Donnerstag, 20.06.2013
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Ernst Freiherr von Münchhausen
Sendung vom 16. Oktober 2012
Die ganze Welt ist ihr Arbeitsplatz. Sie dürfen ungestraft falsch parken und tänzeln im feinen Zwirn auf internationalem Parkett. Soweit das Klischee. Diplomaten stellt man sich glitzernd vor. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus, weiß Ernst Freiherr von Münchhausen. Als Botschafter sein Heimatland zu repräsentieren ist hart - und manchmal auch urkomisch. Darüber hat der Berliner Anwalt nun ein Buch geschrieben.
"Diplomatie ist, mit dem Schwein freundlich, aber zielorientiert über die Notwendigkeit eines saftigen Sonntagsbratens zu verhandeln", lacht Ernst Freiherr von Münchhausen. Der Berliner Rechtsanwalt kennt sich bestens aus in der Welt der Diplomatie. Er, ein Nachfahre des legendären Lügenbarons, ist kein Diplomat geworden. Der heute 46-Jährige studierte Jura, war vier Monate als Referendar in der Deutschen Botschaft in Litauen - scheiterte aber beim berüchtigten Auswahlverfahren des Auswärtigen Amtes. "Ich tat dann dasselbe wie mein berühmter Vorfahre: Ich zog mich am eigenen Schopf aus dem Sumpf", lacht Münchhausen. Und so bereitet er nun seit über zehn Jahren junge Menschen auf genau diese Tests vor, die er damals nicht bestand.
Der Kontakt zu ehemaligen Schützlingen, die mittlerweile weltweit im Einsatz sind, reißt nicht ab. "Noch dazu habe ich eine Frau geheiratet, die beim Auswärtigen Amt arbeitete", erzählt der Berliner. So bekommt Münchhausen die spannendsten Geschichten aus fernen Ländern aufgetischt. Die skurrilsten Anekdoten, angereichert mit historischem Material und allerlei Infos rund um den Traumberuf, hat Münchhausen nun in einem Buch versammelt. Unter dem Titel "Wenn wir die Wahrheit sagen, haben wir uns versprochen" erzählt der Autor von diplomatischen Fettnäpfchen, er räumt auf mit dem Mythos vom straffreien Falschparken, verrät, wie viel Diplomaten verdienen und lässt auch die Schattenseiten des diplomatischen Lebens wie Alkoholismus und hohe Scheidungsraten nicht aus. Er berichtet von einer besonderen Spezies Mensch, die stets Haltung bewahrt. Denn: Diplomatie ist die Kunst, jemandem in so netter und charmanter Weise zu sagen, dass er zur Hölle gehen soll, dass sich der Angesprochene sogar auf die Reise freut.
(Carmen Sadowski)
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