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Thema

Filmseminar im Knast

Zusammenprall zweier Welten

Sendung vom 01. Februar 2012

Junge Intensivtäter aus dem Knast und Akademiker zusammen beim Filmegucken: Was zunächst selbst wie ein Filmstoff klingt, hat so tatsächlich in Bochum stattgefunden. In Funkhaus Europa spricht die Initiatorin Hilde Hoffmann über angespannte Wärter, hohen Zigarettenkonsum und spannende Gespräche im Gefängnishof.

Stuhlkreis in der JVA Wuppertal; Ruhr Universität Bochum


Spätestens nach den gemeinsamen Tränen beim Liebesfilm war der Bann gebrochen. Schon die zweite Sitzung begann mit guter Stimmung. Einige Jungs sagten, sie hätten die Minuten bis zum Abend gezählt, erzählt die Filmwissenschaftlerin Hilde Hoffmann, die das Projekt initiiert und geleitet hat.


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Sebastian Filipowski im Gespräch mit Hilde Hoffmann, Filmwissenschaftlerin

(01.02.12), 8'11

Überrascht waren die Studierenden darüber, wie wenig geläufig es für die Häftlinge war, über eigene Gefühle zu sprechen. Die Diskussionen waren anfangs mühsam bis grotesk, berichten die Teilnehmer. Oft leuchtete den Häftlingen einfach nicht ein, was noch zu bereden sei. Besser ins Gespräch kam man in den Zigarettenpausen auf dem Gefängnishof.


Teilnehmer des Filmseminars im Knast; Rechte: Institut für medienwisschenschaften der Ruhr Universität Bochum

Teilnehmer des Filmseminars "Filme befreien den Kopf"

"Neben den Filmen haben wir viel voneinander erfahren, viele Tattoos bewundert und wüste Geschichten über Narben gehört", erzählt Hoffmann. Sie ist der Meinung, dass durch die vom filmischen Erleben angeregten Gespräche die Teilnehmer daran gearbeitet haben, eigenes und fremdes emotionales Erleben differenziert in Worte zu fassen und zu reflektieren - eine Voraussetzung für Empathie und eine Auseinandersetzung mit den eigenen (Straf-)Taten.


Institut für Medienwissenschaften

"So unterschiedlich wir auch waren, wir konnten Zeit miteinander verbringen, ohne schlecht von den Häftlingen zu denken, sie zu verurteilen, oder gar Angst vor ihnen zu haben", fasst ein Bochumer Studierender seine Erlebnisse während des Seminars zusammen. Was bleibt, ist Erstaunen darüber, wie wenig pädagogische oder kulturelle Arbeit in Gefängnissen vorgesehen ist, um eine Auseinandersetzung mit der Situation oder eine Verbesserung der extrem hohen Rückfallquoten jugendlicher Straftäter anzugehen.





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