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Syrien im Ausnahmezustand
Sendung vom 20. Februar 2012
Aus Syrien erreichen uns täglich neue Meldungen von Kämpfen, von Toten und Verletzten. Die Lage ist unübersichtlich und kompliziert: Wer kämpft gegen wen - Regierungstruppen gegen Oppositionelle, Deserteure gegen Soldaten? Wir haben mit Syrern gesprochen, die in Deutschland leben und mit Angehörigen und Kollegen Kontakt halten - auch wenn das nicht immer leicht ist.
Seit fast einem Jahr herrscht in Syrien der Ausnahmezustand - und die Welt sieht zu. Die Gewalt ist seit Beginn der Unruhen im März 2011 immer größer geworden. Täglich verlieren in dem Land, das etwa halb so groß ist wie Deutschland, Duzende Menschen ihr Leben. Nachrichten, die die syrische Community in Deutschland bestürzen, Menschen wie Omar etwa, der ein kleines Restaurant für syrische Spezialitäten führt. Wenn er mit seinen Eltern spricht, nutzt er geheime Codewörter. Er weiß - der Geheimdienst hört mit.
Auch der Apotheker Khalil hat Angst um seine Familie. Vor kurzem musste sein Vater nach Aleppo, um dort ins Krankenhaus zu gehen. Die 80 Kilometer lange Reise dorthin hätte tödlich ausgehen können.
Seinen Namen möchte er nicht nennen und seine Stimme wurde von uns verfremdet. Aus gutem Grund. Auch wenn er selbst schon des öfteren in Lebensgefahr war, versucht der junge Mann alles, um sein Leben und vor allem das seiner Frau und den zwei Kindern zu schützen. Ab dem 09.02.12 berichtet er uns jeden Tag in einem Telefonanruf von der Situatiuon vor Ort.
Anruf aus Damaskus - Das Tagebuch eines SyrersBeitrag von Sabine Rossi
(08.02.12), 3'50
Leichen auf der Straße, von Hunden angefressen; Soldaten, die den Dienst verweigern und erschossen werden, Autokontrollen, die tödlich enden können: Auch der deutsch-syrische Arzt Bassam Abdullah hört Schreckliches, wenn er mit seiner Familie in Damaskus telefoniert. Vom Berliner Exil aus unterstützt der Aktivist den Widerstand gegen das Regime von Bashar al Assad an.
Evren Sekerci im Gespräch mit Bassam Abdullah, Arzt
(08.02.12), 4'04
Bassam Abdullah ist deutsch-syrischer Arzt und lebt in Berlin. Als Aktivist des syrischen Wiederstands im Exil sorgt er sich um das Schicksal seines Landes. Er steht in engem Kontakt nach Syrien und berichtet was ihm Freunde und Verwandte erzählen.
Die Kollegen von Bassam Abdullah in Syrien riskieren täglich ihr Leben. Ärzte dort arbeiten unter Bedingungen permanenter Lebensgefahr. In den Krankenhäusern mangelt es an allem - vor allem für die Behandlung von Oppositionellen, berichtet Martin Glasenapp von der Organisation medico international.
Evren Sekerci im Gespräch mit Martin Glasenapp, medico international
(07.02.12), 6'25
Besuche des Geheimdienstes in den Krankenhäusern mache die Versorgung von verletzen Demonstranten beinahe unmöglich - wer nach einer Demonstration mit einer Schussverletzung am Bein eingeliefert wird, verlasse das Krankenhaus mit einem Loch im Kopf, erzählt Glasenapp.
Glasenapp hat sich mit syrischen Ärzten in Frankfurt in Verbindung gesetzt und unterstützt die syrischen Kollegen, die vor Ort Untergrundkliniken und kleine Feldlazarette einrichten, die Verwundeten in Privatwohnungen verpflegen und Blutkonserven oder Medikamente aus dem Libanon, der Türkei oder Jordanien schmuggeln.
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