Donnerstag, 20.06.2013

Suche im gesamten WDR Web

  • Tipps zur vergrößerten Ansicht
  • Alle WDR E-Mail Adressen von A bis Z
  • Alle WDR Sendungen von A bis Z
  • Inhaltsverzeichnis wdr.de
  • Hilfe
  • Audio


Hauptnavigation Funkhaus Europa


Partnersender


Banner Service


Sie befinden sich hier: > WDR.de > Funkhaus Europa >Service >Der Fluss war einst ein Mensch


Filmtipp

Der Fluss war einst ein Mensch

Gelungener Alptraum

Sendung vom 27. September 2012

Bei Debütfilmen wird oft experimentiert. Vieles geht in die Hose. Nicht so beim Regiedebüt von Jan Zabeil. Mit seinem Film "Der Fluss war einst ein Mensch" hat er sich die Hürde besonders hoch gelegt. 80 Minuten fast ohne Worte, dafür aber mit einem Sog, den viele millionenschwere Actionstreifen nicht schaffen. Eine Geschichte, die in Afrika spielt. Mitten in der Wildnis.

Unsere Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
http://www.macromedia.com/go/getflashplayer_de

Beitrag von Ravi Karmalker

(27.09.12), 3'32


Schon der Anfang lässt nichts Gutes ahnen. Da fährt ein junger Deutscher alleine im Jeep durch die afrikanische Wildnis des Okavango-Deltas in Botswana. Es wird dunkel, die Scheibenwischer kommen kaum gegen den Regen an, als eine Kuhherde plötzlich im Scheinwerferkegel auftaucht. Mitten auf der Straße. Vollbremsung! Dass er überlebt hat, sehen wir, als der Tag anbricht. Er parkt den Jeep am Rand eines Sees und schließt sich einem einheimischen Fischer an. Eine Weile treibt der Deutsche mit dem alten Fischer im Kanu durch die Gewässer. Später, als es dunkel wird, lassen sich die beiden Männer auf einer Insel im Flussdelta an einem Lagerfeuer nieder. Dort erklärt ihm der Alte, dies sei das Haus aller Tiere, auch das Haus des Büffels und des Löwen. Sie sehen dich und sagen: 'Der Mensch kommt um mich zu töten. Er ist mein Feind. Ich gehe zu ihm.' Und sie kommen und töten dich. Der junge Deutsche, man sieht es ihm am skeptischen Blick an, tut das erst mal als Märchenonkelgeschichte ab. Aber als er am nächsten Morgen erwacht, ist der Fischer überraschend gestorben.


Nichts, woran man sich festhalten kann

Filmplakat: Draufsicht von Alexander Fehling als der Backpacker im Boot liegend; Filmgalerie 451 Bild vergrößern

von Jan Zabeil

Dies ist der eigentliche Beginn der Geschichte, die Regisseur Jan Zabeil erzählen will. Bis hierhin hätte es noch ein wohl temperiertes Abenteuer durch eine Art afrikanisches Disneyland sein können, wie es viele Europäer erleben, wenn sie ein paar Tage mit Hilfe von afrikanischen Rangern und High-Tech-Survival-Equipment durch Afrikas Wildparks lustwandeln.

Ganz anders beim jungen Deutschen Backpacker. Er wickelt die Leiche des alten Afrikaners in eine Plastikplane, legt sie auf das Kanu und versucht völlig hilflos das schmale Holzboot durch das Flussdelta zu steuern. Wohin? Wo kamen sie her? Wo steht sein Jeep? Unmöglich, sich zu orientieren. Überall Wasser, Schilf, Fliegen, Moskitos. Krokodile. Alles sieht gleich aus. Die wenigen Errungenschaften westlicher Zivilisation, wie ein Feuerzeug oder eine Taschenlampe, versagen bald ihren Dienst.
Völlig ausgezehrt steuert er durch die Sümpfe, das Kanu schaukelt, die Leiche des alten Afrikaners geht über Bord, der Deutsche sinkt ohnmächtig ins Boot zurück. Es könnte dies auch sein Ende sein. Doch dann wacht er überraschenderweise in einem kleinen afrikanischen Dorf auf. Wer ihn gerettet hat, weiß er nicht. Ist ihm auch egal, er will nur weg. Seine Fragen nach einem Telefon, nach Straßen, Autos laufen ins Leere. Nichts, woran man sich festhalten kann. Als er einem Afrikaner erzählt, dass er die Leiche des alten Fischers verloren hat, zieht sich die Schlinge um den jungen Deutschen weiter zu.
"Wenn er tot ist und noch nicht beerdigt, wird er ins Dorf zurückkehren, um nach seinen Lieben zu suchen, um sie zu töten. Er holt sie zu sich, weil er allein ist. Verstehst du? Er wird seine ganze Familie töten. Er wird dich auch töten."


Eine Wildnis, die Menschen frisst

Szene: Nur mühsam kann der junge Tourist (Alexander Fehling) das Boot mit der Leiche des Schiffers stehend manövrieren; Filmgalerie 451 Bild vergrößern

Wohin?

Wer gehofft hatte, der Deutsche Backpacker kommt davon, der sieht sich getäuscht. Der junge Afrikaner fordert ihn auf, mit ihm wieder ins Kanu zu steigen, auf den See rauszufahren, um die Leiche des alten Afrikaners zu suchen. Die Odysse, sie beginnt jetzt erst richtig.

Der Fluss war einst ein Mensch von Jan Zabeil ist ein filmischer Alptraum, mit einem Sog, den viele große Produktionen nicht schaffen. Das liegt unter anderem am Nachwuchsdarsteller Alexander Fehling, der mit seinem nuancierten Spiel zwischen Ignoranz allem Afrikanischen gegenüber und wachsender Todesangst schlicht Weltklasse beweist. Und nicht zuletzt Kameramann Jakub Bejnarowicz, der einem mit beeindruckenden, stellenweise meditativen Naturaufnahmen eine Wildnis nahe bringt, die Menschen frisst.
(Ravi Karmalker)


Filminfos

Der Fluss war einst ein Mensch
Originaltitel: Der Fluss war einst ein Mensch (Deutschland 2011), 83 Minuten

Regie
Jan Zabeil

Schauspieler
Alexander Fehling, Sariqo Sakega, Obusentswe Dreamar Manyima, Babotsa Sax'twee, Nx'apa Motswai





Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.