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Thema

Café Revolution

Reportagereihe aus Kairo und Tunis

Sendung vom 26. März 2012

Männer sitzen im Al-Fishawi Cafe im Khan al-Khalili Bazaar in Kairo und unterhalten sich; Rechte: dpa

Die jungen Revolutionäre in Ägypten und Tunesien haben die arabische Welt auf den Kopf gestellt und die gesamte Menschheit mit ihrem Mut beeindruckt. Der mühsame Weg zur Demokratie hat aber gerade erst begonnen. Funkhaus Europa-Reporter haben Kaffeehäuser vor Ort besucht und den Diskussionen zugehört.


Kein Grund zum Feiern

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Beitrag von Cornelia Wegerhoff, Kairo-Korrespondentin

(23.01.12), 3'34

In Kairo konstituiert sich heute (23.01.12) erstmals das neu gewählte ägyptische Parlament. Mit 47 Prozent der Stimmen wird dabei die Partei der Moslembruderschaft die stärkste Fraktion bilden, gefolgt von der Partei der radikal-islamischen Salafisten. Dieser deutliche Sieg der Islamisten hat bei der offiziellen Bekanntgabe aber kaum jemanden mehr überrascht. Stattdessen warten die meisten Ägypter mit Spannung auf den 25. Januar, denn dann jährt sich erstmals der Beginn der Revolution. In den Kaffeehäusern Kairos wird schon heftig darüber diskutiert, ob dieser Stichtag wirklich ein Grund zum Feiern ist.


Jahresrückblick 2011

Die alten Despoten sind abgetreten, gleichzeitig hat aber auch die weltweite Aufmerksamkeit nachgelassen. Schließlich ist die schrittweise Entwicklung in Richtung Demokratie lange nicht so aufsehenerregend und fotogen wie der Protest von Millionen. Dabei entscheidet sich gerade jetzt, ob der "arabische Frühling" in Ägypten und Tunesien tatsächlich zur großen politischen Wende führt. Funkhaus Europa lädt deshalb ins "Café Revolution" ein, zu einer Reportage- und Gesprächsreihe direkt aus den Kaffee- und Teehäusern in Kairo und Tunis. Denn dort gibt es neuerdings nicht nur heißen Mokka, sondern auch heiße politische Diskussionen.


Ägypten: Ein Land in der Schockstarre

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Beitrag von Cornelia Wegerhoff, Kairo-Korrespondentin

(19.12.11), 3'44

Wieder einmal gab es am Wochenende Tote in Kairo: Bei blutigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und dem Militär in der Nähe des ägyptischen Parlamentsgebäude starben mindestens zehn Menschen, über 700 Personen sollen verletzt worden sein. Viele Ägypter zeigen sich entsetzt über das Ausmaß an Gewalt. Auch Reem steht noch unter Schock. Die Reiseführerin war am Sonntag bei den Protesten dabei und musste aus nächster Nähe mit ansehen, wie ein Demonstrant erschossen wurde.


Kopftuchstreit an der Uni

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Beitrag von Sarah Mersch, Tunis-Korrespondentin

(12.12.11), 3'18

Während Tunesien immer noch darauf wartet, dass sich die Verfassungsgebende Versammlung auf eine neue Regierung einigt eskaliert an der Universität von Manouba, einem Vorort von Tunis, der Streit um den Umgang mit Religion auf dem Campus. Die Salafisten fordern, dass Frauen an der Uni den Niqab tragen dürfen. Unter den Studenten löst diese Forderung Kopfschütteln aus. Zudem sind sie verärgert, dass eine Handvoll Studentinnen den ganzen Unibetrieb lahmlegt. Funkhaus Europa-Korrespondentin Sarah Mersch hat zwei jungen Café-Besucherinnen, Mabrouka und Rafiqa, bei ihrer Diskussion zugehört.


