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CD der Woche 24. November 2008

LeTour 4

Diverse

Local Media / ALIVE

Cover der CD; Rechte: Local Media / ALIVE Bild vergrößern

Diverse - LeTour 4

Bei der Verleihung der "Baguette d'or” für besondere Verdienste bei der Verbreitung frankophoner Popmusik in Deutschland, gibt es nur zwei Anwärter: Das kleine Kölner Label Le Pop Musik und der Musikjournalist und DJ Thomas Bohnet.


Beide haben in den vergangenen Jahren mit Samplern die von angloamerikanischer Gitarrenmusik ausgehöhlten Gehörgänge, mit frischem Pop à la francaise durchgespült und für kontinuierlichen Nachschub an Talenten gesorgt.

Bohnet, der nur den vagen Verdacht hat, seine Vorfahren seinen möglicherweise Hugenotten gewesen, sonst aber keine wirkliche Erklärung für seine Frankophilie findet, wurde von einer Kindheit in den Sechziger Jahren geprägt. Damals schwappte gerade die erste große Welle mit französischer Popmusik durch Deutschland, Francoise Hardy wurde von den Lesern der Bravo auf Platz 2 der Beliebtheitsskala gewählt, France Gall war durch ihren Sieg beim Grandprix mit "Poupée de cire, pupée de son" ein Superstar, beide mussten aufgrund ihrer Popularität sogar deutsch singen.

Bohnet wuchs unweit der französischen Grenze in Freudenstadt auf und hat lange bevor der French Pop durch den Erfolg von Air, Daft Punk und den Charme des Soundtracks von "Die fabelhafte Welt der Amelie" wieder en Vogue kam, das richtige Gespür gehabt. Er interviewte französische Künstler, schrieb Reportagen über die französische Independant-Szene und Plattenkritiken für die Süddeutsche Zeitung, Spex und andere Magazine.

Anfangs konnte er nicht einmal Französisch, diesen Zugang, der zuerst auf die Musik schielt und dann erst auf den Text, hat er bis heute beibehalten. Seit dem Jahr 2000 zielt Bohnet noch viel direkter auf ein Publikum, das Spaß an frankophoner Musik hat und stellt sich regelmäßig an die Plattenteller. Einmal monatlich im Café der Muffathalle in München und im Roten Salon der Volksbühne in Berlin, legt er von French Ska über Nouvelle Chanson bis Elektro-Pop alles auf, was Frankreich an Tanzbarem hergibt.

"Tour de France" heißen die Clubabende, die inzwischen quer durch die Republik stattfinden, der Name ließ sich aus rechtlichen Gründen nicht auf die Sampler übertragen, die der DJ seit 2003 herausgibt. Also heißen seine Compilations "LeTour": "In Frankreich sagt sowieso kein Mensch Tour de France, die sagen Le Tour, wenn sie von ihrem geliebten Radrennen sprechen," sagt Bohnet grinsend.

Hießen die ersten beiden CDs noch im Untertitel "The Best in French Alternative Music", setzte der Connaisseur bei LeTour 3 vor allem auf Pop-Mademoiselles wie Anais, Pauline Croze oder Dobacaracol.

"LeTour 4" ist schon allein deshalb anders, weil der Sampler mehr Entdeckungen und Überraschungen enthält und etliche Songs, die noch nicht oder bislang nur auf obskuren, kaum erhältlichen Tonträgern veröffentlicht wurden. Bohnet hat alle Stücke an seinen Versuchskaninchen, den Tänzern und Tänzerinnen getestet, d.h. der Großteil der Songs ist partytauglich und hat nichts mit dem Minimalismus im aktuellen Chanson zu tun, wie ihn beispielsweise Camille zelebriert.

Benjamin Biolay hat den Vortritt, er ist Bohnets Lieblingsfranzose, allerdings auch einer der wenigen Big Names des Samplers. Andere bekannte Namen tauchen mit weniger bekannten Projekten auf, Olivier Libaux, die eine Hälfte von Nouvelle Vague, mit einem Song seines Musicals "Imbécile", Mickael Furnon, der Sänger der Band Mickey 3D mit seinem Solo-Projekt Mick es tout seul und Lux B. und Gari Greu, die beiden MCs des Massilia Sound System toben sich unter dem Namen Oaistar aus. Rock (Dionysos), Ska-Hip Hop-Dub-Chanson (Mouss & Hakim), French Country (Poney Express), Elektro-Pop mit Punkattituede (Pravda), Chanson-Marshmellows (Renan Luce), Hip Hop mit Karibik-Flair und Latino-Schlagseite (La vieille école), Bohnet hat sich beim Zusammenstellen keine Handfesseln angelegt. Und dabei einige wunderbare Pop-Bastarde wie "Train Grande Vitesse" von Electrique zutage gefördert.

Das britisch-holländische Duo hat den sinnlichen "pampampadam".-Singsang, der auf französischen Bahnhöfen einer Zugansage vorausgeht, zur Soundbasis ihres Songs gemacht. Ähnlich genial, was der Elektroniker Pascal Houpert alias Minimatic alias Boogalox aus dem Serge Gainsbourg-Klassiker "Chez les yé-yé" zaubert. Dass der Pate des französischen Chansons auftauchen muß ist klar, auf "LeTour 4" tut er es gleich zweimal. Das bislang völlig unbekannte Duo Mademoiselle Olivier erzählt in "Initials SG" die Geschichte des Gitane-rauchenden Snobs, zitiert damit nicht nur "Initials BB", die Gainsbourg-Hommage an Brigitte Bardot, sondern liefert auch eines der schönsten Chansons der Compilation.



Autor: Anna-Bianca Krause


TitelLeTour 4
LandFrankreich
VertriebLocal Media / ALIVE
Bestellnummerloc 030/LC 11784


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