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Die andere Seite der Straße
Sendung vom 29. Oktober 2012
Der Brasilianer Marcos Bernstein wurde 1998 berühmt. Er hatte das Drehbuch geschrieben zu dem Film "Central Station", der international ein großer Erfolg wurde. Sechs Jahre später schrieb er erneut ein bemerkenswertes Skript, und setzte sich dann aber selbst auf den Regiestuhl. "Die andere Seite der Straße" lief hier leider nicht im Kino, kommt jetzt aber zum Glück auf DVD raus.
Beitrag von Francesco Tornabene, Filmexperte
(29.10.12), 3'31
Schneewittchen - so lautet der Undercover-Name eines Polizeispitzels in Rio de Janeiro. Schneewittchen, das ist eigentlich Donna Regina, eine Rentnerin, die sich die Zeit damit vertreibt, ihr Wohnviertel auszuspionieren. Sie meldet den Behörden Falschparker, Taschendiebe oder kleine Drogendealer. Mit Feldstecher steht sie am Fenster ihrer Wohnung, und ihrem aufmerksamen Blick entgeht nichts und niemand. Eines Tages glaubt Donna Regina, im Haus gegenüber einen Mord beobachtet zu haben. Als sie das Verbrechen meldet, glaubt ihr die Polizei aber nicht, und so fängt Donna Regina an, selbst zu ermitteln. Nein, wir befinden uns nicht in einer brasilianischen Version von "Miss Marple", in der eine rüstige Rentnerin auf Mörderjagd geht. Marcos Bernsteins gelungenes Regiedebüt "Die andere Seite der Straße" ist auch nicht eine Hommage an Hitchcocks "Das Fenster zum Hof". Was wie ein Krimi anfängt entwickelt sich nämlich sehr schnell zu einer sensiblen Studie über Anonymität, Isolation, Einsamkeit und Älterwerden.
Donna Regina lebt seit der Trennung von ihrem Mann allein. Sie hat eine Hündin, um die sie sich kümmert und ab und zu trifft sie sich mit ihrem Enkelkind. Der unbezahlte Undercover-Job für die Polizei ist das einzige, was ihrem Leben noch Sinn gibt. Mit dieser Arbeit hofft sie, nicht so zu enden wie die alten Männer und Frauen, die den lieben langen Tag an den Tischen am Strand sitzen. Sie vertreiben sich dort die Zeit mit Spielen, stricken oder suchen einfach nur die Gesellschaft von anderen, um nicht allein zu Hause zu hocken. Auch Donna Regina flüchtet vor der Einsamkeit, und wie Fernanda Montenegro diese alte verbitterte Frau spielt, hat ihr zu Recht auf mehreren Filmfestivals den Preis als beste Hauptdarstellerin beschert. In ihren Augen spiegelt sich immer wieder die Sinnlosigkeit des Lebens der von ihr verkörperten Figur. Sie spielt sehr intensiv eine Frau, die sich nach Liebe sehnt und gleichzeitig Angst davor hat.
Als sie jemanden kennen lernt, der ihr den Hof macht, reagiert sie fast panisch. Donna Regina fühlt sich alt, nicht mehr begehrenswert, und sie hat eine Sorge, die im Grunde viele Menschen haben: Sie glaubt, einem neuen Partner nicht genügen zu können und bleibt deshalb lieber allein. Das alles inszeniert Marcos Bernstein als packendes Drama, das nicht nur ältere Menschen betrifft, sondern schnell eine Allgemeingültigkeit bekommt, die einem noch lange nachgeht.
Die andere Seite der Straße
Originaltitel: O Outro Lado da Rua | The other Side of the Street (Brasilien/Frankreich 2004), ca. 93 Minuten.
Regie
Marcos Bernstein
Schauspieler
Fernanda Montenegro, Luiz Carlos Persy, Laura Cardoso, Raul Cortez, Eliana Cesar, Marcio Vito, Caio Ramos, Milene Pizarro, Miguel Lunardi, Mauro Jose u.a.
Bildformat
Widescreen (1.78:1 - anamorph)
Tonformat
Dolby Digital 5.1 in Deutsch
Dolby Digital 5.1 in Portugiesisch
Untertitel
Keine Untertitel
Bonusmaterial
Originaltrailer
Making of (portugiesisch ohne Untertitel)
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