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Der Persönliche Gast

Rainer Merkel

Reisen in die Krise

Sendung vom 22. Oktober 2012

Sie jetten um die Welt, kämpfen gegen Armut, lindern Not. Jobs bei humanitären Hilfsorganisationen sind heiß begehrt, obwohl die Sicherheit der Mitarbeiter kaum garantiert werden kann. Was motiviert Menschen, sich freiwillig in Krisengebiete zu begeben? In seinem neuen Buch geht der Schriftsteller Rainer Merkel der Frage nach, was das Helfen in Extremsituationen so attraktiv macht.

Rainer Merkel; Privat Bild vergrößern

Rainer Merkel

Für seine Lang-Reportagen, die jetzt unter dem Titel "Das Unglück der anderen" erscheinen, reiste der Berliner in drei vom Krieg verwüstete Länder: In den Kosovo, nach Liberia und in ein Feldlager der Bundeswehr in Afghanistan. Der "Rausch des Helfens", in den manche Mitarbeiter internationaler Hilfsorganisationen geraten, findet sich überall. "Es ist die enorme Intensität der Arbeit mit ihren zahllosen Möglichkeiten, zu gestalten", erklärt Merkel. "Keine bürokratischen und hierarchischen Strukturen engen das Handeln ein, so kann der Sinn der eigenen Arbeit unmittelbar erlebt werden." Ob nun Friedensarbeiter, Traumatherapeut oder Bundeswehrsoldat: Sie alle suchen die Grenzerfahrung. "Gerade durch die Extremsituation erhalten Helfer die Chance immer wieder über sich hinauszuwachsen", so der Autor.


Den Befindlichkeiten der Seele auf der Spur

Cover: Zwei Afrikaner in einem kahlen Raum; einer sitzend, einer liegend; S. Fischer Bild vergrößern

"Das Unglück der anderen"

Merkel weiß, wovon er schreibt. Der 48-Jährige ist nicht nur Schriftsteller, er ist auch Diplom-Psychologe. Geboren 1964 in Köln, arbeitete Rainer Merkel nach seinem Studium in einer Multimedia-Agentur. Seine verschiedenen Arbeitsbereiche spiegeln sich in seinen Büchern wider und auch als Autor ist er eher den Befindlichkeiten der Seele zugewandt. So versucht sich der Protagonist seines Debütromans "Das Jahr der Wunder" in einer jungen, aufstrebenden Agentur. Sein zweites Buch, "Das Gefühl am Morgen", beschreibt den Konflikt zwischen einem narzisstischen Psychiater und seinem Sohn. In "Lichtjahre entfernt" - 2009 für den Deutschen Buchpreis nominiert - lässt Merkel einen Familientherapeuten in Erinnerungsströmen über das Scheitern seiner Beziehung reflektieren.

Vor einigen Jahren ging Merkel nach Liberia und leitete ein Jahr lang für Cap Anamur die einzige psychiatrische Klinik des Landes. Aktuell recherchiert Merkel für ein neues Projekt in Beirut.
(Carmen Sadowski)



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