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Thema

"This ain't California"

Gefühlte Wahrheit?

Sendung vom 09. August 2012

Ein Skaterfilm lässt die bis jetzt eher unbekannte Grass-Roots-Szene der DDR-Rollbrettfahrer wieder aufleben. Es ist ein bemerkenswertes Werk, das unter die Haut geht, aber eine grundlegende Frage aufwirft: Wie falsch darf ein Dokumentarfilm sein?

Unsere Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
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Siham El-Maimouni im Gespräch mit dem Regisseur Marten Persiel und dem Produzenten Ronald Vietz (09.08.12), 10'23


DDR und Skateboards - das passt irgendwie nicht zusammen. Aber es gab sie, die "Außerirdischen vom Alexanderplatz", die mit selbstgebauten Boards Passanten und Staatssicherheit verunsichert haben. Skaten: Das bedeutete Freiheit in einem System, das Leistungssport zur kontrollierten Chefsache gemacht hatte.

Der Film "This ain't California" erzählt die Geschichte der DDR-Rollbrettfahrer. Poppige Bilder unterlegt mit fettem 80er-Jahre Soundtrack mischen sich mit Zeichentrickszenen und nachgedrehten Aufnahmen im historischen Look. Wer aus dem Kino geht, ist berührt. Und vielleicht sogar etwas verliebt in DDR-Skaterikone Denis "Panik" Paracek. Nach seiner Skater-Ära ging Denis zur Bundeswehr und starb in Afghanistan. Der Film endet mit der Widmung "Für Panik 1970-2011".


Kai Hillebrand alias Denis "Panik" Paracek; Rechte: farbfilm Verleih Bild vergrößern

Kai Hillebrand alias Denis "Panik" Paracek

Das Problem: Denis Paracek hat die DDR nie erlebt. In Wirklichkeit heißt er Kai Hillebrand, ist Schauspieler und 1990 in Ratingen bei Düsseldorf geboren. Der Film erzählt eine Geschichte, die es nie gegeben hat. Zum erfundenen Denis reihen sich nachgedrehte Super-8-Aufnahmen, Zeitzeugen, die in Wirklichkeit Schauspieler sind, ein gefakter DDR-Nachrichtensprecher, eine erfundene Beerdigung, eine ausgedachte Liebesgeschichte.

Die Deutsche Film- und Medienbewertung in Wiesbaden hat das Werk als Dokumentarfilm eingeordnet und ihm das Prädikat "besonders wertvoll" gegeben. Auf dem Independent Filmfestival in Cannes hat "This ain't California" den Preis in der Kategorie "Bester Dokumentarfilm" gewonnen.


Wo ist der Dokumentarwert, wenn eigentlich alles erfunden ist?

Regisseur Marten Persiel und Produzent Ronald Vietz sagen, sie wollten einen Film, der den Bauch, nicht den Kopf anspricht. Ohne Zweifel ist ihnen dies gelungen. "Genauso haben wir uns gefühlt", sagten echte DDR-Skater nach der Premiere in Berlin.

Auch West-Skatlegende Claus Grabke sieht Parallelen zur aufkeimenden Szene in der Bundesrepublik Mitte der Siebziger:


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O-Ton Claus Grabke, Skateboardlegende

(10.08.12), 0'30

"Wir waren ja auch nicht Kalifornien! Ich wollte damals zweifarbige Shorts haben, wie die Amerikaner. Da hab ich mir zwei Tennishosen gekauft, die mir meine Oma so funky umgenäht hat, dass sie aussahen wie in den US-Magazinen. Es ist nicht so, dass im Westen alles Gold war, was geglänzt hat. Wir haben das genauso durchgemacht, ohne die politische Komponente. Dieses Grundgefühl des Films werden insbesondere Leute aus der ersten Skatergeneration wiedererkennen."

Trotzdem: Es wäre ein Leichtes gewesen, die Verwirrung klarzustellen. Am Ende des Films hätten im Abspann die Namen der Schauspieler und ihre Rollen stehen können. So bleibt die Frage: Warum wollen die Macher uns weiterhin versichern, Denis Paracek habe es tatsächlich gegeben? Für das mulmige Gefühl, liebevoll manipuliert worden zu sein?
(Ole Skambraks)





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