Dienstag, 07.02.2012
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School of Life
Wrasse / Harmonia Mundi
Daara J bedeutet auf Wolof, der meist gesprochenen Umgangssprache des Senegal, so viel wie "Schule des Lebens". Durch diese Schule sind N'Dango D und Faada Freddy, die beiden Köpfe hinter der Daara J Family, in den 16 Jahren ihrer HipHop-Karriere zweifellos gegangen. So ist es nur konsequent, dass sie ihrem zweiten internationalen Album, das auch außerhalb des Senegals erscheint, nun genau diesen Titel gegeben haben: "School of Life".
16 Jahre sind eine lange Zeit - nicht nur im HipHop, der ja immer noch als eine Jugendkultur gilt, aber da ganz besonders. 16 Jahre! So lange ist es schon her, dass Daara J im Senegal ihren ersten Auftritt absolvierten und ihr erstes Tape veröffentlichten. Neben Bands wie Positive Black Soul und Pee Frois avancierten sie in den Neunzigerjahren rasch zur Speerspitze des "Senerap", wie ihre westafrikanische Spielart des HipHop genannt wurde, und das trotz erheblicher Konkurrenz: Hunderte, nein Tausende von ambitionierten jungen MC's tummelten sich in jener Zeit in Dakar und machten die Stadt zur brummenden HipHop-Hochburg des afrikanischen Kontinents.
Mit ihrem Album "Boomerang" gelang Daara J vor sechs Jahren der internationale Durchbruch. Sie gingen bei den World Music Awards der BBC als Gewinner vom Platz, standen plötzlich im Vorprogramm von Wyclef Jean und Mos Def und traten als Headliner beim renommierten WOMAD-Festival auf. Spurlos ist dieser Rummel nicht an ihnen vorbei gegangen. Einerseits sind Daara J seitdem vom Trio zum Duo geschrumpft, ihr langjähriger Mitstreiter Aladji Man geht nun eigene Wege. Andererseits nennen sie sich nun "Daara J Family", um auf ihr breites Umfeld aus Unterstützern und Begleitmusikern zu verweisen.
Mit ihrem Album "School of Life" treiben Daara J die Internationalisierung ihres Sounds noch einen Schritt weiter und zeigen, dass sie heute auf den Straßen von New York oder Paris genauso zu Hause sind wie in Dakar oder Kingston. Sehr melodisch und eher dezent afrikanisch angehaucht klingen ihre Songs zwar noch immer. Dafür zeigen sie sich aber noch deutlicher als bisher von der ganzen Palette afroamerikanischer Stile wie Soul, Funk und Blues beeinflusst, auch Roots-Reggae und Dancehall-Sounds haben sie spürbar in sich aufgesogen. Wie schon auf "Boomerang" rappen sie gerne bilingual, nur das neben dem heimischen Wolof-Dialekt nun statt dem Französischen neuerdings die Weltsprache Englisch vorherrscht.
Auf "School of Life" haben Daara J gleich mehrere potentielle Dancefloor-Füller aneinander gereiht, mit denen sie bei ihren Live-Konzerten so manche Halle zum Toben bringen dürften. Ihre treibenden Grooves paaren sie manchmal mit reinen Party-Apellen ("Celebrate") oder der Aufforderung, die Dinge öfters mal durch die rosarote Brille zu betrachten ("Positif") mit dringlichen Botschaften. Oft geht es aber auch um ernste Themen und politische Botschaften. So formulieren Daara J Family schon im Opener "Bayi Youn", einem glamourösen Afro-R'n'B-Schmachtfetzen, ihren Stolz auf Afrika als Wiege der Zivilisationen. Im Titelsong "School of Life" dagegen gießen sie ihre Wut über 400 Jahre der Sklaverei in selbstbewusste Rap-Lyrics, während sie im Roots-Reggae "Children" über das
schwere Los vieler Kinder auf dem afrikanischen Kontinent klagen, die unter Kriegen und Armut leiden. Das soziale Gewissen und eine klare politische Haltung sind das Markenzeichen von Daara J. Im Senegal werden sie dafür auch mal kritisiert. So stieß ihre Entscheidung, bei den im Wahlen im Jahr 2000 den damaligen Oppositionskandidaten Abdoulaye Wade und seine Anti-Korruptions-Plattform zu unterstützen, nicht nur auf Begeisterung. Nicht jeder ist der Meinung, dass sich die Dinge im Senegal seitdem grundlegend verbessert haben.
Abgehoben von den Realitäten im eigenen Land sind Faada Freddy und N'Dango D trotz ihres internationalen Erfolgs jedenfalls nicht. Noch immer wissen sie, wie es der Mehrheit der Menschen in ihrem Land geht. Und wenn, wie kürzlich geschehen, ihr Antrag auf ein Einreisevisum für Großbritannien abgelehnt wird, obwohl sie dafür eigens zur britischen Botschaft nach Ghana gefahren waren und dort drei Tage lang gewartet haben, dann geht es ihnen wie vielen anderen Afrikanern.
In ihrem Hitsong "Boomerang" sangen Daara J einst, der HipHop sei in Afrika geboren, in Amerika aufgewachsen und dann nach Afrika zurück gekehrt. Doch das ist nur die halbe geschichte. Denn inzwischen ist der HipHop mehrfach um den Globus gereist und ein echter Weltbürger geworden. So weitgereist und weltklug klingt er jedenfalls auf "School of Life".
Autor: Daniel Bax
| Titel | School of Life |
|---|---|
| Vertrieb | Wrasse / Harmonia Mundi |
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