"Die Islamisten klauen uns die Revolution"

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Beitrag von Cornelia Wegerhoff, Kairo-Korrespondentin

(05.12.11), 3'38

In Ägypten sind wieder Wahllokale geöffnet. Denn nach dem Beginn der mehrstufigen Parlamentswahlen vor einer Woche stehen in etlichen Bezirken Stichwahlen an, um die endgültigen Gewinner bei den Einzelkandidaturen zu ermitteln. Einen eindeutigen Trend gibt es trotzdem schon: Die Islamisten haben den ersten Punktsieg nach Hause gefahren. Nach inoffiziellen Angaben kamen die Kandidaten der "Partei für Freiheit und Gerechtigkeit" der Moslembruderschaft in der ersten Runde auf mehr als 40 Prozent der Stimmen. Und auch die radikalen Salafisten sollen überraschend 20 Prozent der Wähler auf ihrer Seite haben. Für die Revolutionäre, die Ägypten die freien Wahlen mit ihrem Volksaufstand überhaupt erst möglich gemacht haben, ist das Ergebnis eine bittere Enttäuschung. "Die Islamisten klauen unsere Revolution", meint Mostafa Galal im Kairoer Café Bustan deprimiert. Cornelia Wegerhoff über die ägyptische Stimmung nach der Stimmabgabe.


Parlamentsdebatten en vogue

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Beitrag von Sarah Mersch, Tunis-Korrespondentin

(28.11.11), 3'12

Vor der Revolution wurde hauptsächlich Fußball geschaut, nach der Revolution schauen die Tunesier Politik im Fernsehen. Das Staatsfernsehen überträgt die Debatten der Verfassungsgebenden Versammlung; täglich bis zu zehn Stunden. Mittlerweile werden Rufe nach einem eigenen Parlamentskanal laut. Funkhaus Europa Reporterin Sarah Mersch berichtet über dieses neue mediale Phänomen.


Zum Kaffee mit den Moslembrüdern

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Beitrag von Cornelia Wegerhoff, Kairo-Korrespondentin

(21.11.11), 3'45

Ägypten kommt nicht zur Ruhe. Am Wochenende gab es heftige Zusammenstöße auf dem Tahrir-Platz. Die Lage vor den ersten freien Parlamentswahlen ist äußerst angespannt. Zu den Favoriten unter den mehr als 50 Parteien gehört der politische Ableger der berüchtigten Moslembruderschaft. Unsere Reporterin hat sich mit einigen Mitgliedern getroffen.


Der dunkle Schatten der Vergangenheit

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Beitrag von Sarah Mersch, Tunis-Korrespondentin

(14.11.11), 4'01

Noch laufen in Tunesien die Koalitionsverhandlungen für die nächste Übergangsregierung. Klar ist aber schon jetzt, dass schwere Aufgaben auf die neue Regierung warten. Sie muss das Land nicht nur auf den Weg zur Demokratie bringen und die Wirtschaft ankurbeln, sondern auch die Verbrechen der Vergangenheit aufarbeiten. In den Archiven der Geheimpolizei ruht belastendes Material über die vergangenen 50 Jahre, und auch in den Cafés von Tunis spekuliert man gerne darüber, wer beispielsweise als Informant für den alten Machthaber Ben Ali gearbeitet haben könnte.


Generation Mubarak

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Beitrag von Cornelia Wegerhoff, Kairo-Korrespondentin

(07.11.11), 3'43

"Mubarak? Shift+Delete!", so stand während der ägyptischen Revolution auf dem Pappschild eines Demonstranten zu lesen. Ein witziger Slogan und zugleich bitterernst: Die Facebook-Generation stürzte den greisen Despoten. Bis dato hatten Soziologen die jungen Ägypter als "Generation Mubarak" bezeichnet. Denn nach 30 Jahren Amtszeit haben nur wenige am Nil je einen anderen Präsidenten erlebt. Im Land der Pharaonen existiert auch die sogenannte Alterspyramide: Durch den großen Kinderreichtum im Land ist die Mehrheit der Bevölkerung extrem jung. Über die Hälfte der Ägypter ist unter 25.


