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Fernweh pragmatisch
Sendung vom 17. September 2012
Weil seine Jugend scheiße war, gondelt er kreuz und quer über den Globus und sammelt Geschichten. Andreas Altmann ist einer der erfolgreichsten Reisereporter der Republik, mit seinen Büchern schürt er das Fernweh der Leser. Die Summe seiner Reiserfahrungen bündelt er jetzt zu einer "Gebrauchsanweisung für die Welt".
Sebastian Filipowski im Gespräch mit Andreas Altmann, Reisereporter
(17.09.12), 7'39
Was ist der Unterschied zwischen einem Reisenden und einem Tourist? Dem Reisenden genügt es nicht, nur die Top-Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Er möchte eintauchen und erleben was das Land und die Leute ausmacht. So wie Andreas Altmann, der seit Jahrzehnten um den Erdball hastet. Gerade ist er wieder zurück aus dem Nahen Osten, hat Palästinenser nach ihren Geschichten gefragt. Reporter, Reisender, Menschenfischer. In seinen Büchern berichtet er von den Schicksalen, in die er Einblick erhält.
Jetzt erklärt er seinen Lesern, wie man mit der Welt, wenn man reist, richtig umgeht. Auch in der "Gebrauchsanweisung" erzählt er von magischen Momenten, die ihm Begegnungen bescherten. Von einer Liebelei in der Wüste. Von der Freude beim Überlisten eines Grenzbeamten. Von einer Fahrt im stinkenden Bus. Er erklärt aber auch, warum der Gebrauch gefaketer Führerscheine in Indien dem Allgemeinwohl dient, gibt Tipps, wie der Reisende elegant Bettler ignoriert. Er mahnt zur steten Höflichkeit und betont die Ausnahme der Regel an Haltestellen in Shanghai. "Wer sich in der Schlange anstellt und wer nicht grob werden will, der muss eben warten. Bis die 1,3 Milliarden Chinesen vor ihm abgefahren sind."
Wenn einer weiß, wie man reist, dann er: Über 100 Länder auf fünf Kontinenten hat Andreas Altmann erlebt. Zu Fuß ist er ohne Geld von Paris nach Berlin gelaufen ("34 Tage, 33 Nächte"), mit dem Bus von New York bis San Francisco gefahren ("Im Land der Freien"), mit der Eisenbahn hat er Indien entdeckt ("Notbremse nicht zu früh ziehen."). Im vergangenen Jahr reiste er gedanklich in seine Kindheit in Altötting und schrieb sich mit dem programmatischen Titel "Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend" in die Bestsellerlisten. "Hätte ich eine liebliche Kindheit verbracht, ich hätte nie zu schreiben begonnen, nie die Welt umrundet", sagt der Kisch-Preisträger, der nach Jahren als Tellerwäscher, Anlageberater und Schauspieler mit 34 Jahren endlich seine Berufung fand. Seit zwei Jahrzehnten lebt Altmann in Paris, "weil es hier schön ist", und hat bislang fünfzehn Bücher geschrieben.
(Carmen Sadowski)
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