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A Gang Story - Eine Frage der Ehre
Sendung vom 22. Oktober 2012
"Exbulle trifft Exganoven, um sein Leben zu verfilmen." So beschreibt der ehemalige Polizist und jetzige Regisseur Olivier Marchal seine Begegnung mit dem ehemaligen Gangster Edmond Vidal, dessen Autobiografie "Für eine Handvoll Kirschen" er verfilmt hat. Mit "A Gang Story - eine Frage der Ehre" lockte Marchal in Frankreich beachtliche 1,2 Millionen Zuschauer ins Kino. Hierzulande darf man froh sein, dass man den Film überhaupt zu sehen bekommt, und zwar als DVD-Premiere.
Beitrag von Francesco Tornabene, Filmexperte
(22.10.12), 3'35
Der in die Jahre gekommene Ex-Gangster Edmond Vidal, den alle nur Momon nennen, erinnert sich an seine Jugend. Eine Rückblende führt in das Jahr 1964. Momon und sein bester Freund Serge Suttel klauen im jugendlichen Leichtsinn eine Kiste Kirschen und werden dafür hart bestraft: sechs Monate Gefängnis, und das nur, weil Momon Sinti ist, und der bornierte Jugendrichter ein Exempel statuieren will. Als die beiden Freunde aus dem Gefängnis entlassen werden, geraten sie erst recht auf die schiefe Bahn. Ein ehemaliger Zellengenosse von Momon ebnet den Weg, indem er die entsprechenden Kontakte zu einer Bande herstellt.
Was dann folgt ist Geschichte, und zwar wahre französische Zeitgeschichte der siebziger Jahre, die Regisseur Oliver Marchal nach der Autobiografie des echten Edmond Vidal wieder lebendig werden lässt. Sein Buch mit dem Titel "Für eine Handvoll Kirschen" schildert den Aufstieg des Sinti-Jungen Momon zu einem der meistgesuchten Bankräuber Frankreichs, und der Film wirft die Frage auf, ob Momons Leben anders verlaufen wäre, wäre er als Heranwachsender nicht für einen Jungenstreich ins Gefängnis gesteckt worden. Eigentlich ist Momon nämlich ein anständiger Kerl mit einem ausgeprägten Ehrenkodex. Olivier Marchal hat "A Gang Story" spannend, actionreich, mit intensiven Schauspielern und dem richtigen Gespür für authentische Situationen inszeniert.
Man merkt immer wieder, dass Marchal Polizist gewesen ist. Sein Blick auf die Unterwelt ist differenziert, und deshalb verschweigt er auch nicht, wie damals, während der Regierungszeit von Charles de Gaulle, Politik und organisiertes Verbrechen miteinander verstrickt waren. Olivier Marchal, der sonst Filme über Polizisten dreht, erzählt dieses Mal eine Geschichte aus der Sicht der Ganoven. Das liegt an dem realen Vorbild der Handlung, wie er im sehenswerten Bonusmaterial erklärt. Dabei wird ein Polizist im Film zu seinem Sprachrohr.
Er sagt, was Marchal über den echten Edmond Vidal, der während der Dreharbeiten als Berater vor Ort war, denkt: "Weißt du, warum wir hier sind? Es macht mir Spaß, dich ein bisschen kennen zu lernen. Obwohl Verbrecher sonst eher nicht mein Ding sind. Ich muss gestehen, dass du anders bist. Guter Familienvater, guter Sohn, guter Ehemann und ein guter Freund." Freundschaft bedeutet für Momon in der Tat sehr viel. Und hier setzt der fiktive Teil des Films an.
Obwohl Momon sich schon seit langem zur Ruhe gesetzt hat und inzwischen sogar achtfacher Großvater ist, zögert er keine Sekunde, als es gilt, einen Kumpel aus vergangenen Gangstertagen zu helfen. Mit "A Gang Story - Eine Frage der Ehre" erweist sich Regisseur Olivier Marchal endgültig als würdiger Nachfolger des französischen Regisseurs Jean-Pierre Melville, dem wir einige der besten Gangsterfilme überhaupt verdanken. Es ist eine Schande, dass dieses atmosphärisch sehr dichte, verschachtelt inszenierte Meisterwerk in Deutschland nicht im Kino gelaufen ist. Wer das Genre mag, sollte "A Gang Story" also auf keinen Fall verpassen.
(Francesco Tornabene)
A Gang Story
Originaltitel: Les Lyonnais (Frankreich 2011), ca. 105 Minuten.
Regie
Olivier Marchal
Schauspieler
Gerard Lanvin, Tcheky Karyo, Daniel Duval, Dimitri Storoge, Patrick Catalifo, Francois Levantal, Francis Renaud, Lionnel Astier, Valeria Cavalli, Estelle Skornik u.a.
Bildformat
Widescreen (2.35:1)
Tonformat
DTS HD Master Audio 5.1 in Deutsch
DTS HD Master Audio 5.1 in Französisch
Untertitel
Deutsch
Bonusmaterial
Making Of
Trailer
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