Mittwoch, 22.05.2013
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Gentleman
Gentleman
Vorgestellt am 10.09.07 in Funkhaus Europa
Gesendet am 15.02.04 in der Matinee
Als Anfang der 90er Jahre die ersten Soundsystems - mobile Reggae-Diskotheken - in Deutschland gegründet werden, schnappt sich Gentleman alias Tilmann Otto das Mikro und heizt als MC - Master Of The Ceremony oder Mike Chatter - dem Publikum ein. Die erste Jamaika-Reise - eine Offenbarung. Gentleman will das Singen zum Hauptbestandteil seines Lebens machen und zwar in seiner bevorzugten Sprache, dem jamaikanischen Patois. "Das ist meiner Meinung nach eine sehr direkte, rebellische Sprache", erklärt er. Schon bei frühen Tanzveranstaltungen - Dances genannt - überrascht Gentleman seine Zuhörerschaft, die bei seinem nahezu perfekten Patois einen Jamaikaner statt einen Kölner Pastorensohn erwartet.
Der große Durchbruch gelingt Gentleman 1998 gemeinsam mit der Stuttgarter HipHop-Formation Freundeskreis. "Tabula Rasa" wird ein Hit, und Gentleman bekommt einen Plattenvertrag. Es folgt das erfolgreiche Debüt-Album "Trodin' On", das neben Reggae und Dancehall auch HipHop mit einschließt. Für den Nachfolger "Journey To Jah" ließ er sich drei Jahre Zeit. Immerhin ist er mittlerweile Vater geworden und stellt die Familie in den Vordergrund.
Die Reise zu Jah - oder Gott - ist ein hochkarätiges Album, das internationale Vergleiche nicht scheuen braucht. Im Gegensatz zum Vorgänger wirkt es wie aus einem Guss. Modern Roots ist hier das Stichwort. Und selbst die zwei schnelleren Dancehall-Stücke fügen sich in dieses Konzept ein. Das Werk wurde überwiegend in Jamaika produziert, u.a. im legendären Tuff Gong Studio, wo schon Bob Marley aufnahm. Zudem ist es Gentleman gelungen, seine jamaikanischen Lieblingskünstler mit auf die Reise zu nehmen. So hat er das Who-Is-Who der Szene vors Mikro gebeten. Ob in einer Kombination mit Luciano, Capleton, Morgan Heritage oder Bounty Killer, alle fügen sich Gentleman statt umgekehrt. Auf der Reggae-Insel halten sie Loblieder auf den Kölner. Da erübrigt sich die Frage, ob es als Deutscher legitim ist, Reggae originalgetreu wiederzugeben.
Wer es wie Gentleman beherrscht, dem kann man nur den größten Respekt zollen. Mit seinem dritten Opus "Confidence" geht die jamaikanisch-germanische Reise weiter: Eine illustre Gästeschar von Coco Tea über Ras Shiloh und Tony Rebel bis hin zu Jack Radics hat der Rheinländer im Studio versammelt und wiederum eine Scheibe produziert, auf der er mit den Modern Roots so respektvoll spielt, dass viele Lieder schon jetzt Reggae-Klassiker sind.
Nach 3 weiteren Jahren sind die Erwartungen groß. Das Album "Another Intensity" ist eine souveräne Antwort auf diese Herausforderung. Mit Stücken wie "Evolution", "Rage & Anger" oder "Hosanna" bietet das Album wieder den entspannten Roots-Reggae, für den Gentleman berühmt ist. Die eingängige Mitsumm-Nummer "Different Places" ist eine gefällige Pop-Produktion geworden, musikalisch sogar etwas abwechslungsreicher als die Vorgänger, die aber weiterhin von Gentlemans engagiertem, seelenvollem Gesang zusammen gehalten wird.
"Another Intensity" protzt nicht so sehr mit klangvollen Namen, sondern featured lieber kleine Perlen, darunter den durchaus umstrittenden Dancehall-Star Sizzla im Song "Lack of Love". Weitere Gaststimmen kommen von der jamaikanischen Sängerin Diana King im Song "Light Within" und den jamaikanischen Reggae-Tenören Jack Radicks & Daddy Rings, die "Jah Love" ihren brummenden Bass leihen.
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