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Der Persönliche Gast

Manuel Bauer

Neonazi-Aussteiger auf Mission gegen Rechts

Sendung vom 11. September 2012

Mit 13 gerät Manuel Bauer in die ostdeutsche Neonazi-Szene. Mit 19 gründet er eine rechtsradikale Gruppe, sprengt mit ihr eine türkische Hochzeit und plant einen Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim. Heute ist er 33 und wird selbst von Neonazis bedroht. Denn er ist ausgestiegen, macht seine Geschichte jetzt in einem Buch öffentlich - und gibt damit auch Einblicke in das Innenleben der braunen Szene.

Manuel Bauer; Foto: Michael Abele Bild vergrößern

Manuel Bauer

Als kleiner Junge in der DDR bewundert Manuel Bauer einen Mitschüler, der sich in fließendem Russisch mit Fremden unterhalten kann. Als Teenager in der neuen BRD bewundert er einen Mitschüler, der plötzlich mit kahl rasiertem Kopf und Bomberjacke auftaucht. Und so ist er bald selbst mittendrin in einer Welt voller Fremdenhass, Alkoholexzesse und brutaler Gewalt gegen Ausländer, Obdachlose und Behinderte. Die oft spontanen Überfälle auf der Straße gehen Manuel Bauer irgendwann nicht mehr weit genug.


Deshalb gründet er eine eigene rechtsradikale Gruppe, die für größeren Terror sorgen soll. Dass ihre grausamen Pläne nicht alle aufgehen, liegt weniger an der Zögerlichkeit der Truppe, sondern daran, dass ihr Kopf Manuel Bauer 2001 nach der Erpressung und schweren Körperverletzung eines schwulen Geschäftsmannes im Gefängnis landet.


Im Gefängnis kommt die Wende

Schon vor seiner Haftzeit hat Manuel Bauer seine heutige Frau kennen gelernt, eine Frau außerhalb der Neonazi-Szene. "Sie hat mir immer gesagt, wie armselig das ganze Gehabe sei", erzählt er. Der Gefängnisaufenthalt reißt ihn dann aus seinem rechtsextremen Paralleluniversum. Er trifft auf Zellenkollegen, mit denen er gemeinsam kocht und über Gott und die Welt reden kann - nur nicht über seine Weltanschauung. "Die meinten nur, ich solle mit dem rechtsradikalen Dummgelaber aufhören und haben mir gezeigt: Es gibt nicht nur diesen Scheiß Rassenwahn."

Ins Grübeln bringt ihn auch eine Prügelei, aus der ihm ausgerechnet zwei Türken heraus helfen - "obwohl sie an meinem Äußeren genau gesehen haben, dass ich Neonazi war." Außerdem kommt im Knast immer wieder ein Mitarbeiter der Aussteiger-Organisation EXIT zu ihm. Der erkundigt sich danach, ob ihn seine Freunde aus der Szene im Gefängnis besuchen oder ihm Briefe schrieben - Fragen, die Manuel Bauer mit Nein beantworten muss und die ihn am vermeintlichen Zusammenhalt seiner "Kameraden" immer mehr zweifeln lassen.


Auf Mission gegen den "braunen Sumpf"

Unter Staatsfeinden: Mein Leben im braunen Sumpf der Neonaziszene; Rechte: Riva Verlag Bild vergrößern

Unter Staatsfeinden: Mein Leben im braunen Sumpf der Neonaziszene

Dass es mit der "Kameradschaft" in der braunen Szene sehr schnell vorbei ist, sobald jemand beginnt, eigenständig zu denken - das ist eine der Botschaften, die Manuel Bauer heute an Schulklassen weitergibt. Denn er ist aus der Neonazi-Szene ausgestiegen und mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit gegangen: für ihn eine Form der "Selbsttherapie", vor allem aber auch ein Signal an die Opfer seiner rechtsradikalen Gewaltexzesse. Jetzt hat er seine Geschichte auch in einem Buch verarbeitet: "Unter Staatsfeinden - Mein Leben im braunen Sumpf der Neonaziszene".


Weil er nicht nur Gelegenheitstäter, sondern auch Drahtzieher einer rechtsradikalen Gruppe war, verfügt Manuel Bauer über eine gute Portion Insiderwissen zur Neonaziszene der 1990er-Jahre, vor allem auch über ihre Verstrickung mit Polizei und Verfassungsschutz - auch davon handelt sein Buch. Das Dreiergespann Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe kannte Manuel Bauer zwar nicht persönlich; die Funktionsweise, die hinter der "Zwickauer Terrorzelle" steckt, kommt ihm aber sehr bekannt vor.

Die Enthüllungen um die "Zwickauer Terrorzelle" haben Manuel Bauer deswegen kaum überrascht - "ich war eher erstaunt, dass die deutsche Öffentlichkeit so erstaunt darüber war", sagt er. Nach wie vor gebe es Gruppen wie die Zwickauer Terrorzelle, "wahnwitzige Typen, die solche Aktionen planen - die haben ja jetzt gesehen, wie man das 'System' schädigen, die Gesellschaft in Angst versetzen kann." Solche Gruppen hält er für tickende Zeitbomben.
(Regina Mennig)



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