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40 Jahre Atari
Sendung vom 27. Juni 2012
Ohne sie wäre die Videospiel-Welt heute eine andere - wenn es sie denn gäbe: Nolan Bushnell und Ted Dabney. Heute vor 40 Jahren, am 27. Juni 1972, gründeten sie eine Ikone der Spielegeschichte: Atari.
Vivian Perkovic im Gespräch mit Tobias Plutat, Funkhaus Europa-Reporter
(27.06.12), 3'55
Dabei sah es zu Beginn so aus, als käme die Revolution erst gar nicht aus den Kinderschuhen: Jedenfalls war die Chef-Etage des damaligen Spielautomaten-Giganten Midway wenig beeindruckt, als Bushnell ihnen den ersten Prototypen von "Pong" zeigte. Wie falsch sie damals lagen, zeigte schon der erste Testlauf im September 1972: Um die Erfolgschancen des neuen Automaten zu testen, hatte Atari den Prototypen in einer Bar in Kalifornien aufgestellt. Doch es gab Probleme mit dem Gerät - offenbar war es defekt. Als der Atari-Ingenieur Al Alcorn in der Bar ankam, stellte er fest: Der Grund für den Defekt war kein katastrophaler Konstruktionsfehler, vielmehr war "Pong" bei den Gästen der Bar so ein durchschlagender Erfolg, dass der Münzbehälter übergelaufen war und einen Kurzschluss verursacht hatte.
In der Folge sollte "Pong" die Automatenlandschaft revolutionieren - mit nur einem einzigen Spiel hatte das kleine, von den Größen der Branche belächelte Start-Up die Welt der Spielautomaten revolutioniert. Fast wäre es aber bei diesem Anfangserfolg geblieben: Geblendet vom schnellen Erfolg expandierte Atari 1973 nach Japan - ein naives Abenteuer in ein Land, in dem es ausländische Firmen traditionell schwer hatten. In letzter Sekunde verhinderte Bushnell die komplette Pleite seiner Firma - nur dank einiger Geschäftstricks und einer erfolgreichen "Pong"-Heimkonsole (die damals nur dieses eine Spiel beherrschte) überlebte Atari.
Ein Glück, denn die Kalifornier sollten 1979 ein weiteres Mal die Spiele-Welt revolutionieren: Mit dem Atari VCS (später umbenannt in Atari VS 2600), dem ersten kommerziell erfolgreichen Videospiele-System, auf dem beliebig viele Spiele gespielt werden konnten. 30 Millionen Stück der 2600 wurden bis zur Einstellung 1992 verkauft - damals ein phänomenaler Erfolg. Doch der kam nicht über Nacht. In den ersten Jahren verkaufte sich die 2600 nur schleppend - in erster Linie, weil die Öffentlichkeit das Potenzial einer universell einsetzbaren Spielkonsole nicht sah. Das änderte sich mit den Jahren - auch, weil die Spieleprogrammierer lernten, Spektakuläres aus der Konsole herauszuholen: Star Wars Arcade war etwa 1983 das erste Spiel mit Sprachausgabe.
Aber mit der Einstellung der 2600 war noch nicht Schluss mit solchen Leistungen - denn Ataris-Klassiker ist weltweit bei einer kleinen, aber sehr aktiven Szene immer noch beliebt: Den Homebrew-Programmierern. Die entwickeln auch heute noch Spiele für die alte Hardware - zum Teil aus Nostalgie, vor allem aber, weil das Programmieren für Ataris Konsole eine einmalige Herausforderung darstellt. Zum einen ist die Hardware äußerst beschränkt - um ein lauffähiges Spiel zu programmieren, sind zahlreiche Kniffe erforderlich, zum anderen benötigen die Atari-2600-Programmierer Kenntnisse, die sehr speziell sind: Sie müssen genau wissen, wie die Prozessoren der Konsole funktionieren und auf praktisch alle Hilfsmittel verzichten, die in den Jahrzehnten nach der Veröffentlichung des Atari 2600 das Programmieren erleichtert haben.
Das Ergebnis ist eine schillernde Vielfalt: Neben einfachen Portierungen von Spielen, die eigentlich für andere Geräte entwickelt wurden, erschaffen die Homebrew-Programmierer komplett neue Spiele - wie etwa "Oystron", ein klassisches Actionspiel, in dem Spieler gegen Austern aus dem Weltall kämpfen, oder "SCSIside", in dem man als Lesekopf einer Festplatte Datenbits fangen muss. Daneben haben sich in den letzten Jahren nicht nur in der Atari-Homebrew-Szene sogenannte De-Makes etabliert - Umsetzungen moderner Spiele wie dem Rätsel-Hit "Portal" auf die Verhältnisse der 8-Bit-Konsole.
Um das alles spielen zu können, braucht es im Übrigen keine Original-Konsolen, denn für fast alle Spiele-Plattformen gibt es Atari-Spielesammlungen auf dem Markt - unter anderem auch fürs iPad. Die Homebrew-Kreationen sind sogar kostenlos und legal im Netz zu bekommen - gespielt wird dann auf mit Hilfe eines Emulators, der dem Spiel vorgaukelt, der PC sei ein Atari 2600. Das Erbe bleibt also lebendig - auch wenn Atari längst keine Konsolen mehr produziert: In ihrer letzten Form ging die Firma 1998 pleite. Wenigstens der Name bleibt uns erhalten: Die Rechte an der Marke Atari kaufte 2001 ein französischer Spiele-Publisher aus der Konkursmasse und firmiert seit 2003 unter diesem Namen.
(Tobias Plutat)
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