Dienstag, 07.02.2012

Suche im gesamten WDR Web

  • Tipps zur vergrößerten Ansicht
  • Alle WDR E-Mail Adressen von A bis Z
  • Alle WDR Sendungen von A bis Z
  • Inhaltsverzeichnis wdr.de
  • Hilfe
  • Audio


Hauptnavigation Funkhaus Europa


Partnersender


Banner


Sie befinden sich hier: > WDR.de > "SMOD"


CD der Woche 06. September 2010

"SMOD"

SMOD

Alive

Smod cd-cover ; Rechte: alive Bild vergrößern

SMOD

In den letzten Jahren tummelte sich der Pop-Troubadour Manu Chao bevorzugt in Westafrika herum. Indem er mit Malis blindem Sängerpaar Amadou & Mariam deren Erfolgsalbum "Dimanche à Bamako" einspielte, ließ er seine Fans an seinen musikalischen Abenteuern dort teilhaben. Ebenfalls in Mali stellte er sich an die Seite des Rap-Trios SMOD, deren gleichnamiges Album sich nun deutlich von seiner Handschrift geprägt zeigt.

Vom Cover ihrer ersten internationalen Veröffentlichung lächeln die drei Jungs von SMOD dem Betrachter mit Brille, in adretten Studenten-Hemden und Schiebermütze schüchtern entgegen. Auf den ersten Blick wirken sie wie die afrikanische Antwort auf den alternativen US-Hiphop der frühen Neunzigerjahre. Dessen führende Repräsentanten wie De La Soul, A Tribe Called Quest oder die Jungle Brothers setzten einst auf intelligenten Wortwitz, ausgesuchte Jazz-Samples, Mittelschichtsthemen und ein freundliches Image. "Native Tongues" nannte sich diese Bewegung, die sich von verbreiteten Gangsta- und Ghettoklisches distanzierte.

Mit ihren bonbonbunten Farben und Motiven, irgendwo zwischen Tribal-Tatoos und Kinderzeichnungen, wirkt die freundlich-naive Cover-Ästhetik von SMOD wie eine Hommage an diese Ära. Die drei Jungs aus Bamako warten, wie ihre US-Vorbilder, mit einer ähnlichen Balance aus intellektuellen und sozialkritischen Texten sowie einer gehörigen Portion Spaß-Attitüde auf. Im Opener "Les Dirigeants Africains" kritisieren sie Afrikas politische Elite für die verbreitete Ungerechtigkeit, die Perspektivlosigkeit der Jugend und die Korruption der besitzenden Klasse. Und in "Fitri Waleya" heißt es selbstbewusst: "HipHop weist uns den Weg. Der HipHop in Mali wächst mit jedem Tag."

Damit erschöpfen sich auch schon die Parallelen zwischen dem US-Mittelschichtsrap und seiner westafrikanischen Variante aus Mali. Denn SMOD zeigen sich fest verwurzelt in den heimischen Traditionen der Mandingo-Griots und der lokalen Blues-Folklore. Eine Gitarre und ihre drei Stimmen, bestenfalls um ein paar Beatbox-Effekte angereichert - mehr brauchen sie nicht, um ihre melodiösen Akustik-Songs zum Strahlen zu bringen. Ihr Album klingt über weite Strecken darum mehr nach Afro-Folk, als dass es sich in die Schablonen des HipHop fügt.

Um das Jahr 2000 kamen die drei Freunde Sam, Mouzy und Ousco in Malis Hauptstadt Bamako zusammen, später stieß als Vierter im Bunde der Schulfreund Donsky dazu. Der Name ihrer gemeinsamen Band ergab sich, als sie die Initialen ihrer Vornamen kombinierten: SMOD. Und diesen Namen behielten sie auch noch bei, als ihr Kumpel Mouzy ein Jahr später sein Heimatland Mali in Richtung Frankreich verließ und das Quartett damit zum Trio schrumpfte. Ihr Albumdebüt "Dunia Kuntala" ("Der Lauf des Lebens") erschien 2002, die Veröffentlichung wurde vor 4000 Fans im "Maison de la Culture" von Bamako gebührend gefeiert. Zwei Jahre später folgte die zweite Aufnahme, "Ta i tola" ("Geh hin"), an der die Eltern von Sam, das berühmte Sängerpaar Amadou und Mariam, sowie befreundete Rapper wie King Massami beteiligt waren. Als dann Manu Chao 2005 nach Mali kam, um mit Amadou und Mariam deren Album "Dimanche à Bamako" zu produzieren, lief er auch deren Sohn Sam und seinen Freunden über den Weg. Weil die meisten Menschen in Mali früh ins Bett gehen, Manu Chao aber eher nachtaktiv ist, traf sich der Gast aus Europa gerne mit den drei Jungs auf der Dachterrasse des Hauses von Sams Eltern, um sich mit Gitarre und Gesang so manche Nacht um die Ohren zu schlagen. Aus diesen spontanen Sessions wurde die Idee zu dem SMOD-Album geboren, das nun vorliegt.

Wer die Platten von Manu Chao kennt, dem dürfte das eine oder andere Motiv recht bekannt vorkommen, das nun auf dem Album von SMOD auftaucht. Es ist der typische Manu-Chao-Sound mit seinen suggestiv-monotonen Instrumental-Loops und seinem eingängigen Gitarren-Groove, der sofort im Ohr hängen bleibt, der viele Songs von SMOD unterlegt. Trotzdem wirkt diese Koproduktion nicht aufgesetzt, denn sie lässt den melancholischen Folk-Balladen von SMOD ihren eigenen Charakter.

So dürfte das Album vielen Seiten gefallen: den eingefleischten Manu-Chao-Fans, die auf ein neues Lebenszeichen ihres umtriebigen Helden warten. Allen Anhängern afrikanischer Musik, die neugierig sind auf neue Genre-Entwicklungen auf dem Kontinent. Und allen Freunden gut gemachter Popmusik, die bereit sind, sich auf etwas Neues einzulassen. Nennen wir es doch einfach: Griot 2.0.



Autor: DANIEL BAX


Titel"SMOD"
VertriebAlive

Jetzt im Programm

10.04 bis 12.00 Uhr
Süpermercado

Nico Aslanidis

Moderation:
Niko Aslanidis

HÖREN

PLAYLISTS


Die aktuellsten drei CDs der Woche


Ihr Musikwunsch

Café Mondial spielt Ihre Wünsche [mehr]


Veranstaltungen

Veranstaltungen; Rechte: WDR

Immisitzung

Do., 26. Januar 2012

Bürgerhaus Stollwerck [mehr]




Funkhaus Europa on stage - Rückblick



Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.