Freitag, 12.03.2010
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Funkhaus Europa
World Wide Music
Gnaoua Festival 2009
Es ist zwei Uhr morgens und im Kopf scheppert und dröhnt es
gewaltig. Wahrscheinlich werde ich Metall-Kastagnetten und die
Basslaute Guembri mit in meine Träume nehmen...
Ich bin beim Gnaoua Festival in Essaouira (Marokko), wo es an vier
Tagen die Musik der nordafrikanischen Berber in allen
Schattierungen zu hören gibt.
Dauerbeschallung in der Medina, bei angenehmen 29 Grad und einer
konstanten Brise vom Meer - hier ist Surfers Paradise und die Stadt
mit sonst etwa 70 000 Einwohnern vervielfacht an diesem Wochenende
die Bevölkerung.
Man munkelt, letztes Jahr seien es 400 000 Menschen hier gewesen,
wer immer das gezählt haben mag...
Die gesamte Jugen der Küstenregion ist hier: Kids in
Nirvana-Shirts tanzen zu den jahrhundertalten Gnawa-Klängen,
kopftuchtragende, junge Mütter, vereinzelte Kulturtouristen und
Althippies vervollständigen das Bild.
Es ist eine freundliche, laute und drängende Menge auf den Straßen
und niemand ist betrunken oder vulgär.
Gestärkt von Minztee begab ich mich also am Donnerstag zum Eröffnungs-Umzug: Eine karnevaleske Veranstaltung, bei der sich diverse Gruppen schon mal Open Air warm spielten und die Kunst der Maalems (Meister) der heiligen rituellen Gnawa-Musik war in verschiedenen Kombinationen und Sessions bis tief in die Nacht zu erleben.
Dieser Sound dominiert die Stadt. Acht Bühnen sind aufgebaut, etwa sechzig Formationen spielen und die Programm-Kombination mit brasilianischen Combos, Fusion Jazz der alten Schule oder den Öko-HipHoppern von Arrested Development ist da eher Beigabe als zentraler Bestandteil.
Alle freuen sich aber auf den Samstag Abend: Der Höhepunkt und
Publikumsmagnet ist unsere eigene WDR-Big Band, die hier mit ihrem
"Jazz Al'Arab"-Programm auftritt. Ihr Gastpercussionist Rhani Krija
ist in Essaouira geboren.
Der große Coup soll der Auftritt des Königs des Rai, Khaled, sein.
Er ist ein absoluter Held in diesen Breiten und wird einige Songs
mit der Big Band performen.
Sofort habe ich verstanden, was Jimi Hendrix, die Rolling Stones oder Robert Plant an dieser Musik so fasziniert hat: Gnawa kann man als eine Urform des Rock'n'Roll hören - sehr perkussiv, direkt auf die Seele zielend.
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