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CD der Woche 30. August 2010

Zaz

Zaz

Sony Music

CD Cover Zaz; Rechte: Sony Music Bild vergrößern

CD Cover Zaz

Normale Menschen müssen sich eine Fahrkarte kaufen, um andere Länder und Kulturen zu bereisen, Zaz brachte ihr Gesang über den halben Globus. Die Französin mit der schwarzen, heiseren Stimme hat, bevor sie 2010 mit 30 Jahren ihre erste CD veröffentlichte, ein ziemlich abenteuerliches Leben geführt.

Sie hat Latin-Standards in Marokko gesungen, ist zwei Jahre mit einem baskischen Tanzorchester durch die Dörfer getingelt, hat Piaf-Chansons in Sibirien interpretiert, stand in Japan, Ägypten, Kanada, Malaysia und im Pariser Olympia auf der Bühne, beschallte mit ihrem Timbre eine Salzmine in Kolumbien, coverte auf Dorffesten Whitney Houston- oder Beyoncé-Hits, war Straßenmusikerin und die Lady am Mikrofon im "Les Trois Maillets", einer Pianobar in der Nähe der Champs Elysées.
Sie hat alles gesungen, was man von ihr wollte, ließ sich von Musikjobs überallhin treiben, bis sie die Schnauze voll hatte: "Ich habe sehr gut verdient, aber ich hatte plötzlich das Gefühl musikalisch nur noch zu funktionieren und es ging mir sehr schlecht. Deshalb habe ich alles hin geschmissen." Doch dann stand eine Anzeige im Internet: Komponist sucht eine etwas brüchige, rockige Stimme. Zaz antwortet mehr aus Spaß: C'est moi! Das klingt nach Legende, ist aber nichts als die Realität.

Der Produzent Kerredine Soltani schreibt ihr den Song "Je veux" und seitdem ist nichts mehr wie es war. Zaz verkauft zur Zeit in Frankreich mehr CDs als Lady Gaga, Eminem oder Muse und gilt als diejenige, die das Chanson kurz vor seinem Ableben reanimiert hat. Dabei ist sie keine Amélie im Chanson-Wunderland, sie sieht aus wie eine Rapperin, die im besetzten Haus um die Ecke wohnt und steht mit beiden Beinen im Hier und Jetzt. Isabelle Geoffrey, Künstlername Zaz hat schon mit drei Jahren gesungen und mit vier erklärte sie ihren verdutzen Eltern, daß sie Sängerin werden will. Mit sieben gewann sie den ersten Gesangswettbewerb in der Bretagne, den vorerst letzten Sieg trug sie 2009 beim Talentwettbewerb "Génération Réservoir" von Radio France Bleu davon. Im völlig überwältigten Publikum des Olympia jubelte auch Popstar Raphael, der schrieb ihr gleich anschließend drei Chansons für die Debut-CD ("La fée", "Trop sensible" und "Port Coton").
Es ist ihre Stimme, die die Menschen weg trägt, ihnen auf der Haut herum spaziert und für den enormen Erfolg sorgt, eine Bluesstimme, die verblüffend nah an Edith Piafs Timbre dran ist, aber auch ihre etwas spöttische, manchmal rebellische Art. "Als ich auf der Straße gesungen habe, fingen die Leute manchmal zu weinen an. Da dachte ich mir: Es muss was dran sein an meiner Stimme. Wenn ich singe, gehe ich total aus mir raus, ich kann nichts Halbes machen und stecke viele Gefühle in meinen Gesang. Zaz ist nicht altmodisch, auch wenn sie an die Grande Dame des Chansons erinnert, aber sie ist - gäbe es dieses Wort heute noch - eine Volkssängerin, wie die Piaf. Im Gegensatz zu ihr hat sie aber Klavier, Geige und Musikwissenschaften studiert und schreibt viele Texte selbst.

Das "Ich" steht im Zentrum der Songs, ein Ich mit Nomadenseele und einem unstillbaren Hunger nach Leben. In "Je veux" lehnt sie eine Suite im Ritz, Schmuck von Chanel und eine Limousine ab und trällert: Ich will Liebe, Glück und mit einer Hand auf dem Herzen sterben."La fée" ist ein Plädoyer für mehr Weiblichkeit im Alltag, in "J'aime à nouveau" erklärt sie, wie sie begriffen hat, daß man sich selbst lieben muß, wenn man andere lieben will und "Le long de la route"ist ein Chanson übers Verzeihen. Die Songs sind Abfallprodukte des täglichen Lebens und Erlebens, wie man am Beispiel von "Les passants" beschreiben kann. Zaz saß in einem Café und musste auf die Produzentin der CD warten, die im Pariser Verkehr fest steckte, also hat sie die Passanten beobachtet. So einfach ist das: Ein Stück Langeweile plus eine Portion Talent plus ein Kinderabzählreim und fertig ist der Song.
Musikalisch steckt von araboandalusischen bis lateinamerikanischen Facetten, von Jazz bis Soul vieles drin, unüberhörbar aber ist die Gypsyswing-Affinität. Und eine Coverversion hat sie der Frau, mit der sie landauf landab verglichen wird geschenkt, Edith Piafs "Dans ma rue" hat Gänsehaut-Faktor, vor allem dann, wenn man die beiden Aufnahmen hintereinander hört. Zaz ist überzeugt davon, daß sie schon in einem früheren Leben Sängerin war, uns reicht es, dass sie es in diesem Leben ist und hoffentlich noch lange bleibt.



Autor: Anna-Bianca Krause


TitelZaz
VertriebSony Music

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