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Johannes Kneifel
Sendung vom 21. September 2012
Er war Skinhead, wurde zum Gewalttäter und landete schließlich im Knast. Jetzt studiert Johannes Kneifel Theologie, wird Pastor und engagiert sich gegen Rechts.
Mit 13 wurde er zum Trinker - rechte Musik, Alkoholexzesse und Gewalt prägten seinen Alltag. Johannes Kneifel war 17 Jahre alt, als er im August 1999 mit einem Freund die Haustür von Peter D. in Eschede eintrat. Der 44-Jährige hatte zuvor gegen die rechtsextremistischen Parolen der Skinheads geschimpft und aufgefordert "doch endlich vernünftig zu werden". Jetzt wollten sie dem Mann einen Denkzettel verpassen. Brutal prügeln sie auf ihn ein. Als Nachbarn schließlich die Hilferufe des Opfers hören, ist es zu spät. Am nächsten Tag ist D. tot.
Kneifel wird verhaftet und vom Amtsgericht Celle zu fünf Jahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt. Im Gefängnis gilt er als hochintelligent, aber auch hoch gefährlich, mehrfach muss der junge Mann in Isolationshaft. Doch Kneifel schafft den Absprung - mit der Hilfe von Seelsorgern einer Kirchengemeinde, die im Knast ihre Hilfe anbieten. Die sich um ihn kümmern, obwohl sie wissen, was er getan hat: "Aber die sahen mich trotzdem als Mensch."
Er beginnt sich für Religion zu interessieren, liest die Bibel, den Koran, redet mit Mitgefangenen über spirituelle Themen. Und er freundet sich mit ausländischen Mitgefangenen an. "Mit ihnen musste ich zwangsweise zusammenleben und sie stellten mein bisheriges Weltbild auf den Kopf", erinnert sich Kneifel. "Sie haben mich unterstützt." Knapp vier Jahre hat Kneifel in der Jugendvollzugsanstalt in Hameln abgesessen, ehe er vorzeitig freikam.
Heute studiert der 29-Jährige, nachdem er das Fachabitur bestanden hat, Theologie und ist auf dem Weg, Pastor zu werden. Er weiß: Er kann die Tat weder ungeschehen noch gutmachen. "Diese Tat wird mich mein Leben lang begleiten." Bei der evangelischen Kirche engagiert sich der Aussteiger nun entschieden gegen Rechts und setzt sich für Gewaltprävention ein. Bei Veranstaltungen redet er über das, was er damals von der Neonazi-Szene mitbekommen hat, von seinem Weg zur Kirche, von Glaube, Schuld und Vergebung. "Ich war ein Staatsfeind. Doch die Gesellschaft, gegen die ich mich gewendet habe, gibt mir eine zweite Chance. Dafür bin ich so dankbar und ich möchte auch anderen mitteilen, dass das möglich ist", sagt Kneifel. Über sein Leben hat er ein Buch geschrieben. Es heißt "Vom Saulus zum Paulus - Skinhead, Gewalttäter, Pastor - meine drei Leben" und ist jetzt erschienen.
(Carmen Sadowski)
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