Samstag, 04.02.2012
Sie befinden sich hier:
WDR.de
Magnification
Piranha
CD Cover "Magnification"
Laut Personalausweis gehört der Mann zum Personal des Landes Slowenien und heißt Robert Pešut, was sich Peschut spricht. Doch das klang ihm wohl nicht heldenhaft genug, und so ist sein Künstlername weit weniger bescheiden ausgefallen: Magnifico. Da steckt das Augenzwinkern bereits drin, und der Mann zwinkert reichlich. Magnifico ist Mitte 40 und war schon im früheren Jugoslawien so bekannt wie der berühmte bunte Hund, bevor sich Slowenien abspaltete, also vor rund 20 Jahren. Dort lebt er heute, in der Hauptstadt Ljubljana. Mit seinem neuen Album namens Magnification (es ist sein 7. Soloalbum) möchte er nun international Fuß fassen. Das Zeug dazu hat er durchaus. Muss ja auch, denn unter Magnifico nachgeschlagen, finden wir die Attribute üppig, außergewöhnlich, herrlich, großartig, prunkvoll. Darunter macht der Mann es nicht.
Klein hat aber auch er angefangen. Zum Profifußballer hat es nicht gereicht, und seine Jobs als Bankangestellter, Billardspieler, Musiklehrer und Imbissbudenbesitzer waren von Beginn an als temporäre Tätigkeit auf dem Weg nach oben gedacht. Der beginnt Ende der 80-er mit der Band U Redu und mit mehreren Rollen als Schauspieler. Eine davon: ein Mafiaboss. Den spielt er auf der Bühne heute noch. Überzeugend. Die Schauspielerei gibt er allerdings bald wieder auf: "I made three stupid films, then I stopped.", sagt er. Die Musik hingegen rückt ins Zentrum seines Lebens. Und die als völlig durchgeknallt zu bezeichnen ist der Gipfel diplomatischen Entgegenkommens. Mit seinen verqueren Klängen trat er 2001 auch schon beim nationalen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest an. Ohne Erfolg. Den hat er allerdings schon ein Jahr darauf, als er drei schwule Transsexuelle unter dem Namen Sestre ("Schwestern") ins Rennen schickt. Im erzkonservativen Slowenien löst das einen Eklat aus, man versucht, die Abstimmungsmodalitäten am Erfolg der Band vorbeizudirigieren, muss aber letztlich den Sieg anerkennen. Magnifico sammelt mit dieser Aktion im ganzen Land erheblich Sympathiepunkte ein - und auch darüber hinaus.
Die kann er auch gut brauchen, denn seine Texte machen vor nichts halt. Diskriminierung in jeder Form lehnt Magnifico entschieden ab. Das hat schon seine Aktion zum Eurovision Song Contest bewiesen. Auf seinem aktuellen Album findet sich mit Zum Zum ein Lied, das sich gegen rassistisches Verhalten gegenüber Zigeunern wendet. Es ist das Lied von den "Zehn kleinen Negerlein", das er auf Gypsies ummünzt und deren Ausgrenzung anprangert. In anderen Liedern macht er sich über Prahlerei lustig ("Giv mi mani") oder kreiert einen Abgesang auf Jugoslawien, den er auch noch mit "The land of champions" betitelt. Ironie und Provokation allenthalben.
Was ein Klischee ist, kann man von Magnifico vorzüglich lernen. Sein überzeugender Mix aus Balkan-Gebläse, Country-Musik, Surfmusik-Gitarren und mexikanischen Mariachi-Klängen strotzt vor völlig überzogenen Verallgemeinerungen. Mal wähnt man sich in einem Italo-Western, mal in einem James-Bond-Streifen. Allerdings ist diese musikalische Barbarei so gut gemacht, dass bei ihm wunderbar zusammenwächst, was scheinbar nichts miteinander zu tun hat.
Und so sieht er auch aus. Weißer Anzug, Rose im Knopfloch, Hut und Stiefel, Rüschenhemd, goldene Panzerkette um den haarigen Hals und mehr Ringe als Finger. Mehr Klischee geht nicht. Ein Kleinganove im Größenwahn. Den Sechs-Meter-Ami-Schlitten muss man sich dazu denken, mein-Haus-mein-Pferd-meine-Segelyacht auch. Den Rest liefert Magnifico frei Bühne.
Autor: Luigi Lauer
| Titel | Magnification |
|---|---|
| Vertrieb | Piranha |
Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.