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Der Persönliche Gast

Tyron Ricketts

Der Weltenreiter

Sendung vom 06. September 2012

Kinostar, VIVA-Moderator, Rap-Musiker, Künstler gegen Rassismus, TV-Ermittler bei "SOKO Leipzig" - egal, was Tyron Ricketts in den letzten Jahren anpackte, auf der Karriereleiter ging es immer nach oben. Aber Ricketts kann auch loslassen, wenn er das Gefühl hat, dass die Batterien leer sind: im Jahr 2009 ging der in Österreich geborene und in Aachen aufgewachsene Wahlberliner auf Weltreise.

Portrait: Tyron Ricketts vor Surfbrett; Tobias Schult Bild vergrößern

Tyron Ricketts

Einmal richtig aussteigen, die ganze Welt sehen und im eigenen Leben die "Reset"-Taste drücken - davon träumen viele. Tyron Ricketts machte den Traum wahr. Der Allroundkünstler mit österreich-jamaikanischen Wurzeln suchte einen Untermieter für seine Berliner Wohnung, packte seinen Rucksack und kaufte sich ein Ticket, mit dem er einmal um die Welt flog. Er übernachtete in Neuseeland bei schrägen Einsiedlern und schwamm auf den Fidschi-Inseln im offenen Meer mit Haien. "Da habe ich zum ersten Mal gefühlt, was Todesangst ist", erzählt Ricketts.

In Australien absolvierte er ein Meditationsseminar mit Schweigepflicht. "Zehn Tage lang spricht man kein einziges Wort, blickt niemandem in die Augen. Man schaut und horcht nur in sich hinein, versucht seine gewohnten Verhaltensmuster zu erkennen und abzustellen. Man glaubt es nicht, aber mir hat das ein unglaubliches Gefühl der Freiheit gegeben", sagt Ricketts und blickt seinem Gegenüber dabei sehr direkt in die Augen.


Stichwort Freiheit

Wellenreiter von Tyron Ricketts; Tobias Schult Bild vergrößern

Der Wellenreiter von Tyron Ricketts

Ricketts ließ während seiner sechs Monate on the road nicht nur den Terminkalender zuhause, sondern auch ein Thema, das ihn seit seiner Kindheit täglich beschäftigt: seine Hautfarbe. Die Erfahrung, als schwarzer Deutscher aufgewachsen zu sein, die alltägliche Begegnung mit Rassismus und Fremdenfeindlichkeit teilte er mit dem Schauspieler und Kollegen Günther Kaufmann. Nach dem Tod von Günther Kaufmann im Mai 2012 produzierte Ricketts "Neustart", ein emotional starkes Rap-Video, mit Ausschnitten aus einer Soko-Leipzig-Folge, die er 2008 mit Kaufmann in Namibia gedreht hatte.


Kampf gegen Rassismus

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Ricketts engagiert sich seit mehreren Jahren gemeinsam mit Kollegen wie Youssou N'dour und Xavier Naidoo künstlerisch gegen Rassismus und Diskriminierung, unter anderem in dem Projekt "Brothers Keepers". Doch manchmal fühle er sich wie Don Quichotte beim Kampf gegen die Windmühlen. "Mein Rolle als Ermittler bei der Soko Leipzig war ein Fortschritt", sagt Ricketts.

"Aber letztlich werden Afrodeutsche mit dunkler Hautfarbe im deutschen Film- und TV-Business immer noch auf bestimmte Rollen festgeschrieben. Fast jedes Mal, wenn es bei Soko Leipzig um mein Privatleben als Kommissar gehen sollte, schrieben die Drehbuchautoren Geschichten, die auf meine Hautfarbe anspielten. Mal entpuppte sich die hübsche Blonde als Rechtsradikale, mal war es meine Verbindung zu Aids-Waisen in Afrika".


Hollywood calling

Diese Kritik hat Tyron Ricketts allerdings nicht davon abgehalten, in seinem neuesten Film wieder einen Afrikaner zu spielen. "On the Inside - Der Tod kennt keine Namen" von Regisseur Uwe Janson thematisiert den Krieg und die Gewalt im kriegsgeschüttelten Kongo und ist soeben in den Kinos angelaufen und auf DVD erschienen. "Es ist ein toller Film, bei dem ich eine Menge gelernt habe, zum Beispiel über die Rolle Belgiens als Kolonialmacht im Kongo", meint Ricketts.

Für die Zukunft wünscht sich Ricketts, dass er mal etwas ganz anderes machen kann. "Einen richtig guten Liebesfilm zum Beispiel. "Am liebsten mit Scarlett Johansson", erzählt der attraktive Schauspieler augenzwinkernd. In den USA sieht Tyron Ricketts derzeit künstlerisch größere Freiräume für Schauspieler und Künstler mit afrikanischem Hintergrund als in Deutschland. Nachdem ihm sein langjähriger Freund und Mentor Harry Belafonte Mut gemacht hat, will Ricketts jetzt auch in Hollywood sein Glück versuchen und demnächst zwischen Berlin und Kalifornien pendeln. Sein Arbeitsvisum und eine Wohnung in Los Angeles hat er schon.
(Martina Sabra)



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