Deutliches Ergebnis

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Beitrag von Sarah Mersch, Tunis-Korrespondentin

(30.10.11), 3'28

Es waren die ersten freien Wahlen Tunesiens nach mehr als 50 Jahren. Nach geduldigem Schlangestehen, großen Emotionen bei der Stimmabgabe und tagelangem Auszählen, stand am Donnerstagabend endlich das Ergebnis fest: Ennahdha, die moderate islamistische Partei, holt rund 40 Prozent der Sitze in der Verfassungsgebenden Versammlung Tunesiens. Mit einem Wahlsieg der Partei hatten die meisten Wähler gerechnet, aber nicht mit einem so deutlichen Ergebnis.


Religion statt Revolution?

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Beitrag von Cornelia Wegerhoff, Kairo-Korrespondentin

(24.10.11), 4'03

Während der ägyptischen Revolution haben Muslime und koptische Christen noch Seite an Seite für mehr Freiheit gekämpft. Doch der ägyptische Religionskonflikt sollte nur für ein paar Wochen abebben. Schon im Mai gab es wieder Tote und vor zwei Wochen starben 26 Tote, als eine zunächst friedliche Demonstration von Kopten in Kairo eskalierte. Wie konnte es zu diesem Gewaltausbruch kommen, fragen sich die Ägypter seither. Doch als unsere Reporterin die gleiche Frage mit dem Mikrofon stellte, reagierten die meisten abweisend.


Besorgt, aber nicht verängstigt

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Beitrag von Sarah Mersch, Tunis-Korrespondentin

(17.10.11), 3'28

Unter Ben Ali wurden die Islamisten in Tunesien massiv unterdrückt, nach seinem Sturz haben sie Aufwind. Ihre größte Partei, Ennahdha, gibt sich moderat, doch radikale Splittergruppen machen eine Woche vor den Wahlen in Tunesien von sich reden. Besorgt, seien sei, sagen die meisten Tunesier, aber wirkliche Angst hat kaum einer - dafür sei die Zivilgesellschaft viel zu stark.


Freie Wahlen in Sicht

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Beitrag von Cornelia Wegerhoff, Kairo-Korrespondentin

(11.10.11), 3'48

Wieder gibt es Tote und Verletzte aus Kairo zu melden. Nach einer Demonstration koptischer Christen kam es am Sonntag zu schweren Ausschreitungen. Dabei hatte das vergangene Wochenende so gut begonnen: Mit einem äußerst wichtigen Erfolg für die noch so zerbrechliche, junge Demokratie Ägyptens. Am Samstag gab der seit dem Sturz Mubaraks regierende Militärrat nämlich den Forderungen der Opposition nach und änderte das ägyptische Wahlrecht. "Gut so", freuen sich die Gäste in einem der typischen Kairoer Straßencafés. Bei den am 28. November beginnenden Parlamentswahlen sollen die Ägypter nun endlich frei wählen dürfen.


Die Qual der Wahl

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Beitrag von Sarah Mersch, Tunis-Korrespondentin

(03.10.11), 3'34

Mitte Januar jagten die Tunesier ihren Despoten Zine El Abidine Ben Ali aus dem Land. Seitdem wurde lange um einen Termin für die Wahlen gestritten. Jetzt ist es endlich soweit.
Der Termin steht fest: Am 23. Oktober soll der neue Verfassungsrat gewählt werden. Die Parteien starten nun ihren Wahlkampf und die Tunesier streiten über Politik, bis die Köpfe rauchen - auch im Café Barista. Dabei verstehen aber längst nicht alle, was bei den Wahlen auf dem Spiel steht. 23 Jahre ohne öffentliche Diskussionen und ohne freie Presse haben ihre Spuren hinterlassen.


Die Türken kommen!

