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Thema

"Hassen lernen für Allah"

Solinger Salafisten in London vor Gericht

Sendung vom 06. Februar 2012

Sie lebten unbehelligt in der Solinger Innenstadt. Ihre Nachbarn merkten nicht, wie sie sich in einer Moschee radikalisierten und ihr Hass auf Ungläubige stetig wuchs. Erst auf einer Reise nach Großbritannien flogen ihre Pläne auf. Am Montag (06.02.12) haben die Richter vom Strafgerichtshof in London ihr Urteil gegen die beiden Solinger gesprochen.

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Evren Sekerci im Gespräch mit Lisa Steger

(06.02.12), 4'47


Die Männer wurden am 15. Juli 2011 bei ihrer Einreise nach Großbritannien im Hafen von Dover festgenommen. Seither sitzen sie in Untersuchungshaft - im Hochsicherheitstrakt, denn ihnen wird die Vorbereitung eines Terroranschlages vorgeworfen und das hat für die beiden Solinger nun Haftstrafen von 12 und 16 Monaten zur Folge.

Robert B. und Christian E., 28 und 24 Jahre alt, gelten als militante "Salafisten". Das sind Islamisten, von denen sich nicht alle, aber einige zum Terror bekennen. Als die zwei Männer festgenommen wurden, hatten sie Anleitungen zum Bombenbau im Gepäck. Darunter befand sich eine Schrift mit dem Titel "Wie man in der Küche seiner Mutter eine Bombe baut". Zudem besaßen die Männer eine Beschreibung, wie man Klingen an ein Auto montiert und damit in eine Menschenmenge fährt - und zwar so, dass möglichst viele den Tod finden. Die Männer haben gestanden, die Pläne mit sich geführt zu haben. Doch wer sie beauftragt hat und mit wem sie verabredet waren, sagten sie in der Vernehmung nicht.


Vor ihrer Reise nach Großbritannien wohnten Robert B. und Christian E. in der Solinger Innenstadt, wo sie sich in einer Hinterhof-Moschee radikalisiert haben sollen. Dort verkehrten auch salafistische Prediger, die bundesweit auftreten. Eine Schlüsselrolle soll dabei Ibrahim Abu-Nagie gespielt haben, ein Deutscher palästinensischer Herkunft. Er muss sich in Kürze wegen Volksverhetzung vor Gericht verantworten. Abu-Nagie spricht sich für Steinigungen auch in Deutschland aus. Ein Videomitschnitt bringt ihn jetzt vor Gericht: Darin fordert Abu-Nagie vor Kindern und Jugendlichen dazu auf, "Ungläubige" zu hassen und zu bekämpfen.


Polizeiauto vor dem Londoner Westminister Magistrates Court; Rechte: dpa Bild vergrößern

Polizeiauto vor dem Londoner Westminister Magistrates Court

Die Solinger Moschee hat seit Anfang Januar einen neuen Imam: Mohamed M. Der 25-Jährige ist Österreicher mit ägyptischen Wurzeln. Erst im Oktober ist er aus dem Gefängnis entlassen worden. Mohamed M. war wegen der Vorbereitung eines Sprengstoffanschlages zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Er musste diese Strafe bis zum letzten Tag verbüßen, weil er sich auch in der Haft immer wieder zur Gewalt bekannt hatte. Mohamed M. lädt regelmäßig zu Wochenendseminaren für junge Leute ein.

Am 4. und 5. Februar dieses Jahres konnte man ihn in Neuss sehen und hören. Der 25-Jährige hält in der Solinger Moschee jeden Tag eine Ansprache und stellt sie danach ins Internet. Die Ansprachen sind aggressiv und fordern unverhohlen zur Gewalt auf. "Allahs Sieg wird kommen, mit dir oder ohne dich", heißt es da etwa. Die Reden sind mit Maschinengewehrsalven unterlegt.


Mohamed M. hält Briefkontakt zu mindestens einem der beiden Inhaftierten aus Solingen. Dieser Kontakt läuft über eine Internetseite, die Mohamed M. mitbetreut. Diese Seite nennt 30 inhaftierte Personen aus dem islamistischen Spektrum und ruft dazu auf, ihnen zu schreiben. Zu diesen Adressaten zählen Arid U., der auf dem Frankfurter Flughafen im vergangenen März zwei Soldaten erschossen hat, aber auch Mounir M. der wegen einer Beteiligung an den Attentaten des 11. September zu elf Jahren Haft verurteilt wurde. Die Internetseite präsentiert, eingescannt als PDF-Datei, einen handschriftlichen Brief des in London inhaftierten Solingers Robert B. Der 24-Jährige stellt darin klar, dass er nicht ausgestiegen sei. Der Brief endet mit den Worten. "Allah schütze die Mujahidin", also die Gotteskrieger.





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