Freitag, 24.05.2013
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Funkhaus Europa
Themen
Zum Weiterziehen verdammt
Sendung vom 31. Oktober 2012
In Frankreich werden Lager von Sinti und Roma mit Gewalt aufgelöst, in Deutschland will man mit einem politischen Kunstgriff erreichen, dass diese Bevölkerungsgruppen erst gar nicht ins Land kommen. Bei Funkhaus Europa prangert eine EU-Abgeordnete das als "autoritäres Getöse" an. Und ein Roma-Familienvater erzählt vom Teufelskreis, in dem ihn sein prekärer Aufenthaltsstatus gefangen hält.
Beitrag von Ursula Duplantier
(31.10.12), 3'41
Schon oft bekam Ciprian Radü diesen Satz zu hören: "Wenn Sie eine längere Aufenthaltsgenehmigung haben, können Sie morgen hier anfangen zu arbeiten." Der 30-jährige Familienvater hat in Frankreich eine Lehre zum Landschaftsgärtner gemacht und versucht seit Jahren, in dem Land Fuß zu fassen, ein Leben zu führen wie alle anderen Franzosen. Doch die französischen Behörden erteilen ihm immer nur ein dreimonatiges Bleiberecht, und damit bleibt ihm die Chance auf eine dauerhafte Arbeitsstelle versperrt.
Juri Rescheto im Gespräch mit Barbara Lochbihler, Abgeordnete im EU-Parlament
(31.10.12), 3'15
Für Bürger aus Rumänien und Bulgarien, wo die meisten Roma wie Ciprian Radü herkommen, gilt die Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union nur mit Einschränkung. Dahinter steht eine Ausnahmeregelung für die jüngeren EU-Beitrittsländer. So hält Ciprian sich und seine Familie mit dem Verkauf von Altmetall über Wasser. Und packt alle paar Monate seine Zelte und die wenigen Habseligkeiten zusammen, um weiter zu ziehen - wenn die Stadt oder der Eigentümer des besetzten Geländes wieder einmal erfolgreich gegen ihn geklagt haben.
"Roma aus EU-Ländern sind EU-Bürger wie wir auch, und deshalb ist es viel autoritäres Getöse, wenn Frankreich Roma aus Rumänien und Bulgarien wieder zurückschiebt", sagt die EU-Parlamentarierin Barbara Lochbihler im Interview bei Funkhaus Europa. Die grüne Politikerin ist Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses des Europaparlaments und kann derzeit kein EU-Land ausmachen, das mit der größten europäischen Minderheit vorbildlich umgeht. "Viele der Maßnahmen gegenüber den Roma sind geprägt durch einen starken Rassismus - das heißt, dass man sie abwertet, in der Art, wie sie leben", so ihre Beobachtung. Diesen Rassismus zu reflektieren, das ist für Barbara Lochbihler der Anfang, um an der Situation der Sinti und Roma dauerhaft etwas zu verbessern.
(Ursula Duplantier/Regina Mennig)
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