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Thema

Wahre Superhelden

Es gibt sie!

Sendung vom 25. Juni 2012

Superman, Spiderman, Batman - die kennen wir alle aus Comics, Verfilmungen oder Serien. Normale Leute, die geheime Superkräfte haben und dann in aufwändigen Kostümen die Welt retten. Die gibt's aber nicht nur in der Popkultur - die gibt es wirklich!

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Niko Aslanidis im Gespräch mit Jörn Behr, Funkhaus Europa-Reporter

(25.06.12), 4'43


Zoltan Kohari wohnt in einer slowakischen Kleinstadt. Er ist arbeitslos und hat deshalb viel Zeit, wie er selbst sagt. Die nutzt er, um in seiner Nachbarschaft für Ordnung zu sorgen. Er trägt Einkäufe nach Hause, hilft Menschen über die Straße oder hebt im Park den Müll auf. So weit, so lobenswert. Doch Kohari ist dann nicht Kohari. Er schlüpft in ein bekanntes Kostüm mit Maske und sagt: "Ich will, dass es hier gerechter ist, dass Ordnung herrscht. Deshalb bin ich Batman. Ich will zeigen, dass wir für unser Land auch etwas tun müssen. Dass es nicht geht mit der Einstellung ‚Nach uns die Sintflut‘".


Menschen wie Kohari gibt es weltweit: Wahre Superhelden in entsprechenden, meist selbstgebastelten Kostümen. Manche sind beliebt in ihrer slowakischen Nachbarschaft, andere sind kleine Volkshelden. So wie "Superbarrio" in Mexiko-Stadt. Seit den 80er-Jahren setzt sich der übergewichtige Straßenverkäufer in engem roten Wrestlerkostüm für die sozial Schwächeren ein. 1996 hat er sich quasi selbst als amerikanischen Präsidentschaftskandidaten aufgestellt und dafür auf beiden Seiten der Ländergrenze Fake-Kundgebungen organisiert, um auf die dortige Drogen- und Flüchtlingspolitik aufmerksam zu machen.


Augen auf!

Wahre Superhelden haben natürlich keine Superkräfte. "Mr. Xtreme" aus San Diego sagt: "Gute Dinge zu tun - das macht dich zu einem Superhelden. Ein Kostüm macht aus dir keinen Superhelden. Es geht um dein Herz und um die Dinge, die du tust." Er selbst hat dafür sogar seine Wohnung aufgegeben und lebt jetzt in einem Transporter, um mobiler zu sein, aber auch aus Angst vor Feinden, sagt er. Die dürften sich die meisten wahren Superhelden allerdings kaum machen.

Zwar patrouillieren viele in gefährlichen Gegenden. Oft geht es ihnen aber um Bedürftige. So bekommen Obdachlose eine Flasche Wasser, eine Rolle Klopapier oder einfach mal ein Gespräch. Comicsuperhelden führen einen Kampf gegen böse Weltherrscher mit Laserkanonen, wahre Superhelden kämpfen gegen das Wegsehen. "Dark Guardian" beispielsweise verscheucht in New York Drogendealer aus einem Park.


Superheld Zimmer; reallifesuperheroes.com/Robert Russell Bild vergrößern

Zimmer

Immer wieder spricht er sie laut an, lässt seinen unkostümierten Begleiter an der Kamera mitfilmen und droht mit Anrufen bei der Polizei. Die steht den wahren Superhelden zwiespältig gegenüber. Zivilcourage wird überall gern gesehen, aber längst nicht jeder wahre Superheld ist ausgebildeter Kampfsportler wie "Dark Guardian" und könnte sich im Notfall wehren. Wenn sich wahre Superhelden selbst als Hüter von Recht und Ordnung sehen, kann es gefährlich werden.

Während sich einige in Gruppen zusammentun, um gemeinsam Obdachlosen zu helfen, hecken andere in Gruppen gefährliche Pläne gegen Kriminelle aus. Superheld "Zimmer" zum Beispiel läuft nachts extra auffällig gekleidet durch bestimmte Viertel in New York - mit einem besonderen Plan: "Offen schwul zu sein, ist mir sehr wichtig. Ich bin als Superheld deshalb nie mit Maske unterwegs. Das wäre ja auch, wie sich zu verstecken. Stattdessen kleide ich mich extra typisch schwul. Damit wollen wir homophobe Leute anlocken und kriminelle Aktionen provozieren." Seine Superheldenkollegen sind per Funk miteinander verbunden und folgen ihm dabei unauffällig. Sie wollen dann mögliche Überfälle auf "Zimmer" verhindern und die Täter der Polizei übergeben.


Spaß oder Vergangenheitsbewältigung

Jeder wahre Superheld hat seine eigenen Motive. Der sympathische Glatzkopf "Superhero" beispielsweise, mit hautengem Latexanzug und schnellem Auto in Orlando in Florida unterwegs, gibt offen zu: "Ich habe mich immer gefragt, warum ich das mache. Erst dachte ich, wegen der guten Sache. Aber irgendwann habe ich aufgehört, mich selbst zu belügen, und habe mir gesagt: Es macht einfach unglaublichen Spaß!"

Andere haben ernsthaftere Beweggründe. Sein Mitstreiter und Gründer der gemeinsamen Superheldengruppe Team Justice, der exzentrische "Master Legend", verarbeitet damit ein Kindheitstrauma: "Ich musste in einem Ring gegen Leute kämpfen. Wenn ich nicht gewonnen habe, gab es kein Abendessen und ich wurde über Nacht im Schrank eingesperrt. Aber später hat mich meine Großmutter gelehrt: Auch wenn ich von Menschen mit Hass großgezogen wurde, soll ich meine Kräfte für das Gute einsetzen. Und das tue ich."

Im Netz kann man sich selbst als wahrer Superheld registrieren lassen. Alle Kandidaten werden geprüft und können am Ende mit Foto, Fähigkeiten, Einsatzgebieten und Ansichten dort auftauchen. Die meisten wahren Superhelden sind in den USA unterwegs, wo die Comics mit den berühmten Vorbildern die längste und beständigste Tradition haben. Doch mittlerweile gibt es sie weltweit: Einfach Menschen, die die Welt ein bisschen besser machen wollen. Sie sind wahre Superhelden.
(Jörn Behr)





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