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Reisetipp

Jakobsweg

Die Wiederbelebung der Pilgertradition

Sendung vom 22. Oktober 2012

Der Jakobsweg ist ein europäisches Wege-System, das nach Santiago de Compostela führt, wo der Apostel Jakobus begraben sein soll. Seit einigen Jahren erlebt der Pilgerweg einen enormen Boom. Immer mehr Menschen wandern ihn Stück für Stück ab - aus den unterschiedlichsten Motiven. Unsere Reporterin Marta Kupiec war eine von ihnen und stellt den Weg genauer vor.

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Kathrin Schröter im Gespräch mit Marta Kupiec, Funkhaus Europa-Reporterin

(22.10.12), 4'41


Wenn vom Jakobsweg gesprochen wird, ist in erster Linie der Camino Francés gemeint, also jene hochmittelalterliche Hauptverkehrsachse Nordspaniens, die von den Pyrenäen zum Jakobsgrab reicht und dabei die Königsstädte Jaca, Pamplona, Estella, Burgos und León miteinander verbindet. Die Entstehung dieser Route fällt in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts. Alleine in Spanien wurden außer dem Camino Francés acht weitere Jakobswege registriert. In Deutschland führen sechs offizielle Strecken nach Santiago de Compostella und das seit dem Mittelalter.


Ein Fischer, der zur Berühmtheit wurde

Altar des Jakobus in der Kathedrale von Santiago de Compostela; dpa Bild vergrößern

Altar mit Jakobus

Der Heilige Jakobus war zusammen mit seinem Bruder Johannes einer der zwölf Apostel. Er arbeitete als Fischer am See Genezareth und soll in Spanien als Missionar unterwegs gewesen sein. Nach seinem gewaltsamen Tod in Jerusalem, wurden die Gebeine der Legende nach über das Mittelmeer nach Galicien gefahren. In Santiago de Compostela befindet sich angeblich sein Grab. Das Fest des Heiligen Jakobus wird am 25. Juli begangen. Fällt der 25. Juli auf einen Sonntag, findet in Santiago ein heiliges Jahr statt. Das letzte heilige Jahr war 2010, das nächste ist 2021.

Im Mittelalter gehörte Santiago mit Rom und Jerusalem zu den drei großen christlichen Pilgerzielen. Bis heute hat sich daran nicht viel geändert. Besonders in den letzten 20 Jahren hat die Pilgerschaft auf dem Jakobsweg einen großen Aufschwung erlebt. Waren 1987 nur rund 5000 auf dem Weg unterwegs, wurden im Rekordjahr 2010 über 270.000 Pilger gezählt!

Jeder wichtige Pilgerort hat sein Abzeichen: Jerusalem das Jerusalemkreuz, Rom die gekreuzten Pilgerstäbe und Santiago die Jakobsmuschel. An der Küste Galiciens gibt es diese Kamm-Muscheln wie Sand am Meer, seit dem 12. Jahrhundert werden sie von den Pilgern als Andenken nach Hause mitgebracht. Viele Pilger tragen die Muschel direkt auf ihrer Kleidung oder befestigen sie am Rucksack.


Das richtige Pilger-Equipment

Gepackter Rucksack mit Stab und Jakobsmuschel lehnt an Stuhl mit darüber hängenden Schuhen; dpa Bild vergrößern

Mit Muschel und Stab

Zu der Hauptausrüstung eines Pilgers gehören gutes Schuhwerk, eine Kopfbedeckung für alle Wetterlagen sowie ein eher sparsam gepackter Rucksack. Wer zu viel mitgenommen hatte, musste sich schon oft von dem Mitgebrachten trennen - sei es in einer der Pilgerherbergen oder am Wegesrand. Unentbehrlich für die Reise ist ein Pilgerpass, der durch die entsprechenden Vereinigungen für den Jakobsweg ausgestellt wird. Der Pilgerpass, spanisch 'Credencial' genannt, ist für drei Zwecke nützlich: Er dient als Dokument, um auf dem Weg Pilgerstempel zu sammeln, welche bei bestimmten Kirchen, bei Pfarrämtern, manchmal in Tourismusbüros und in Pilgerherbergen erhältlich sind. Viele Pilgerinnen und Pilger betrachten diese Stempel als eine Art Tagebuch und wertvolles Souvenir.

Der Pilgerpass weist eine Person als Pilgerin oder Pilger auf dem Jakobsweg aus. Er berechtigt dazu, in den Pilgerherbergen aller Länder - Spanien eingeschlossen - um einen Übernachtungsplatz zu fragen. Bedingung ist, dass man zu Fuss, per Fahrrad oder zu Pferd unterwegs ist. Ein Recht auf Übernachtung lässt sich daraus nicht ableiten.

In Santiago kann auf dem Pilgerbüro gegen Vorweisen des Pilgerpasses die 'Compostela' bezogen werden. Die 'Compostela' ist die traditionelle Urkunde, die bestätigt, dass jemand nach Santiago 'pietatis causa' (aus religiösen und/oder spirituellen Motiven) gepilgert ist. Seit 2009 wird für die Urkunde verlangt, dass die letzten 100 Kilometer der Strecke zu Fuß oder die letzten 200 Kilometer zu Pferd oder per Fahrrad zurückgelegt wurden.
(Marta Kupiec)



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