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Trachten aus Globalistan
Sendung vom 16. Oktober 2012
Trachten gelten in unseren Breitengraden nicht gerade als cool. Aber das könnte sich bald ändern, denn die Stylistin Katharina Koppenwallner verkauft in ihrem Laden Trachten aus aller Welt, die nicht nur in Laos oder der Bukowina, sondern auch auf den Straßen Berlins gut aussehen.
Niko Aslanidis im Gespräch mit Katja Weber, Funkhaus-Europa-Reporterin
(16.10.12), 3'50
Rockabillies, Sprayer, Skater, Technofans, Gothics und Hipster - alle finden in Berlin ihren Klamottenladen. Und auch an Haute Couture herrscht kein Mangel. Vielleicht ist dieser schnelllebige Hintergrund für die alten Kleidungsstücke in Katharina Koppenwallners Laden genau richtig. Denn hier gibt es keine Moden, sondern Kleidungsstücke, die über Generationen unverändert getragen wurden. Anfangs hatte die Stylistin sogar selbst vor, ihre Stücke wie Kollektionen anzubieten und dann doch gemerkt, dass der schnelle Wechsel in der Mode-Welt und die Trachtenkleidung einfach nicht zusammenpassen. Jetzt präsentiert sie die traditionelle Kleidung wie Kunst: Sie hängt in einer ehemaligen Galerie, der Raum ist ganz weiß, clean und stylish und von oben strahlt das Neonlicht.
Die Idee zum Laden kam Katharina Koppenwallner, als sie 2009 unbedingt eine rumänische Folklorebluse haben wollte, mit bunten Stickereien am Ausschnitt und auf den Ärmeln. Da die in Deutschland nicht aufzutreiben war, fuhr sie auf eigene Faust in die Bukowina. Und nachdem die eigene Bluse aus festem Leinen, mit rundem Halsausschnitt, ganz weiten Ärmeln und bunten Stickereien gefunden war, begann sie mit dem Verkauf solcher Blusen übers Internet. Nun gibt es den Laden auch offline.
Die meisten Kleidungsstücke in ihrem Laden stammen von Minderheiten, denn die, sagt Koppenwalllner, behalten ihre traditionelle Kleidung länger als die Mehrheitsgesellschaft rundherum. Und so findet man auf ihren Kleiderbügeln auch Trachtenjacken einer ungarischen Minderheit in Rumänien: dunkelblaue Wolljacken, dick gefüttert und sehr aufwändig verziert, mit Stoffrosetten aus Satinstoff, die dann noch mit schwarzen Glasperlen umstickt wurden. Dieses Dekor kam Koppenwallner dann irgendwie bekannt vor: "Das Muster von außen auf der Jacke hab ich schon mal 1:1 bei einer Prada-Jacke gesehen, die das nachgemacht haben." Offenbar warten auch die teuersten Designer nicht nur auf gute Ideen, sondern fahren in die Welt und gucken sie sich anderswo ab.
Im "International Wardrobe Store" hängen auch viele, oft rosa, gelb und grün verzierte Kleidungsstücke aus Südostasien. Kleidung wie diese erzählt viel über die Kultur, aus der sie stammt. Wie zum Beispiel eine Kinderjacke der Minderheit der Hani aus Südchina. Die Jacke besteht aus sechsmal derselben indigoblauen Jacke, übereinander genäht. "Das ist die Jacke eines Kindes mit sehr reichen Eltern. Und je reicher die Eltern sind, umso mehr Lagen darf das Kind tragen und umso weniger wird es frieren", erklärt Koppenwallner.
Die mit Geschichte aufgeladene, in Handarbeit hergestellte, traditionelle Kleidung kostet viel Geld. Die Preise gehen bei den Blusen aus der Bukowina bei 140 € los und hören bei anderen Kleidungsstücken bei 450 € noch nicht auf. Der Kunde zahlt die Recherche- und Reisekosten mit. Viele der Kunden seien wie Sammler: "Trachten sind Liebhaberstücke. Das sind Frauen, die sagen, ich will jetzt einmal so eine Bluse haben, die soll dann für immer in meinem Schrank sein und das soll auch ein gutes Stück sein. Das ist außerhalb von Mode, aber es ist trotzdem Mode." Mode aus Globalistan, könnte man sagen. Oder vielleicht: Textilkunst zum Tragen.
(Katja Weber)
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