Mittwoch, 10.03.2010
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CD der Woche: Yatra (Nomadic Souls)
Jeder kennt den Bollywood-Megastar Shahrukh Khan, ein ebensolcher Star in der indischen Musikszene ist Kailash Kher. Der indische Sänger hat in den vergangenen sechs Jahren eine unglaubliche Karriere hingelegt. Sein Durchbruch kam durch einen Filmsong zustande. Und wenn in Indien zuerst über einen Song geredet wird und dann erst über den dazugehörigen Film, dann hat man es geschafft.
"Allah Ke Bande" hieß der Hit aus dem Film und ganz Indien kannte plötzliche diese neue Stimme. Eine Stimme, die viele Menschen an den großen Qawwali-Sänger Nusrat Fateh Ali Khan erinnerte, der vor 13 Jahren verstorben ist.
Und was macht Kailash Kher? Er fühlt sich geehrt und setzt einen
neuen Meilenstein im Genre "Sufi-Soul". Er bleibt nicht an der
schillernden Bollywood-Oberfläche, sondern er geht tiefer in die
mystischen Urgründe, die Geschichten und Gedichte des
Subkontinents. Es geht um die hingebungsvolle Liebe, das zentrale
Thema der Sufilehre.
Der Song "Guru Ghantal" beginnt mit dem Ausruf: "Boom Shankar!"
und ist für Kailash mittlerweile zum Sinnbild des Umherreisens mit
seinen Bandmitgliedern von "Kailasa" geworden. Im Ohrwurm-Song
"Turiya Turiya" wird ein Bogen geschlagen vom Sufi-Gelehrten Baba
Farid Ganj-eh aus dem 12. ins 21. Jahrhundert. Dagegen ist das im
Internet gebündelte digitale Wikipedia-Wissen fast schon machtlos.
Die uralten Texte und Traditionen der Sufi-Mystik mit modernen
Arrangements und Beats zu verbinden, das ist Kailash Kher auf dem
Album "Yatra (Nomadic Souls)" hervorragend gelungen. Zwei Brüder
haben ihn dabei unterstützt: Naresh und Paresh Kamath, die früher
in der Rockband "Bombay Black" jammten. Keine Berührungsängste mit
Rock, Funk, Elektronik und sogar Reggae zu haben: das hat Kailash
von den beiden Kamaths gelernt.
Trotzdem geht der Modernisierungsdrang nicht so weit, daß man alle Traditionen zugunsten des Pop-Appeals abgestreift hätte. Im Gegenteil: typisch indische Instrumente wie Tabla, Dholak, Sitar und Flöte sind überall präsent. Dazu kommen noch Harmonium und Hackbrett sowie die Saiteninstrumeten Saz und Oud. Die "Jaipur Kawa Brass Band" macht ihre Aufwartung und bringt den Sound der Gypsies aus Rajasthan in die Jetztzeit. Nordindische Musik habe ihn besonders geprägt, sagt Kailash: "Diese Einflüsse werden in meiner Musik immer präsent sein! Ich hoffe, daß ich auch dazu beitrage, daß diese Traditionen nicht vergessen werden". Dabei ist Kailash selbst eine "Nomadenseele" (so der Titel des Album "Yatra" in der deutschen Übersetzung). Sein Gesangstalent fiel der Familie schon früh auf. Die Eltern wollten aber, daß der Sohn etwas Vernünftiges lernt und er wurde zunächst Geschäftsmann. Die Geschäfte in Thailand liefen aber so schlecht, daß Kailash sich fortan in der Filmmetropole Mumbai (dem früheren Bombay) als Produzent für Werbemusik durchschlagen mußte. Es ist nicht wirklich die Underdog-Story aus dem Erfolgsfilm "Slumdog Millionaire", aber auch Kailash arbeitete sich vom unbekannten Künstler hoch zum indischen Popstar. Zur landesweiten Popularität haben auch seine Jobs als Juror und Moderator bei MTV und "Indian Idol" (dem Pendant zu "Deutschland sucht den Superstar") beigetragen. Aber jetzt will er mehr: den Rest der Welt erobern. In der Desi-Szene der Exil-Inder ist er sowieso durch das Internet präsent. Liveshows in den USA waren vor einigen Wochen gut besucht. Europa steht als nächstes auf der Liste. "Indische Musik ist jetzt wirklich international erfolgreich", freut sich Kailash. Zu seinen Mentoren zählt der Filmkomponist A.R. Rahman, der gerade für seinen Slumdog-Soundtrack einen Grammy bekommen hat - nebst Oscar und Golden Globe. Und der sagt: "Kailashs Stimme hat puren Soul!".
Autor: Stefan Müller
| Titel | Yatra (Nomadic Souls) |
|---|---|
| Vertrieb | Cumbancha / Exil |
| Bestellnummer | ASIN: B002IVLWFG |
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