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Kiezblogs
Sendung vom 05. Juli 2012
Internet: Das klingt immer gleich international, global, geradezu unendlich - auf jeden Fall nicht nach dem kleinen Mikrokosmos vor der eigenen Haustür. Welchen Nerd interessieren schon Themen wie "Änderung der Müllabfuhrzeiten", "Neuinstallation von Straßenlaternen" und "Nachbarschaftsfestplanung"? Ganz klar: Die Kiezblogger. Sie mischen den Lokaljournalismus im Netz ordentlich auf.
Anna-Bianca Krause im Gespräch mit Christine Watty
(05.07.12), 4'22
Kiezblogger lieben ihren Kiez und auch die Themen, die sich um das eigene Stadtviertel ranken. Weniger begeistert aber sind sie davon, wie die Lokalberichterstattung bisher von den klassischen Medien verstanden wurde. Was ist da schon viel mehr zu lesen als Kleintierzüchter-Berichte - sagt zum Beispiel Max Büch vom Netzmagazin neukoellner.net. Mit seinen Redaktionskollegen zeichnet er ein ganz anderes Bild von seinem Viertel in Berlin. Ein Bild, für das in der herkömmlichen Presse kaum Platz wäre.
Welche Nachrichten hinterlassen zum Beispiel Stadtbewohner an Straßenlaternen, Supermarkt-Pinnwänden und an Hauserwänden? Und welche Geschichten erzählen sie über das urbane Leben? Der Neuköllner lässt nach der Idee eines Berliner Blogs seine Leser die schönsten und auch seltsamsten gefundenen Nachrichten sammeln, und stellt diese dann in einer kleinen Online-Ausstellung vor. Kiez-Engagierte werden interviewt und porträtiert, Konzerte rezensiert, dazu gibt's genügend Platz für die Geschichten der Bewohner des Viertels. Und das macht den Neuköllner übrigens auch für Nicht-Berliner lesenswert. Geschichten über Menschen funktionieren schließlich überall.
Kiezradio.org
Ruhrbarone
Kiezblogs.deEbenfalls sehr atmosphärisch geht der Podcast "Kiezradio.org" mit seinem Stadtteil um. Hier streifen Christian Grasse und Bettina Conradi ausgerüstet mit Mikro und Aufnahmegerät regelmäßig durch ihren Kiez. Und reden dabei. Mit sich selbst, mit Leuten, die sie treffen. Sie erkunden Veranstaltungen im Viertel, treffen echte Kiezgrößen, neue und alte Bewohner der Häuser und Straßen. Die quasi ungeschnittenen Audioreportagen kommen dann - ins Netz. Unterhaltsam und vor allem: eine sehr liebenswerte Würdigung für einen Stadtviertel.
Die Kiezblogger allerdings halten sich nicht fern von Lokalpolitik. Und auch nicht von den eher drögen Themen, wie man sie auch aus der gedruckten Presse kennt. Kleine Blogs informieren schlicht über das, was so von der Stadtverwaltung geplant ist und Einfluss haben könnte auf das Leben im Viertel - und größere wie die Ruhrbarone (Webseite!) verlinken, berichten oder kommentieren auch das, was für das wahre Kiez-Urgestein wichtig ist: Bauzeiten und Bauvorhaben, Straßenführungspläne, Bürgermeisterwahlen. Wer wirklich Bescheid wissen will, was vor der eigenen Haustür passiert, kann sich gut bereichern lassen von den Kiezblogs. Oder vielleicht - selbst eines schreiben?
(Christine Watty)
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