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Die schwarze Venus vor der Sonne
Sendung vom 05. Juni 2012
Am Mittwochmorgen wird sich die Venus auf eine Linie zwischen die Erde und die Sonne schieben. Auch in Deutschland ist das Phänomen mit bloßem Auge zu erkennen - allerdings abhängig davon, wo man sich befindet. Und wer die Möglichkeit hat, das Spektakel zu beobachten, sollte sie unbedingt nutzen. Wir sagen Ihnen, was Sie dabei beachten müssen.
Juri Rescheto im Gespräch mit Diana Zulfogahri, Funkhaus Europa-Reporterin
(05.06.12), 4'16
Von einem Venustransit spricht man, wenn der Planet Venus von der Erde aus gesehen über die Sonnenscheibe wandert. Man sieht einen kleinen schwarzen Punkt, der über die große Sonnenscheibe wandert. Das Ereignis findet in regelmäßigen Abständen von 8, 105.5, 8, und 121.5 Jahren statt, also wesentlich seltener als eine totale Sonnen- oder Mondfinsternis (alle 18 bzw. 17 Monate).
Der Planet Venus ist näher an der Sonne als die Erde, ein Umlauf der Venus um die Sonne dauert 224 Tage. Da die Erde sich in dieser Zeit natürlich auch auf ihrer Bahn weiterbewegt, vergehen aber jeweils 584 Tage, bis die Venus die Erde wieder einmal überholt, was nichts anderes bedeutet, als dass sie zwischen Sonne und Erde hindurchzieht. Von der Erde aus gesehen, "taucht" die Venus aber meistens unter-oder oberhalb der Sonne durch.
Sichtbare Venustransits können nur in den Tagen um den 7. Juni und um den 8. Dezember stattfinden, weil die Venusbahnknoten zu den genannten Daten von der Erde aus gesehen vor der Sonnenscheibe stehen. Der nächste Venustransit am 11. Dezember 2117 wird von der Erde aus gar nicht zu beobachten sein, am 8. Dezember 2125 wird der Anfang zu sehen sein - bis dahin lebt aber keiner mehr von uns! Es lohnt sich also am Mittwoch früh aufzustehen.
Am besten natürlich bei gutem Wetter - wenn der Himmel so bewölkt ist, dass man die Sonne gar nicht sieht, nutzt auch das frühe Aufstehen nichts. Ganz wichtig ist ein Platz mit freiem Blick zum Horizont, Richtung Nordost. Im Gebirge ist es schwer einen solchen Platz zu finden, auf einer Insel sollte es ziemlich leicht sein, in ländlichen Regionen mit schwacher Bebauung kann das Küchenfenster tatsächlich der beste Sichtposten sein!
Wer seinem Smartphone alles anvertraut, kann in der App "Venustransit" schon mal die Beobachtungszeiten für seinen Heimatort nachschlagen. Im Simulationsmodus kann er üben, den Zeitpunkt für den Ein- oder Austritt zu bestimmen. Wenn es dann losgeht, müssen schließlich alle Handgriffe sitzen. Für alle anderen reicht ein Kompass und ein Wecker zur Vorbereitung.
Berlin 4:46 Uhr, in Bremen 5:01 Uhr, für NRW (Ruhrgebiet, Düsseldorf & Köln) 5.16 - 5.19 Uhr. Überall ist das Schauspiel um 6:55 Uhr beendet.
Wer von der letzten totalen Sonnenfinsternis noch seine Pappbrille mit Silberfolie hat, ist bestens ausgerüstet - die Venus ist groß genug, um sie mit bloßem Auge vor der Sonne zu erkennen. Ein Teleskop ist nicht nötig.
Eine Schutzbrille oder eine Sonnenfilterfolie ist unerlässlich - nie mit bloßem Auge in die Sonne blicken, schon gar nicht durch ein Fernglas oder Teleobjektiv - das kann sofort zum Erblinden führen!
Wer durch die Kamera oder ein Fernglas gucken möchte, sollte es mit Sonnenfilterfolie (OD 5.0) präparieren, d.h. abkleben. Die Folie bekommt man im guten Fotofachgeschäft oder beim Optiker, wenn der z.B. auch Teleskope verkauft. Ein Bogen in DinA4 Größe kostet ca. 20-24 Euro. Wenn man ihn sorgsam behandelt, kann man die Folie immer wieder verwenden. Eine mit Ruß geschwärzte Glasscheibe ist übrigens kein ausreichender Schutz!
Wer keine eigene Ausrüstung besorgen möchte, findet in der Nähe bestimmt eine Sternwarte oder einen astronomischen Verein, der eine Beobachtung mit Teleskopen durchführt - mancherorts sogar mit anschließendem Frühstück. In Berlin öffnet die Wilhelm-Foerster-Sternwarte (am Insulaner) am Mittwoch um 5:30 Uhr, in NRW gibt es Einführungen und Beobachtungen an der Volkssternwarte Hagen, in Solingen, Mönchengladbach, Bonn und auch am Gutenberg-Gymnasium in Bergheim - nur die Bremer haben Pech und müssen nach Hamburg fahren.
Eine andere Möglichkeit ist der Blick ins Internet - amerikanische Hobbyastronomen stellen ihre Beobachtungen live ab Mitternacht ins Internet. Besonders gute Sicht gibt es auf Hawaii, aber auch in Australien und in Nordschweden, wo die Sonne um die Jahreszeit fast nicht mehr untergeht.
(Diana Zulfoghari)
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