotischen' Rhythmen auf. Außerdem gibt es, was Harmonie und Melodie angeht, große Ähnlichkeiten mit russischer Ramans- (Gypsy-)Musik".
Kennen gelernt haben sich die Bandmitglieder während des Studiums am Bergbau-institut von St. Petersburg - und daher rührt auch ihr abenteuerlicher Name: "Markscheider" ist ein altes deutsches Wort für Bergbauingenieur. Ihr musikalisches Ingenieurs-Vermögen zeigten sie erst mal auf dem Debütalbum "Kem Byt" mit dem Hit "Money"; 1998 brachten sie es heraus, gut vier Jahre nach dem sie es aufgenommen hatten. Es erschien damals bei dem kleinen Indie-Label Caravan Records; Verkaufspreis ca. 3 Euro. Das russische Plattenbusiness ist hart. Raubkopien sind mehr oder weniger legal. Das geht sogar so weit, dass selbst die großen Plattenfirmen sich mit den Piraten absprechen. Die Piraten warten nach einer Veröffentlichung einige Monate mit dem Raubkopieren, zahlen dafür nur eine kleine "Lizenzgebühr" an die legale Platten-firma und bringen dieselbe CD dann für 2 Euro statt, der für legale Tonträger üblichen, 12 Euro auf den Markt. "Was willst Du machen?", fragt Sergei nüchtern "15 Euro ist der Mindestlohn in Russland, 70% unseres Publikums sind Studenten und die haben einfach keine 12 Euro für eine CD".
Statt kommerziellem Pop, wie er in Russland die Musik bestimmt, hat Markscheider Kunst sich dem experimentierfreudigen Underground verschrieben. Und sie wollen nicht in der Vergangenheit leben, sondern ihre Musik weiterentwickeln und für Neues öffnen. Das Ergebnis lässt sich hören: ein Cocktail aus kubanischen Rhythmen mit Punk-Attitüde, aus karibischen Bläsersätzen und kongolesischem Surf-Soukous.
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