Montag, 21.05.2012
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Drogenkrieg im Netz
Sendung vom 21. Februar 2012
In Mexiko eskaliert der Konflikt zwischen den Drogenkartellen und dem Staat: Mehr als 50.000 Opfer hat er in den vergangenen fünf Jahren gefordert. Längst sind die Auseinandersetzungen auch im Internet angekommen.
Siham El-Maimouni im Gespräch mit Florian Meyer-Hawranek
(21.02.12) , 3'51
Ein Video als Kampfansage: "Dieser Clip ist eine Botschaft an unsere Gegner", sagt der Mann mit der schwarzen Sturmhaube. Und um zu verdeutlichen, welche Botschaft er genau meint, rammt er sein Kampfmesser in das Schwein, das seine ebenfalls maskierten Kameraden festhalten. Mehrere Minuten geht das so.
Jaime Contreras sitzt in einem Großraumbüro im Zentrum von Mexiko-Stadt. Das Drohvideo mit dem Schwein hat er auf dem Blog "Mundo Narc" gefunden. Contreras ist Journalist bei der Zeitung Nuevo Excelsior. Sein Spezialgebiet ist der Drogenkrieg. In Mexiko eskaliert er seit Jahren: Die Kartelle kämpfen um Geld und Einfluss. Mehr als 12.000 Opfer hat der Konflikt 2011 gefordert. Doch das blutige Chaos in den Straßen ist nur ein Schlachtfeld, sagt Contreras. Der Kampf hat sich längst auch ins Internet verlagert.
Drogen als Phänomen der Popkultur
Blog del Narco Die Kartelle pflegen mittlerweile eigene Seiten, verschicken ihre Botschaften an bekannte Blogs wie Mundo Narco oder den Blog del Narco und verbreiten nach Schießereien genau die blutigen Bilder im Netz, die den Zeitungen und Fernsehsendern zu brutal sind.
"Um sich bei anderen ins Gedächtnis einzubrennen, reicht es heute nicht mehr, nur zu morden", erklärt Contreras. "Die Drogenkartelle zerstückeln ihre Gegner und veröffentlichen diese Barbarei dann im Netz." Die Botschaft ist klar: An uns kommt keiner vorbei. Ergebt euch oder ihr werdet leiden, bevor wir euch umbringen. Blogs und soziale Netzwerke werden in Mexiko aber nicht nur genutzt, um Angst zu schüren. Sie funktionieren auch als Werkzeug - zum Beispiel, um Freunde vor Schießereien zu warnen. Vor allem da, wo Journalisten aus Angst nichts mehr veröffentlichen, haben es Blogger übernommen, über die Gewalt der Banden aufzuklären.
Aber die Drogenkartelle sind auf die Posts aufmerksam geworden und gehen jetzt auch gegen die Blogger vor. Wie im Fall von Maria Elizabeth Macías. Unter dem Nickname "La nena de Laredo", das Mädchen von Laredo, schrieb sie über die Gewalt in ihrer Stadt, bis sie selbst vor einigen Monaten ermordet wurde. Neben ihrer enthaupteten Leiche lag eine Tastatur und eine Warnung: Hört mit dem Schreiben auf.
Mindestens vier weitere Blogger sind seitdem ermordet worden. Genaue Zahlen gibt es nicht. Und viele mehr werden bedroht - auch einen Hacker von Anonymous sollen die Kartelle für kurze Zeit entführt haben. Vielleicht ein Fehler, denn das Hackerkollektiv hat angekündigt, geheime Dokumente der Drogenmafia ins Netz zu stellen, falls sie weiter Mitglieder von Anonymous angreifen sollte. Die Ansage hat offenbar Wirkung gezeigt. Bisher musste Anonymous noch nichts veröffentlichen.
(Florian Meyer-Hawranek)
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