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CD der Woche 12. Juli 2010

El Existencial

Grupo Fantasma

Warner Music Group Germany

CD Cover "El Existencial"; Rechte: Warner music group Germany

CD Cover "El Existencial"

Manche Bands öffnen Türen zu ungewohnten Hörwelten. Grupo Fantasma ist so ein Fall. Wer mit Latin Sounds sonst kaum Berührungspunkte hat, wird sie hier vielleicht für sich entdecken. Denn das 10-köpfige Orchester überwindet spielerisch scheinbare Widersprüche und lässt altehrwürdige Stile wie Cumbia, Salsa und afro-karibische Rhythmen auf Funk, Rock und psychedelische Sounds treffen. Und: Grupo Fantasma kommen nicht einmal aus Lateinamerika, sondern aus Texas.


Vier der Gründungsmitglieder sind in Laredo, direkt an der mexikanischen Grenze, mit einem Mix aus nordmexikanischer und texanischer Kultur, spanischer und englischer Sprache aufgewachsen. Nach der Highschool ging es in die Hauptstadt Austin, die auch einen großen mexikanisch-stämmigen Bevölkerungsanteil hat. Dort jammten sie mit anderen Bands und entwickelten ein neues Konzept: Aus Funk, Latin und Punk-Jazz wurde im Jahr 2000 Grupo Fantasma.

Natürlich floss das ein, was jeder an musikalischen Vorlieben mitbrachte: Bläser-Arrangements der 60-er, 70-er Jahre, die Musik der frühen Santana Blues Band oder des New Yorker Salsa-Plattenlabels Fania Records, James Brown und vor allem die "Goldene Ära" der kolumbianischen Cumbia, die 50-er und 60-er Jahre. "Damals gab es Bigbands mit Bläsern, kleine Orchester. Das war eher unser Ding. Einerseits, weil wir kein Akkordeon hatten, andererseits aus rebellischer Ablehnung dessen, womit wir aufgewachsen waren und was die Leute erwarteten", erklärt Gitarrist und Mitbegründer Adrian Quesada. Die Cumbia-Variante, die er aus Texas kannte, erinnerte an Polka und war vom Akkordeon geprägt.

Klar, dass die Cumbia auch auf dem neuen Album eine große Rolle spielt. "La conozco" ist einer der sympathischen Vertreter im Stil der Musik kolumbianischer Dancehalls und Clubs der 60-er und 70-er Jahre: Ein Mädel steht an der Ecke, unser Erzähler kennt sie irgendwoher, sie ihn scheinbar auch, und fort ist sie im Taxi. "Cumbianchera" schaut einer schönen Frau beim Tanzen zu. "Hijo" ist ganz anders, entspannt wie ein Reggae, dafür mit deftigen Rock-Passagen und Gitarren-Solo.

Die Gitarre ist wichtig, es gibt zwei davon in der Band. Manchmal klingt sie fett rockend, manchmal aber auch funky wie bei James Brown oder beim Afrobeat eines Fela Kuti. Manchmal kommt sie dann als psychedelische Wah-wah-Gitarre daher. Prince hat Grupo Fantasma dazu inspiriert. Mehrfach spielten sie als Bühnenmusiker für ihn Konzerte oder traten als Vorgruppe auf. "Wir haben eine Menge von ihm gelernt", so Adrian Quesada, "zum Beispiel, wie man ein Konzert aufbaut: Wie er in einen Song ein- oder aussteigt, lässt dich 20 Minuten lang nicht zu Atem kommen. Wir haben dann angefangen, zwischen den Songs mit psychedelischen Sounds zu experimentieren." Die Synthese aus Psychedelic, Salsa und Funk bietet direkt das erste Stück, "Realizando". Grupo Fantasma zeigen auch den Mut, einen aussagekräftigen Text zu platzieren: "Da ist jemand, dem klar wird, dass er alles verliert, wenn er so weiter macht wie bisher", erklärt Adrian Quesado. "Ich mag solche Songs am Anfand eines Albums. Das bringt dich zum Zuhören." "Juan Tenorio" gehört zu den klassischen Nummern der CD, ein balladenhafter Bolero mit Cha-Cha-Cha-Elementen. "Es geht um einen Mann, der seine Frau erwischt, wie sie ihn betrügt", so Quesada. "Telaraña" nimmt den Zuhörer mit auf einen noch anderen Trip: Da ist ein Schuss früher David Bowie drin, ein Schuss Beatles, vor allem aber ein packender funky Groove mit psychedelischen Elementen. Humoriger Ausreißer ist "Montañozo": Eine Twang-Gitarre plus scharfe Bläsersätze plus Heimorgelklänge, dazu ein Spaghetti-Western-Thema. Der Text sind vier Zeilen: "Lauf, sie wollen dich umbringen, lauf, sie kriegen dich noch!"

Diese eigenen Klänge wollten auch auf eigene Art produziert sein: Grupo Fantasma mietete ein Haus und baute es zum Studio um. Zeit zum Experimentieren, Zeit, alle Songideen gemeinsam auszubauen. Vor allem aber eine Frage des Sounds: "Wenn wir wollen, dass etwas schmutzig klingt, können Tontechniker das oft kaum akzeptieren."



Autor: Martina Morawietz


TitelEl Existencial
VertriebWarner Music Group Germany
BestellnummerLC 02619

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Moderation:
Niko Aslanidis

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