Dienstag, 07.02.2012

Suche im gesamten WDR Web

  • Tipps zur vergrößerten Ansicht
  • Alle WDR E-Mail Adressen von A bis Z
  • Alle WDR Sendungen von A bis Z
  • Inhaltsverzeichnis wdr.de
  • Hilfe
  • Audio


Hauptnavigation Funkhaus Europa


Partnersender


Banner


Sie befinden sich hier: > WDR.de > Latinista


CD der Woche 26. Juli 2010

Latinista

Roy Paci und Aretuska

Etnagigante

CD Cover Latinista; Rechte: Piranha Bild vergrößern

CD Cover Latinista

"Dieses Album habe ich wie Kaktusfeigen in der Sonne von Morro de Sao Paolo in Bahia reifen lassen, um die Früchte dann in meinem Keller in Lecce auszusortieren."
Drei Jahre war Roy Paci unterwegs, in Südamerika, Afrika, Europa und Indien, ist auf den Azoren aufgetreten, hat in Kenia Brunnen gebaut, in der italienischen TV-Comedy-Show Zelig den Bandleader gegeben, hat an der Seite von Faith No More-Sänger Mike Patton gespielt und in Brasilien Urlaub gemacht. Auf "Latinista" spürt man jeden Moment, jede Erfahrung, jede Facette dieser Zeit.


Die Songs sind wie die Seiten eines Tagebuchs: Man erlebt in "Maasai" wie Paci von den Massai im kenianischen Distrikt Kajiado auf den Namen Olmurani getauft wird (der Verteidiger des Berges), wie er in Mexiko "La Santa Muerte", der Heiligen der Bettler und Banditen begegnet ("Santa") oder wie Blaxploitation-Queen Pam Grier auf einer Tomatenkiste für seinen nächsten Bloody Mary tanzt ("Can I go").
Paci pflegt immer noch den Mafia-Style: Anzug, schmaler Oberlippenbart, die tiefschwarzen Haare mit viel Pomade so nach hinten gelegt, daß man plötzlich versteht, warum die italienischen Emigranten in den USA "Greaseballs" genannt wurden. "Das ist ein Spiel und eine Provokation, wir sind die Mafia gegen jede Form von Mafia", sagt er lachend. Und zeigt gleich anschließend seine Wut darüber, daß die meisten sizilianischen Musiker sich in ihren Songs nicht deutlich gegen die Mafia positionieren. Paci hat gut reden, schließlich bringt er sein Publikum trotz politischer Texte zum Tanzen. Der Vierzigjährige ist Sizilianer durch und durch und gleichzeitig ein überzeugter Weltbürger. Nie war er so nah dran an einer universellen musikalischen Sprache wie mit seinem 5.Album "Latinista". "Ein Latinista ist für mich ein Südländer, ein sehr temperamentvolles Individuum, das soviel Energie hat, daß es wie ein Katalysator auf andere wirkt." Genau so ein Typ wie der Bläser selbst. Doch Paci liebt Wortspiele und Doppeldeutigkeiten, in "Latinista" steckt noch mehr drin: Eine Verbeugung vor seinen Punk-Heroen The Clash und ihrem legendären Triple-Album "Sandinista", das vor genau 30 Jahren erschienen ist und das - von heute aus gesehen - der Vorläufer aller Patchanka-Bands war. Damals war der kleine Roy gerade 10 Jahre alt und spielte schon Trompete. Mit der CD feiert Roy Paci also auch sich selbst, dreißig Jahre eigenes Musikerleben.
Treibende Kraft hinter seinem Rücken ist seit 1999 die Band Aretuska, acht Musiker, die Hälfte davon Bläser. Der Name ist wie alles bei Paci ein Wortspiel aus Aretusa, dem alten Namen der sizilianischen Provinz Siracusa und Ska. Der Maestro ist stolz auf seine Jungs, die sich, wie er es nennt "mit Lichtgeschwindigkeit bewegen". Und besonders stolz ist er auf den zwanzigjährigen Neuzugang Stefano "Anansi" Banno, der rappt und toastet und ist die Kontraststimme zu Pacis Crooner-Organ.
Ska und Rocksteady, die Musikschiene auf der alles anfing, sind nur noch Schatten im Soundkosmos der kleinen Bigband mit der großen Wirkung. Patchanka 2.0 könnte man den Mix aus Latino-Einflüssen, Funk, Mariacci-Musik, Pop, Reggae, Rock, sizilianischen Traditionen und Hip Hop nennen, unmöglich aufzuzählen was alles drin steckt. Drei Freunde hat Paci sich zur Unterstützung geholt, den apulischen Rapper Caparezza, Eugene Hütz, den irren Leader der ukrainisch-amerikanischen Gypsytruppe Gogol Bordello und Lorenzo Cherubini, besser bekannt als Jovanotti.
Der hat ausgeholfen, als Paci die Worte ausgingen und mit "Bonjour Bahia" einen Jovanotti-typischen Text geliefert. Der Song ist einer der Sommerhits in Italien und witzigerweise kann man Paci und Jovanotti beim Singen kaum auseinanderhalten. "Als ich zurückkam aus Brasilien, wo die CD konzipiert wurde und gereift ist, hatte ich alle Texte und die Musik schon fertig dabei. Aber "Bonjour Bahia" hat mich nicht überzeugt und deshalb habe ich Lorenzo dazu geholt, weil er von Tropicalismo soviel versteht wie ich. Und er hat alle Gefühle, die ich habe, wenn ich in Morro de Sao Paolo bin, wunderbar beschrieben."
Der kleine Ort Morro de Sao Paolo auf der Insel Ilha de Tinharé ist seit langem Pacis Refugium, ein Zimmerchen mit Blick aufs Meer und die Schiffe, die die Touristen zu den Mangrovenwäldern bringen. Schon als junger Mann hat der kleine Sizilianer mit der großen Musikerseele sein Herz in Südamerika verloren. Nach einem Engagement auf einem Kreuzfahrtdampfer, war ihm Sizilien und der Job als erster Trompeter in der Kapelle seiner Heimatstadt Augusta zu eng geworden und er zog in die Welt. Lebte drei Jahre in Uruguay, Argentinien, Brasilien, spielte - was bei seinem Talent kein Problem war - in Bigbands und Orchestern, mit Cumbia-Crews und für Musica Popular Brasileira-Künstler. Vielleicht wäre er geblieben, doch da war diese Geschichte mit einer Frau, die er buchstäblich im letzten Moment vor dem Altar sitzen ließ. Jetzt ist er zurück gekehrt und erobert mit "Latinista" die ganze Welt.



Autor: Anna-Bianca Krause


TitelLatinista
VertriebEtnagigante

Jetzt im Programm

10.04 bis 12.00 Uhr
Süpermercado

Nico Aslanidis

Moderation:
Niko Aslanidis

HÖREN

PLAYLISTS


Die aktuellsten drei CDs der Woche


Ihr Musikwunsch

Café Mondial spielt Ihre Wünsche [mehr]


Veranstaltungen

Veranstaltungen; Rechte: WDR

Immisitzung

Do., 26. Januar 2012

Bürgerhaus Stollwerck [mehr]




Funkhaus Europa on stage - Rückblick



Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.