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Der Persönliche Gast

Mai-Phuong Kollath

Steiler Aufstieg zur Integrations-Expertin

Sendung vom 22. August 2012

Ihr politisches Engagement begann Mai-Phuong Kollath als Reaktion auf die rassistischen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen vor genau 20 Jahren. Heute arbeitet die gebürtige Vietnamesin als interkulturelle Trainerin und berät Spitzenpolitiker, wenn es um Migrations- und Integrationsfragen geht.

Bilder, die nicht aus dem Kopf gehen

Mai-Phuong Kollath; Rechte: Mai-Phuong Kollath Bild vergrößern

Mai-Phuong Kollath

Rauchwolken, kreisende Hubschrauber, Zustände wie im Krieg - direkt vor ihrer Wohnung, und das tagelang. Die Bilder an die Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen vor genau 20 Jahren, gehen Mai-Phuong Kollath bis heute nicht aus dem Kopf. Auch nicht das Rumgegröhle und Rumgebrülle. Schon Tage zuvor war die Stimmung aufgeheizt. Zu dieser Zeit arbeitete Mai-Phuong Kollath im Gartenlokal ihres damaligen deutschen Ehemanns. Dort bekam sie mit, wie Jugendliche herumprahlten, es den Ausländern endlich mal zeigen zu wollen. Am Abend rotteten sich in Mai-Phuong Kollaths Wohnsiedlung etwa 200 Jugendliche zusammen. Angefeuert von 2000 Schaulustigen aus der Nachbarschaft grölten die Jugendlichen rechtsradikale Parolen und warfen Brandsätze auf das sogenannte Sonnenblumenhaus, in dem viele ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter und ihre Familien lebten.


"Schützen kannst du dich nur, in dem du dich engagierst"

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Alleingelassen von Polizei und Feuerwehr, mussten sich die vietnamesischen Bewohner schließlich selbst befreien. Nach Tagen in Todesangst gelang es ihnen, eine Dachluke aufzubrechen und über das Dach den Flammen zu entfliehen. Als Reaktion auf die Anschläge gründeten Vietnamesen und deutsche Unterstützer in Rostock-Lichtenhagen den Verein "Dien Hong". Er diente als Anlaufstelle für die ehemaligen vietnamesischen Vertragsarbeiter - aber auch, um Begegnungen zwischen Vietnamesen und Deutschen in Rostock möglich zu machen. Mai-Phuong Kollath engagierte sich jahrelang als Vorstand im Verein. Denn eins hatte sie nach den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen für sich erkannt: "Schützen kannst du dich nur, indem du dich engagierst, indem du sichtbar wirst und indem du nicht allein bist".

Mai-Phuong Kollath, die vor 30 Jahren als Vertragsarbeiterin in die DDR kam, ist heute Diplom-Pädagogin. Sie arbeitet als interkulturelle Trainerin in Berlin und engagiert sich in Migrantennetzwerken für vietnamesische Zuwanderer in Deutschland. Mindestens 130.000 Vietnamesen leben in Deutschland. Einige kamen als Vertragsarbeiter in den Osten, andere als Bootsflüchtlinge in den Westen. Es gibt die unterschiedlichsten Biografien, betont Mai-Phuong Kollath. Mit ihrer Arbeit will sie beide Gruppen zusammenbringen. Und sie will dazu beitragen, das noch immer verzerrte Bild von Vietnamesen in Deutschland zu verändern.
(Rebecca Roth)



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