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Wohnen, leben, mitbestimmen

Hotel Mama forever?

Junge Griechen auf Wohnungssuche

Sendung vom 19. Juli 2012

Hierzulande gilt es als normal, als junger Erwachsener in die eigenen vier Wände zu ziehen. Doch andere Länder, andere Sitten: Schon vor der Krise haben viele junge Griechen noch mit 30 bei den Eltern gelebt. Neu ist allerdings, dass auch die, die dem "Hotel Mama" entfliehen wollten, häufig keine andere Wahl haben - zumindest, wenn sie in der Großstadt bleiben wollen.

Foto-Stilleben einer Wohnung; Rechte: dpa


"Ich kann nicht über mein eigenes Leben entscheiden"

"Lyda ist eine hübsche junge Frau mit langem lockigem Haar. Sie hat alles, was man sich nur wünschen kann: Eine feste Arbeitsstelle als Architektin, nette Arbeitskollegen, einen lieben Freund. Nur eins fehlt ihr zum Glücklichsein: Geld! Denn mit ihrem Vollzeitjob verdient sie gerade einmal 500 Euro - für eine Stadt wie Athen viel zu wenig.

"Wir verdienen so wenig, dass es unmöglich ist, von zuhause auszuziehen. Ich habe die 30 erreicht und ich kann nicht einmal über mein eigenes Leben entscheiden! Und das ist bei den meisten meiner Freunde so: Wir sind alle um die 30 und wir wohnen alle noch zuhause."


Die Themenwoche

Am liebsten würde Lyda mit ihrem Freund zusammenziehen, doch dann würde das gesamte Einkommen des Pärchens für Miete, Strom- und Wasserrechnungen draufgehen.

"Vielleicht machen wir das irgendwann! Aber im Moment trauen wir uns nicht. Wir wissen, dass es sehr schwierig sein wird!"


Wer nicht verheiratet ist, wohnt mit den Eltern

So wie Lyda denken die meisten jungen Griechen: Sie wagen den Schritt in die Selbstständigkeit nicht und bleiben im "Hotel Mama": Nicht nur aus Bequemlichkeit, sondern weil sie wissen, dass sie alleine nicht über die Runden kommen würden. Die Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt tut ihr Übriges.

"Wenn einer von uns seine Arbeit verliert, dann werden wir wieder zu unseren Eltern ziehen", sagen Michalis und Anthi, ein Pärchen, das vor kurzem zusammengezogen ist. "Anders geht es leider nicht."


Alternative: Ab in die Provinz!

Diejenigen, die sich mit dieser Situation nicht abfinden wollen, suchen nach Alternativen in der griechischen Provinz: Junge Athener kehren der Perspektivlosigkeit und dem tristen Alltag in der Hauptstadt den Rücken und kehren ins Dorf der Großeltern zurück oder ziehen in einen Ort, den sie im Urlaub kennen- und lieben gelernt haben. So auch Kostis, der nun als Biobauer im Pilion-Gebirge lebt und vorhat, seine Produkte bald ins Ausland zu exportieren:

"Das ist der Markt der Zukunft! So wie ich bilden sich immer mehr junge Griechen zum Biobauer um und bauen Bio-Obst oder -Gemüse an oder züchten Schnecken!"


Preiswertes Wohnen und weniger Ausgaben

Diesen Trend bestätigt auch Spyros Zacharis, der Bürgermeister von Ädipsos auf der zweitgrößten griechischen Insel Euböa:

"Viele junge Leute kehren jetzt zurück und beschäftigen sich hier mit der Landwirtschaft oder mit dem Tourismus. Denn hier hat das Geld viel mehr wert: Mit 500 Euro kann man viel besser leben als in Athen".

Schließlich könne man in der Provinz viel preiswerter wohnen - sogar 150 bis 200 Euro würden vielerorts für eine kleine Wohnung reichen. Und auch andere Ausgaben, zum Beispiel hohe Benzinkosten, würden in solchen Orten entfallen. Schließlich könne man in den Dörfern auch zu Fuß von A nach B. "Lange Autofahrten wie in Athen gibt es hier nicht!", sagt der Bürgermeister.


"Sie bringen frischen Wind in unsere Dörfer!"

Spyros Zacharis sieht die Rückkehr der Jugend als Chance für seine Region. Denn mit ihnen blühen die fast ausgestorbenen Dörfer auf den Bergen Euböas wieder auf. Die jungen Leute restaurieren die alten Häuser und geben somit den Dörfern ihren malerischen Charakter zurück:

"Wir hoffen jetzt, dass die Neuankömmlinge hier ihre Familien gründen. Dann könnten wir endlich auch die Schulen in den Dörfern wieder öffnen, die wir schließen mussten, weil es keine Schulkinder mehr gab".

Und Spyros Zacharis freut sich über die frischen Ideen der ehemaligen Stadtmenschen:

"Sie haben eine ganz andere Denkweise, andere Erfahrungen und einen breiteren Horizont als Leute, die nie das Dorf verlassen haben. Sie bringen frischen Wind in unsere Dörfer und haben Lust zu arbeiten. Wir müssen uns jetzt bemühen, sie auch nach der Krise hier zu behalten!"
(Rodothea Seralidou)





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