Donnerstag, 23.05.2013
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17 Hippies
Vorgestellt am 16.04.07 und 09.02.09 in Funkhaus Europa
Livemitschnitt vom 17 Hippies Konzert am 22.04.07 im Stadtgarten Köln gesendet am 21.09.07 in World Live
Livemitschnitt vom 17 Hippies Konzert am 12.09.08 im Domicil Dortmund gesendet am 12.09.08 in World Live
Livemitschnitt vom 17 Hippies Konzert am 12.09.08 im Domicil Dortmund gesendet am 29.03.09 in World Live
So etwas kommt selten vor, dass nämlich im Bekanntenkreis so gut wie jeder halbwegs ein Instrument spielen kann. Man verabredet sich für einen langweiligen Donnerstagabend und stellt fest, dass es zwar ein gemeinsames Interesse, aber kein gemeinsames Repertoire gibt. So beginnt die Geschichte der 17 Hippies, und sie geht ebenso ungewöhnlich weiter.
Man bringt sich gegenseitig Lieblingslieder bei und baut Hürden ein, um die Treffen spannender zu gestalten, wie Christopher Blenkinsop sich erinnert: "Jeder sollte ein Instrument spielen, das er eigentlich nicht spielen kann, so entstand im Grunde unsere Musik, aus so einer seltsamen Form von Behinderung und Zufall."
Kiki Sauer, die klassisches Piano gespielt hatte, griff zu Akkordeon und Querflöte, er selbst verließ die Rolle des langmähnigen Rockers am Bass und begann Ukulele zu spielen. Der Gitarrist war vorher Schlagzeuger in einer Heavy-Metal-Band gewesen, der Bassist hatte arabische Klassik gemacht, der Klarinettist früher Klezmer und der Mann an der Posaune Jazz. So kam bei den 17 Hippies zusammen, was ganz und gar nicht zusammen gehört und macht bis heute den eigenwilligen Sound der keineswegs siebzehn-, sondern dreiundzwanzigköpfigen Truppe aus.
Man könnte die Mischung typisch Berlinerisch nennen, denn sie hat Weltflair und Provinzialität gleichzeitig und eine dicke Portion Osteuropa. Doch die 17 Hippies haben mehr in ihren musikalischen Überseekoffern als nur das Nahe Liegende. Von der arabischen über die US-amerikanische, jamaikanische, griechisch-türkische bis zur französischen Kultur reicht ihr Horizont. Alles, was sie hören, erleben, finden, wird durch die "Hippiemühle" gedreht und kommt am Ende als Song oder Instrumentalstück wieder heraus. Neu definiert und anders zusammengesetzt, sehr zum Entertainment des Publikums, das für die 17 Hippies seinen Anteil an jedem Konzert hat.
Auf "Ifni", ihrer fünften CD, hat die Band der marokkanischen Stadt Sidi Ifni ein Denkmal gesetzt. Der irrealen Stimmung dieses Ortes in der Wüste, wo die Spanier in den Zwanziger Jahren einen riesigen Flugplatz hinbauten, der seit dem Krieg verfällt und dennoch wie eine Art heilige Stätte unberührt von der darum herumwuchernden arabischen Stadt bleibt. "Ifni" ist aber auch ein großer Schritt Richtung deutsche Texte und mehr Gelassenheit im Umgang mit der Musik.
Durch die Erfahrungen mit ihrem Soundtrack für den Film "Halbe Treppe" entdeckten die 17 Hippies die Langsamkeit und durch die kreativen Kontakte nach Frankreich die Lust am sehnsuchtsvollen Singen. Die Stücke sind inzwischen so unterschiedlich wie die Bandmitglieder, die zwischen fünfzig und dreißig Jahre alt sind. Sie haben Romantik und Energie, Traurigkeit oder Witz, wie in "Hoyaka", einem alten Zydeco-Song, dem die 17 Hippies einen hessischen Text gaben, der für die meisten Ohren ziemlich afrikanisch klingt.
Auch wenn "Ifni" die erste konsequente Hinwendung
zum Studiosound bedeutete, live fühlt sich "diese wunderbare
europäische Jam-Band" (O-Ton Rolling Stone) natürlich immer noch
zuhause. Das beweisen sie auf dem kuriosen Mitschnitt "17 Hippies
Play Guitar", der unter den Überraschungsgästen den verschrobenen
Saitenmeister Marc Ribot featuret, ebenso natürlich auf dem Best
Of-Konzert "Live In Berlin", das als CD und DVD erschienen
ist.
Achter Streich der einzigartigen Combo aus der Hauptstadt ist
"Heimlich": Nochmals ist das Klangspektrum ausgeweitet und reicht
von Hackbrett bis Harmonium, von Piccolo bis Klarinette.
Stilistisch geht es quer durch den Texmex- und Zydeco-Garten über
Balkanhitze bis zu eindrucksvoll melancholischen Chansons sowohl in
Deutsch als auch Französisch.
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