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Beitrag von Cornelia Wegerhoff, Kairo-Korrespondentin

(26.09.11), 3'37

Die Türkei hat es geschafft, einen gemäßigten Islam mit demokratischen Werten zu verbinden. Deshalb gilt sie nun als Modell für die Staaten des arabischen Frühlings. Den türkischen Staatschef Erdogan dürfte die neue Rolle freuen. Er wird nun von Tunis bis Kairo hofiert. Und natürlich wird in den Kairoer Cafés über die Türkei als demokratisches Vorbild diskutiert. Auch Mohamed, Suleifa und Suzanne sind sich in ihrer Sympathie für die Türkei einig. Sie sehen in dem Land einen ehrlichen Verbündeten auf ihrem Weg zum neuen Ägypten.


Die große Abrechnung

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Beitrag von Cornelia Wegerhoff, Kairo-Korrespondentin

(19.09.11), 3'41

Auf rund 40 Milliarden Dollar schätzen Experten das Vermögen des Mubarak-Clans, das in großen Teilen auf ausländischen Konten ruht. Und allen ist klar: So viel Geld kann unmöglich ausschließlich ehrlich verdient worden sein. Der wichtigste Mann im Staat war auch jahrelang sein größter Dieb, schreiben Ägyptens Zeitungen. Und das Volk war und ist immer noch arm dran. Das merkt auch der Café-Besitzer Michel Abdel Malak. Seit der Revolution seien die Gäste noch sparsamer geworden, klagt er. Und die beiden Gäste Karoline und Cherie befürchten, dass sich Islamisten die wachsende Armut zu Nutze machen könnten.


Frauenpower auf Ägyptisch

Der Sturm auf die israelische Botschaft werfe ein falsches Licht auf Ägyptens Revolutionäre, findet die Reiseführerin Reem, die den friedlichen Protest unterstützt. ; WDR/Wegerhoff Bild vergrößern

Der Sturm auf die israelische Botschaft werfe ein falsches Licht auf Ägyptens Revolutionäre, findet die Reiseführerin Reem, die den friedlichen Protest unterstützt.

In Ägypten hat sich die Lage am Wochenende wieder dramatisch verschärft. Mindestens drei Tote und über 1000 Verletzte sind zu beklagen, nachdem vor der israelischen Botschaft in Kairo Proteste eskalierten. Zunächst waren mehrere Zehntausende völlig friedlich zu einer der sogenannten Freitagsdemonstrationen auf den Tahrir-Platz gekommen. Doch anschließend zog eine Gruppe zur israelischen Botschaft weiter.
Beim Sturm auf das Gebäude lieferten sich gewaltbereite Demonstranten dort in der Nacht zu Samstag heftige Auseinandersetzungen mit den ägyptischen Sicherheitskräften. Die israelischen Botschaftsmitarbeiter konnten zwar unbeschadet gerettet werden, aber neben Toten und Verletzten auf Seiten der Ägypter wiegt auch der diplomatische Schaden schwer.


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Beitrag von Cornelia Wegerhoff, Kairo-Korrespondentin

(12.09.11), 3'48

Ägypten ist geschockt. "Das hat nichts mit unserer Revolution zu tun", distanzieren sich die Anhänger der Demokratiebewegung von den Randalierern. Auch Funkhaus Europa Korrespondentin Cornelia Wegerhoff geriet am Wochenende in den Strudel der Ereignisse. Sie hatte sich mit drei Frauen zum Café-Gespräch verabredet. Dabei erlebte sie nicht nur Frauenpower auf Ägyptisch, sondern auch ... ein Nachspiel!


Intellektuellen-Treff: Café Riche in Kairo

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Beitrag von Cornelia Wegerhoff, Kairo-Korrespondentin

(05.09.11), 3'45

Das altehrwürdige Café Riche hat schon mal eine Revolution erlebt. Seit über 100 Jahren ist es ein Schmelztiegel kritischer Meinungen und Treffpunkt der Kairoer Intellektuellen. Das Café liegt nur 200 Meter vom berühmten Midan el Tahrir entfernt. Dem Platz, auf dem 18 Tage lang das Herz der ägyptischen Revolution schlug. Kairo Korrespondentin Cornelia Wegerhoff berichtet von dem Café am Puls der Zeit.



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