Mittwoch, 22.05.2013
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Islam auf dem Stundenplan
Sendung vom 22. August 2012
Für 2500 muslimische Kinder in Nordrhein-Westfalen steht im neuen Schuljahr neben Mathe oder Deutsch auch islamischer Religionsunterricht auf dem Stundenplan. NRW ist das erste Bundesland, das dieses Schulfach einführt - und Ridwan Bauknecht aus Bonn ist einer der ersten Lehrer, der es unterrichtet. Im Interview mit Funkhaus Europa erzählt er, wie der Islamunterricht aussieht, und wie er bei den Eltern ankommt.
Am ersten Schultag nach den Sommerferien lassen viele Lehrer ihre Schüler erst einmal von der schulfreien Zeit berichten. Auch Ridwan Bauknecht von der Grundschule in Bonn-Bad Godesberg macht das so. Doch er will von den Kindern etwas Besonderes wissen: "Wie habt ihr denn den Ramadan erlebt?" Ridwan Bauknecht ist einer von 40 Lehrern, die ein neues, deutschlandweit bislang einmaliges Fach geben: islamischen Religionsunterricht.
Evren Sekerci im Gespräch mit Ridwan Bauknecht. Lehrer (22.08.12), 4'30
Gänzliche Pionierarbeit muss er dabei zwar nicht leisten. Denn in Nordrhein-Westfalen hat der Islam bereits im Schuljahr 1999/2000 Einzug ins Klassenzimmer gehalten - mit dem Fach "Islamkunde in deutscher Sprache", Ridwan Bauknecht unterrichtet es seit acht Jahren. Während es bei der "Islamkunde" eher um die kulturellen Facetten des Glaubens ging, soll der neue islamische Religionsunterricht jedoch ein bekenntnisorientiertes Fach sein.
Islam auf dem Stundenplan - nach Ridwan Bauknechts bisheriger Erfahrung ist das "ein reiner Gewinn." Im Interview mit Funkhaus Europa berichtet der Lehrer: "Die muslimischen Eltern spüren eine Anerkennung, sie gehen lieber an die Schule und auch öfters mal zum Elternabend." An den 44 Grundschulen in NRW, die den islamischen Religionsunterricht anbieten, haben sich 3200 muslimische Kinder für das neue Fach angemeldet. Insgesamt gibt es in NRW 320.000 Schüler muslimischen Glaubens - und damit künftig mehr von ihnen die Möglichkeit zu einem eigenen Religionsunterricht bekommen, gibt es auch an den Universitäten neue Angebote: In Osnabrück und Münster wurden nach Angaben des Schulministeriums 130 Studienplätze geschaffen, um Fachlehrer auszubilden.
Einen festen Lehrplan für den islamischen Religionsunterricht gibt es noch nicht, und auch an anderer Stelle steht noch Arbeit an: Bis 2019 soll der Beirat aus Islam-Experten, der über die Gestaltung des Unterrichts entscheidet, durch eine feste Vertretung der Muslime ersetzt werden. Bislang haben sie in Deutschland keine offizielle legitimierte islamische Religionsgemeinschaft. Dazu gab NRW-Bildungsministerin Silvia Löhrmann im Interview mit Funkhaus Europa die vage Losung aus: "Es wird Aufgabe der Staatskanzlei sein, mit den muslimischen Verbänden über die Anerkennung als Religionsgemeinschaft weiter zu verhandeln."
(Regina Mennig/dpa)
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