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Der Persönliche Gast

Michael Horeni

Vom Spiel mit und ohne Ball

Sendung vom 28. Juni 2012

Warum spielen zwei Halbbrüder in zwei verschiedenen Nationalmannschaften? Warum landet der dritte von ihnen, der bessere Fußballer, im Knast? Warum hat der eine den Ruf eines Ghetto-Kids, während der andere als bestens integriert gilt? Und was sagt das über unsere Gesellschaft aus? Diesen Fragen ist Michael Horeni, Sportjournalist der FAZ, in seinem Buch "Die Brüder Boateng. Drei deutsche Karrieren" nachgegangen.

Michael Horeni; Julia Zimmermann Bild vergrößern

Michael Horeni

Horeni beschreibt, unter welchen Bedingungen die Brüder aufgewachsen sind. Er recherchiert ihre Karrieren, trifft ihre Familienmitglieder und Jugendtrainer und spricht sehr viel, vor allem mit George und Jerome Boateng. Kevin hat, so scheint es, das Vertrauen in die deutschen Journalisten verloren. Sie haben denselben Vater aber verschiedene Mütter. Deshalb wachsen George und Kevin Boateng im sozial schwachen Wedding auf, während ihr Halbbruder Jerome im bürgerlichen Wilmersdorf groß wird. Dazwischen liegen Welten.


George und Kevin gehen nach der Schule auf den Bolzplatz, Jerome in den Hort. Bei den älteren ist die Mutter mit der Erziehung der Kinder überfordert, der jüngste wächst in einer behüteten Umgebung auf. Als Jugendliche spielen alle drei beim führenden Fußballverein Hertha BSC. Dessen Nachwuchsabteilung kommt in Horenis Buch nicht gut weg. Dort war man lange Zeit nur an guten Leistungen der Spieler auf dem Platz interessiert. Die Betreuung abseits des Fußballfeldes schien damals niemanden zu interessieren.


Cover des Buches; Klett-Cotta Bild vergrößern

Die Brüder Boateng

Während George, der älteste und talentierteste Fußballer unter den Brüdern, auf die schiefe Bahn gerät und im Gefängnis landet, werden seine Brüder Profifußballer. Aber auch hier verläuft ihr Weg unterschiedlich: Jerome wird zum Bayernliebling und spielt in der Nationalelf. Für Bad-Boy Kevin dagegen erfüllt sich der Traum vom deutschen Nationalspieler nicht. Bei der WM trifft Kevin im Trikot der ghanaischen Mannschaft auf seinen Bruder Jerome. Eine schwere Situation für beide Brüder, deren Verhältnis ohnehin immer wieder zwischen Nähe und Distanz geprägt ist.

Und dann schreibt Horeni noch über das Sarazzin-Buch und die Nationalhymne-Debatte und verdeutlicht, wie fragil und wechselhaft die öffentliche Meinung sein kann, wenn es um die Integration von Migranten geht. Die Boatengs gehören dazu, genauso wie die anderen Nationalspieler mit Migrationshintergrund. "Die Brüder Boateng. Drei deutsche Biographien" ist ein Buch über Fußball, Integration und Anerkennung, und damit nicht nur für Fußballfans geschrieben.
(Katharina Heinrich)



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