Samstag, 25.05.2013
Sie befinden sich hier:
WDR.de
Jones, Keziah
Gesendet am 07.12.08 in der Matinee
Es ist die klassische Biographie eines Rebellen gegen das
Elternhaus, wenn auch aus Yoruba-Perspektive: Der 1968 im
nigerianischen Lagos als Olufemi Sanyaolu Geborene soll in die
Fußstapfen seines Vaters, eines wichtigen Industriellen
treten.
Zu diesem Behufe wird der Zögling aufs Internat nach London
geschickt, wo er allerdings musikalische Interessen entwickelt, in
Eigenregie Piano und Gitarre erlernt.
Auf der Straße und in der Underground ist er mit seinem
Saitenspiel häufig Gast, und er macht auch Ausflüge in die
Metro-Schächte von Paris.
Dort wird er mit Anfang 20 von einem Labelchef entdeckt, bekommt
einen Vertrag und stellt sich der Welt erstmals mit "Blufunk Is A
Fact!" vor.
Der Terminus beschreibt seine einzigartige Verbindung aus Blues
und Funk, die kantig, rhythmisch komplex und manchmal auch sehr
experimentell ausfallen kann wie auf dem dritten Opus "Liquid
Sunshine".
Bevor sein großer Landsmann Fela Kuti 1997 stirbt, ist es Keziah
Jones, der mit dem Afrobeat-Begründer das letzte Interview führt.
Mit "Black Orpheus" holt Jones den Mythos von Orpheus und Eurydike
in sein kosmopolitisches Afro-Universum und schafft sein bislang
überzeugendstes Album mit treibenden Gitarrenriffs, messerscharfen
Funkbläsern und seinem charismatischen Falsett - dies alles wieder
auf eher akustischer, teils auch introspektiver und nachdenklicher
Basis.
Nach seinem Umzug nach New York entsteht "Nigerian Wood".
Eingespielt wurde das Werk an symbolträchtigem Ort, in den von Jimi
Hendrix frequentierten Electric Lady Studios, betreut vom Nu
Soul-Produzenten Karriem Riggins, von dessen Pultkünsten auch schon
Erykah Badu profitierte.
Das vielschichtige Opus wartet mit Ohrwürmern wie "My Kinda Girl",
aber auch einer Komplexität von Stücken wie "African Android" auf -
eine bislang unerhörte Urbanität zwischen Lagos und Big Apple mit
Anleihen an Fela genau wie an die Soulpoeten der 1970er.
Textlich geht es um die Güte nigerianischen Mahagoni-Holzes, um
die Probleme, die ein Exilant bei Besuchen zuhause erlebt, um die
Ausbeutung Afrikas durch den Rest der Welt.
2008 zeigt Keziah Jones auch in verschiedenen Seitenprojekten:
Für den Sampler "Africa Celebrates U2" hat er einen der schönsten
Beiträge geleistet, indem er die Bono-Ballade "One" coverte.
Als Gast singt er auf dem neuen Album von Amadou & Mariam
"Welcome To Mali".
Der Mann mit dem schiefen Hut ist außerdem mit
außermusikalischen Talenten gesegnet:
Neben der Musik hat er sich der Malerei, dem Erstellen von
Kurzfilmen und vor allem der Dichtkunst verschrieben. Und als
Reverenz an seine Anfänge tritt er bis heute immer mal wieder im
Metro-Schacht auf.
Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.