Dienstag, 07.02.2012
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Zaz
Sony Music
Normale Menschen müssen sich eine Fahrkarte kaufen, um andere Länder und Kulturen zu bereisen, Zaz brachte ihr Gesang über den halben Globus. Die Französin mit der schwarzen, heiseren Stimme hat, bevor sie 2010 mit 30 Jahren ihre erste CD veröffentlichte, ein ziemlich abenteuerliches Leben geführt.
Sie hat Latin-Standards in Marokko gesungen, ist zwei Jahre mit
einem baskischen Tanzorchester durch die Dörfer getingelt, hat
Piaf-Chansons in Sibirien interpretiert, stand in Japan, Ägypten,
Kanada, Malaysia und im Pariser Olympia auf der Bühne, beschallte
mit ihrem Timbre eine Salzmine in Kolumbien, coverte auf Dorffesten
Whitney Houston- oder Beyoncé-Hits, war Straßenmusikerin und die
Lady am Mikrofon im "Les Trois Maillets", einer Pianobar in der
Nähe der Champs Elysées.
Sie hat alles gesungen, was man von ihr wollte, ließ sich von
Musikjobs überallhin treiben, bis sie die Schnauze voll hatte: "Ich
habe sehr gut verdient, aber ich hatte plötzlich das Gefühl
musikalisch nur noch zu funktionieren und es ging mir sehr
schlecht. Deshalb habe ich alles hin geschmissen." Doch dann stand
eine Anzeige im Internet: Komponist sucht eine etwas brüchige,
rockige Stimme. Zaz antwortet mehr aus Spaß: C'est moi! Das klingt
nach Legende, ist aber nichts als die Realität.
Der Produzent Kerredine Soltani schreibt ihr den Song "Je veux"
und seitdem ist nichts mehr wie es war. Zaz verkauft zur Zeit in
Frankreich mehr CDs als Lady Gaga, Eminem oder Muse und gilt als
diejenige, die das Chanson kurz vor seinem Ableben reanimiert hat.
Dabei ist sie keine Amélie im Chanson-Wunderland, sie sieht aus wie
eine Rapperin, die im besetzten Haus um die Ecke wohnt und steht
mit beiden Beinen im Hier und Jetzt. Isabelle Geoffrey,
Künstlername Zaz hat schon mit drei Jahren gesungen und mit vier
erklärte sie ihren verdutzen Eltern, daß sie Sängerin werden will.
Mit sieben gewann sie den ersten Gesangswettbewerb in der Bretagne,
den vorerst letzten Sieg trug sie 2009 beim Talentwettbewerb
"Génération Réservoir" von Radio France Bleu davon. Im völlig
überwältigten Publikum des Olympia jubelte auch Popstar Raphael,
der schrieb ihr gleich anschließend drei Chansons für die Debut-CD
("La fée", "Trop sensible" und "Port Coton").
Es ist ihre Stimme, die die Menschen weg trägt, ihnen auf der Haut
herum spaziert und für den enormen Erfolg sorgt, eine Bluesstimme,
die verblüffend nah an Edith Piafs Timbre dran ist, aber auch ihre
etwas spöttische, manchmal rebellische Art. "Als ich auf der Straße
gesungen habe, fingen die Leute manchmal zu weinen an. Da dachte
ich mir: Es muss was dran sein an meiner Stimme. Wenn ich singe,
gehe ich total aus mir raus, ich kann nichts Halbes machen und
stecke viele Gefühle in meinen Gesang. Zaz ist nicht altmodisch,
auch wenn sie an die Grande Dame des Chansons erinnert, aber sie
ist - gäbe es dieses Wort heute noch - eine Volkssängerin, wie die
Piaf. Im Gegensatz zu ihr hat sie aber Klavier, Geige und
Musikwissenschaften studiert und schreibt viele Texte selbst.
Das "Ich" steht im Zentrum der Songs, ein Ich mit Nomadenseele
und einem unstillbaren Hunger nach Leben. In "Je veux" lehnt sie
eine Suite im Ritz, Schmuck von Chanel und eine Limousine ab und
trällert: Ich will Liebe, Glück und mit einer Hand auf dem Herzen
sterben."La fée" ist ein Plädoyer für mehr Weiblichkeit im Alltag,
in "J'aime à nouveau" erklärt sie, wie sie begriffen hat, daß man
sich selbst lieben muß, wenn man andere lieben will und "Le long de
la route"ist ein Chanson übers Verzeihen. Die Songs sind
Abfallprodukte des täglichen Lebens und Erlebens, wie man am
Beispiel von "Les passants" beschreiben kann. Zaz saß in einem Café
und musste auf die Produzentin der CD warten, die im Pariser
Verkehr fest steckte, also hat sie die Passanten beobachtet. So
einfach ist das: Ein Stück Langeweile plus eine Portion Talent plus
ein Kinderabzählreim und fertig ist der Song.
Musikalisch steckt von araboandalusischen bis lateinamerikanischen
Facetten, von Jazz bis Soul vieles drin, unüberhörbar aber ist die
Gypsyswing-Affinität. Und eine Coverversion hat sie der Frau, mit
der sie landauf landab verglichen wird geschenkt, Edith Piafs "Dans
ma rue" hat Gänsehaut-Faktor, vor allem dann, wenn man die beiden
Aufnahmen hintereinander hört. Zaz ist überzeugt davon, daß sie
schon in einem früheren Leben Sängerin war, uns reicht es, dass sie
es in diesem Leben ist und hoffentlich noch lange bleibt.
Autor: Anna-Bianca Krause
| Titel | Zaz |
|---|---|
| Vertrieb | Sony Music |
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