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Künstlerlexikon Portrait

The Jolly Boys

Herkunft: Jamaika
The Jolly Boys; Rechte: The Jolly Boys Bild vergrößern

The Jolly Boys

Vorgestellt am 05.02.2012 in Funkhaus Europa Die Matinee

Die Jolly Boys spielen seit 1955 Mento und sind damit die dienstälteste Band Jamaikas. Mento ist ein Stil, der als Vorläufer von Ska und Reggae gilt und als Metier der Troubadoure entstand, die über das Land zogen um Neuigkeiten, Klatsch und Sozialkritik in Liedern zu verbreiten.

Mento: Erste jamaikanische Popmusik

Mento ist ab den 1930er Jahren die erste jamaikanische Populärmusik. Hoffnungen, Wünsche und Lebensphilosophien werden in einer einfachen, direkten und oft pornographischen Sprache ausgedrückt. Die bekanntesten Vertreter des Mentos sind zweifellos die Jolly Boys. Seit ihrer Bandgründung spielen sie in der typischen Mento-Besetzung aus Banjo, Gitarre, Maracas, Bongos sowie der Rumba-Box, einer Art Daumen-Basspiano, das als Verbindung einer überdimensionalen Klimba und des Cajón umschrieben werden kann.

Ihre ersten Jobs - damals noch als "Navy Island Swamp Boys" - haben sie in Touristenhotels in ihrer Heimatstadt Port Antonio. Den Namen Jolly Boys erhalten sie von Errol Flynn, der damals ihr größter Fan ist und ausschweifende Hollywood-Parties mit ihnen feiert. Dank der akustischen Besetzung ist die Formation absolut mobil und vom Kreuzfahrtschiff bis zur Poolparty überall einsetzbar. Doch die Tatsache, volkstümliche Musik vor Touristen-Publikum zu spielen, zeigt über die Jahre auch ihre Schattenseite: Die Jollyboys bleiben Lokalmatadoren und schaffen es nur auf Erinnerungsfotos von Touristen Jamaika zu verlassen.

Zerrüttete Bandgeschichte

Der ausbleibende internationale Erfolg und die neuen hippen Musikrichtungen Reggae und Ska verpassen den Jolly Boys in den Siebziger Jahren schließlich einen Dämpfer. Als auch noch Percussionist Allan Swymmer von Port Antonio nach St. Ann´s Bay zieht und eine neue Gruppe mit dem Namen Jolly Boys gründet, wandelt sich der Zustand der ursprünglichen Besetzung von Stagnation zu Eisstarre.

Swymmers Jolly Boys hingegen nehmen mit Roots of Reggae: Music From Jamaica, und Jolly Boys at Club Caribbean zwei Platten auf. Als der Percussionist in den Achtziger Jahren in seinen Heimatort Port Antonio zurückzieht, werden die Karten bei den Jolly Boys erneut gemischt. Die Band findet schnell Engagements und wird von Songwriter und Produzent Jules Shear verlegt. Zwischen 1989 und 1997 entstehen vier Studioalben, die der Band zu mehreren Welttourneen verhelfen. In den Nullerjahren nimmt die Berg- und Talfahrt der Mento-Brüder weiter ihren Lauf. Nach dem Tod einzelner Mitglieder spielen die Jolly Boys wie vormals als Hotel-Band. Zur Unterhaltung von ausländischen Musikern treten sie gelegentlich in den Gee Jam-Studios von Produzent Jon Baker auf. Unter den Zuschauern sind Amy Winehouse, die Gorillaz oder Lily Allen.

Great Expectation

Jon Baker ist von den rüstigen Mento-Dinosauriern dermaßen begeistert, dass er beschließt ihnen zum erneuten Comeback zu verhelfen.

Das Konzept: Ein Album nur mit Rock-Covern im Mento-Stil. Der Titel: Great Expectation. Dass diese recht simple Idee im Falle der Jolly Boys so gut funktioniert, liegt vor allem an der unvergleichlichen Stimme von Sänger Albert Minott. Sein Organ, das mit "Reibeisen" sehr unzureichend charakterisiert ist, drückt Klassikern wie "Ring of Fire" oder "Riders on the Storm" eine ganz eigene Note auf.

Ihren Reiz beziehen die Jolly Boys-Songs jedoch nicht nur aus dieser rauen und tiefen Stimme, sondern auch aus der sparsam- organischen Instrumentierung. Mit Banjo, Gitarre, Rumba Box sowie Maracas und Congas entsteht der transparente, warme Mento-Sound: ein Phänomen, das durchaus mit der Wiederentdeckung des kubanischen Son durch den Buena Vista Social Club vergleichbar ist.


Discographie:

  • Roots of Reggae (Lyrichord, 1977)
  • Jolly Boys at Club Caribbean (High Note, 1979)
  • Pop ´N´Mento (Cooking Vinyl 1989)
  • Sunshine ´n´Water (Ryko, 1991)
  • Beer Joint and Tailoring (First Warning, 1991)
  • Live in Tokyo (Respect Records, 1997)
  • Great Expectation (Wall of Sound, 2010)

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