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CD der Woche 31. Dezember 2007

Grande Finale

Magnifico

Turbolentza 004

Magnifico "Grande Finale"; Rechte: Turbolentza 004 Bild vergrößern

Magnifico "Grande Finale"

Auf dem Album "Grande Finale" von Magnifico wird ein großes Fest gefeiert. Man weiß nur nicht welches: Spielen die Blech-Bläser ein balkanisches Neujahrskonzert? Beschwören die Surf-Gitarren eine neue Liebe? Den Anfang der slowenische EU-Ratspräsidentschaft? Oder gar der Weltuntergang?


Der slowenische Sexy Boy Magnifico alias Robert Pesut ist das Gegenteil dessen, was er auf den ersten Blick zu sein scheint. Nämlich ein ernst zu nehmender Musiker. Seine neue CD "Grande Finale" ist ein wohl durchdachtes und durchkomponiertes Werk, das nur durch Selbstironie zur eigentlicher Tiefe gelangt. Eine balkanische Musikparodie, die Klischees reflektiert, dabei nie den Bogen überspannt und mit Blick in den Abgrund - und das ist die Kunst - vor allem gute Laune macht.

Aus der Endzeitstimmung eine Party zu machen, ist eigentlich eine Balkan-Masche von Goran Bregovic und seinem Orchester für Hochzeiten und Beerdigungen. Der Slowene Magnifico, alias Rebert Pesut, und seine Turbulentza-Band leisten aber etwas ganz anderes. Während Bregovic das klischeehafte Balkan-Pathos salonfähig macht, bleibt das wichtigste Stillmittel von Magnifico: Feinste Musik-Ironie sowie das lässige Augenzwinkern eines bahnhofskneipentauglichen Entertainers.

Neben der furiosen Cover-Version von "House of Rising Sun" versammelt das neue Album von Magnifico weitere 10 Titel. Der 42 jährige Künstler aus Ljubljana macht dort weiter, wo er mit seiner letzten Platte: "Export Import" aufgehört hat. Sein "Grande Finale" ist ein Showdown verschiedener Musikrichtungen und Stile: betörende Balkan-Bläser, flotte Disko-Beats, Surf-Gitarren, amerikanischer Folk, ex-jugoslawischer Rock, apokalyptische Gypsy-Gesänge und universelle Liebeschnulzen.

Magnifico kreiert einen avancierten und zugleich massentauglichen Balkan-Pop. Er ist eine Pop-Star und Pop-Provokateur zugleich - in der Tradition der ex-jugoslawischen Spaßrocker aus den 80-er Jahren. Die Schlüsselfigur hier: der Montenegriner Rambo Amadeus, ein langjähriger Freund und Inspirator von Magnifico. Der Schlüssel - Track dazu: die balkanischen Ode an die Freundschaft: "Pismo Kumu." Brief an den Paten.

Magnifico versteht und verkauft sich als ein balkanischer Borderliner, ein Bastard der blutigen jugoslawischen Vergangenheit, der in seiner Heimat in keine Schublade passt. Besser gesagt: In kein Musikregal. Denn in Slowenien werden die CDs in Musikgeschäften nach dem Prinzip sortiert: "National, Ehemals - National International." Magnifico bzw. Robert Pesut - ein Musiker, der sowohl aus Slowenien als auch Serbien seine Wurzeln zieht, lässt sich hier nicht klar verorten. Das drückt sich in seiner Musik aus.

Magnifico gelingt der brenzlige Balanceakt zwischen luziden Texten und leichtfüßigen Sounds, die Spaß machen. Der Verkleidungskünstler, der in der Vergangenheit mit bunten Porno-Outfits aus den 70-er Jahren schockierte, tritt diesmal auf im Kostüm eines Banditen aus den alten schwarzweißen Western-Filmen. Cowboy-Hut, Revolver und ein dünner Charles-Bronson Schnauzer. Der Slowene singt auf Serbisch, Romanes und Tarzan-Englisch und zeigt so, dass die richtige Balkan-Musik immer dort ist, wo Publikum nach Exotik verlangt.

Das Album "Grande Finale" von Magnifico ist eine Abrechnung mit der schlechten Laune. Ein festliches balkanisches Highoon im untergegangenen Niemandsland: Jugoslawien. Und schließlich drängt sich noch ein mal die Frage auf - was wird da eigentlich gefeiert. Das Ende der Welt? Ein neuer Anfang? Eine Neue Liebe? Vielleicht. Am ehesten aber ist es die Musik - die neue Platte von Magnifico, die sich selbst feiert und dabei verdammt ansteckend wird.



Autor: Amir Kamber


TitelGrande Finale
LandSlowenien
VertriebTurbolentza 004


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